Anti-Pelz-Label

09. November 2010 14:43; Akt: 09.11.2010 14:54 Print

«Lieber nackt als im Pelz»

Kleiderläden, Boutiquen und Modemarken, die auf echte Pelze verzichten, können dies den Kunden mit einem neuen Label mitteilen.

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Jasmin Brunner lässt für den Tierschutz die Hüllen fallen. (Bild: STS)

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Der Schweizer Tierschutz (STS) hat zusammen mit der internationalen Fur Free Alliance ein «Fur Free Fox»-Label lanciert. An Ladentüre oder Schaufenster eines Geschäfts geklebt, bescheinigt das Schild, dass hier keine echten Pelze zu haben sind. Der STS stellte das neue internationale Label am Dienstag in Zürich vor.

Zur Auswahl stehen zwei Ausführungen: Ein rundes Logo mit einem schlafenden Füchslein und dem Schriftzug «Hier wird kein Echtpelz verkauft» oder ein Plakat im A4-Format mit einem nackten Model unter dem Titel «Lieber nackt als im Pelz» und daneben das Füchslein-Logo.

Problem Billigpelze

Nachdem traditionelle Anti-Pelz-Kampagnen kaum mehr ein Echo haben, hat die Fur Free Alliance der Pelzindustrie mit der neuen Strategie den Kampf angesagt. Das Problem seien heute nicht mehr Luxus-Pelzmäntel, sondern die Billigpelze, die überall Krägen, Kapuzenumrandungen und dergleichen verzieren, sagte STS-Präsident Heinz Lienhard.

Diese werden vorab in China produziert. Rund 30 Millionen Pelztiere werden dort laut STS jährlich getötet - unter unglaublichen Umständen. Nach grausamer Haltung werde den Tieren, die teils noch bei Bewusstsein seien, der Pelz abgezogen. Eine «grauenvolle Massentierquälerei», so Lienhard.

Anti-Pelz-Plakatwettbewerb

Aber nicht nur in Fernost, auch etwa in skandinavischen Pelztierfarmen sind laut STS tierverachtende Zustände weit verbreitet. Die Farmen könnten zudem gegen die chinesische Billig- Konkurrenz wirtschaftlich nicht bestehen. Dies habe eine Konzentration der Pelzproduktion in China zur Folge, sagte Lienhard.

Parallel zu Anstrengungen, ein Umdenken in Europa herbeizuführen, sind laut Tierfilmer Mark Rissi auch in China selbst Anstrengungen des Tierschutzes im Gange - etwa ein Anti-Pelz-Plakatwettbewerb, an dem tausende Design-Studierende teilnahmen. Man setze auf den Schneeball-Effekt, anderes sei in China nicht möglich, sagte Rissi.

Einige Fortschritte

Auch wenn man angesichts des mangelnden Echos den Mut weiterzunmachen verlieren könnte, gebe es doch auch Fortschritte, sagte Lienhard: Eine ganze Reihe grosser Designer und Kleidergeschäfte verzichteten mittlerweile bewusst auf Echtpelz. Zudem hätten das Schweizer Parlament und die EU Import und Handel zumindest mit Katzen- und Hundefellen verboten.

Auch Lienhard verurteilt im übrigen nicht ausnahmslos alle Felle oder Pelze, wie er einräumte: Was hierzulande an Tierhäuten aus Schlachtung für die Nahrung anfalle, könne unbedenklich angezogen werden. Dazu gehörten etwa Lammfellmäntel, Schweinslederjacken oder dergleichen.

(sda)