Tesla-Aktie verliert

18. August 2018 02:37; Akt: 18.08.2018 02:54 Print

«Manchmal verlasse ich die Firma für vier Tage nicht»

In einem Interview gibt Elon Musk zu, wie sehr ihn die Arbeit mitnimmt. Die Tesla-Aktie verlor darauf fast neun Prozent an Wert.

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«Das vergangene Jahr war das schwierigste und schmerzhafteste meiner Karriere»: Tesla-CEO Elon Musk. (Archivbild) Jetzt muss Elon Musk bei der Börsenaufsicht antraben. In einem Tweet dachte der Tesla-Chef ... laut über den Ausstieg aus der Börse nach. Daraufhin gewann die Aktie an Wert. Allerdings nur kurzfristig: Am Donnerstag verlor sie im US-Handel zeitweise an die sechs Prozent und schloss 4,8 Prozent schwächer bei gut 352 Dollar. Der Kurssprung, den Musk vor zwei Tagen mit seiner Erwägung auslöste, Tesla zum Kurs von 420 Dollar zu privatisieren, ist damit weitgehend verpufft. Das Unternehmen Tesla kämpfte 2018 immer wieder mit Problemen. Offenbar hat im Frühling ein Mitarbeiter grosse Mengen vertraulicher Daten an «unbekannte dritte Parteien» weitergegeben. Tesla-Chef Elon Musk hatte angekündigt, rund 9 Prozent der gesamten Belegschaft zu entlassen. Ausserdem sorgten mehrere Unfälle mit den Elektroautos für Schlagzeilen: Hier kollidierte ein Tesla Model S mit einem Polizeiauto in Kalifornien. Der Tesla war mit Autopilot unterwegs gewesen. Ein Fehler im halb-autonomen Fahrsystem kostete diesen Tesla-Fahrer in Kalifornien das Leben. Der Konzern schreibt jedes Jahr rote Zahlen. Tiefere Kosten und Wachstum im chinesischen Markt sollen dieses Jahr erstmals Gewinne einfahren. Die Krise macht sich auch in der Schweiz bemerkbar: Dieses Jahr kamen 31 Prozent weniger Tesla-Autos in die Schweiz als in den ersten vier Monaten des Vorjahrs. Vor allem vom neueren Model X wurden in der Schweiz mit 146 Autos merklich weniger ausgeliefert als in der Vorjahresperiode (260). Wars das jetzt mit dem Tesla-Boom in der Schweiz? Andreas Herrmann, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen, hält das für unwahrscheinlich. Herrmann glaubt eher, dass Tesla nicht liefern kann, weil das Unternehmen Schwierigkeiten mit der Produktion hat. Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer ist überzeugt, dass das Produktionschaos beim neuen Model 3 ausschlaggebend für die Zukunft von Tesla ist. Der Pionier bekommt nämlich mehr und mehr Konkurrenz. So ist Jaguar mit dem i-Pace auf dem Markt und Firmen wie Porsche sowie Audi wollen 2019 ihre E-Autos lancieren. CEO Elon Musk gab sich an der Konferenz zu den ersten Tesla-Quartalszahlen des Jahres schnoddrig: Er fand Fragen «trocken» und «nicht cool». Musks unprofessionelles Verhalten wurde zumindest kurzzeitig von den Investoren abgestraft: Während der Telefonkonferenz verlor die Tesla-Aktie 4,7 Prozent. Tesla ist zum Jahresauftakt so tief in die roten Zahlen gefahren wie in noch in keinem Quartal zuvor. In den ersten drei Monaten stieg das Minus des Elektroauto-Herstellers auf fast 710 Millionen Dollar – mehr als das Doppelte des Verlusts aus dem Vorjahreszeitraum. Die Negativschlagzeilen zu Tesla reissen nicht ab: Im April 2018 wurde bekannt, dass Vorgänge in der Tesla-Fabrik im kalifornischen Fremont von den US-Behörden untersucht werden. Das Unternehmen von Tech-Milliardär Elon Musk wies den Vorwurf in einem Firmen-Blog entschieden zurück und sprach von einer gezielten «Desinformationskampagne». Der Vorwurf: Tesla habe schwerwiegende Verletzungen in seiner Fabrik im kalifornischen Fremont absichtlich in Unfallstatistiken unterschlagen. Davor musste der Elektroauto-Hersteller bereits den vorübergehenden Produktionsstopp des neuen Tesla Model 3 bekannt geben. Elon Musks zweites Unternehmen SpaceX ist in der Raumfahrt tätig.

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Freimütige Äusserungen von Tesla-Chef Elon Musk über seine Erschöpfung haben die Aktie des US-Elektroautobauers am Freitag ins Minus gedrückt. Die Tesla-Papiere verloren bis zum Börsenschluss 8,9 Prozent an Wert (Schlusskurs 305,50 Dollar).

Dies geschah, nachdem Musk in einem Interview mit der «New York Times» Auskunft über seine Anstrengung gegeben hatte, die Produktion bei Tesla auf Kurs zu bringen. In dem Interview berichtete Musk über den persönlichen Tribut, den er in diesem Jahr gezahlt habe. «Es gab Zeiten, da habe ich die Fabrik drei oder vier Tage nicht verlassen – Tage an denen ich nicht vor der Tür war», sagte er. «Das vergangene Jahr war das schwierigste und schmerzhafteste meiner Karriere.» Dies sei «kaum auszuhalten» gewesen.

Kein Stellvertreter

Um schlafen zu können, habe er sich Medikamente verschreiben lassen müssen. Zudem habe er jede einzelne Stunde seines 47. Geburtstages bei der Arbeit verbracht und beinahe die Hochzeit seines Bruders verpasst. «Es kamen Freunde vorbei, die sich wirklich Sorgen gemacht haben», sagte der Tesla-Chef der Zeitung.

Zugleich berichtete Musk von der bisher erfolglosen Suche nach einem Stellvertreter. Er habe bei Facebook-Vize Sheryl Sandberg angefragt.

Seinen aufsehenerregenden Tweet über den möglichen Börsenrückzug des Autobauers verteidigte Musk indes. Diesen bereue er nicht. Musk hatte Anfang vergangener Woche mit einer Reihe von Tweets für Wirbel und Verwirrung gesorgt, in denen er Pläne eines Börsenrückzugs erwähnte. Dabei schrieb er auch, dass die Finanzierung gesichert sei und er Chef des Unternehmens bleiben wolle. Erst später gab es eine offizielle Firmenmitteilung.

Der Handel mit den Tesla-Aktien war vorübergehend ausgesetzt worden – mittlerweile beschäftigt sich Medienberichten zufolge die US-Börsenaufsicht mit dem Fall.

Keine Reue

Auch die Geschäftsleitung des Unternehmens hatte Firmenchef Musk mit seiner Ankündigung überrascht. Gegenüber der «New York Times» gestand er nun ein, dass niemand seinen Tweet mit der Ankündigung zum möglichen Börsenrückzug gelesen habe, bevor er online ging. Dennoch bereue er ihn nicht. «Wieso sollte ich?», sagte er. Seinen Worten zufolge waren die Äusserungen auf Twitter ein Versuch, transparenter zu kommunizieren.

Der in Südafrika geborene Musk, der neben Tesla auch noch mit seiner Firma SpaceX Touristen ins All bringen will und weitere ambitionierte Projekte verfolgt, gilt als einer der innovativsten Unternehmer der USA. Zugleich steht er unter wachsendem Druck von Investoren, da es zuletzt immer wieder Verzögerung bei der Produktion von Teslas Model 3 gab, mit dem der Elektroautobauer den Durchbruch auch auf dem Massenmarkt schaffen will. Tesla war 2010 an die Börse gegangen; Musk hält selbst knapp 20 Prozent der Anteile.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gerry41 am 18.08.2018 07:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tesla

    Wahrscheinlich ein ehrliches Interview, aber nicht bei allen Investoren so erwünscht. Allerdings "bitte mit den menschlichen Ressourcen" haushalten!

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  • jule am 18.08.2018 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gewaltige Aufgabe

    eine Firma wie Tesla von nul aufzubauen ist eine gewaltige aufgabe.

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  • Peter Pan am 18.08.2018 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Whow

    Ich bin eine Einmannfirma und wenn ich sie verlasse nimm ich sie mit nach Hause...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mario am 20.08.2018 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bewundere ....

    Musk's Arbeit sehr. Dennoch wird er nicht drum herum kommen seine Technologien längerfristig zu patentieren. Patenlose führende Erfindungen an die Welt zu verschenken ist ein unlukratives Geschäft...

  • M.G. am 20.08.2018 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Workaholic und Manierist

    Er arbeitet rund um die Uhr weil er niemandem traut es so gut zu machen wie er selbst. Das macht einsam und ihn zu einem Gehetzten seiner eigenen Ambitionen. Und er macht es weil er es kann obwohl das Geschäft schon sehr gut läuft. Hier löst sich seine Arbeit vom ursprünglichen Zweck. Wenn er so weitermacht wird er das Rentenalter nicht erreichen. Vielleicht braucht die Welt Typen wie ihn die sich derart aufreiben weil sich sonst nichts entscheidendes bewegt.

  • Luke am 20.08.2018 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Logische Konsequenz

    Vor ein paar Wochen hat er den Preis der Aktie durch "unzulässige Manipulation" in die Höhe gepusht mit dem Tweet über die Privatisierung. Nun muss er den Fehler korrigieren, sonst macht ihm die Börsenaufsicht die Hölle heiss. Das ist alles Politik und hat nichts mit Ehrlichkeit zu tun.

  • Veat am 20.08.2018 10:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitte

    Wie war das noch? In 2 - 3 Jahren fahren wir alle Elektroautos?

  • Cihocast am 19.08.2018 22:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pubertät nicht überstanden...

    Wenn der nur halbwegs klar im Kopf wäre, dann würde er mal Autos bauen lassen und sich mit seinen pubertären Äusserungen zurückhalten....

    • Peter am 20.08.2018 15:18 Report Diesen Beitrag melden

      Er baut ja fleissig..

      momentan baut Herr Musk bzw. seine Angestellten rund 6'000 Model 3 Autos pro Woche.

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