Rive-Reine-Tagung

17. Januar 2011 14:20; Akt: 17.01.2011 20:46 Print

«Mini-Bilderberger» beraten sich

von Sandro Spaeth - Die Top-Shots aus Wirtschaft und Politik sind in einer Nestlé-Villa bei Vevey zur Geheimkonferenz. 20 Minuten Online war vor Ort.

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Sandro Spaeth
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Der Car mit den Hauptteilnehmern trifft ein. Christophe Darbellay und Urs Schwaller steigen aus.
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Eine erste Limousine mit Zürcher Kennzeichen fährt vor. Eine Person steigt aus und eilt unerkannt ins Kongressgebäude.
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Ein Polizeiauto ist aufs Gelände gefahren, vermutlich ein Zeichen, dass die Teilnehmer bald eintreffen werden.
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Vor dem Rive-Reine-Kongresszentrum warten vier Aktivisten von «We are change», einer Organisation mit Hang zu Verschwörungstheorien. Sie haben Kameras dabei und wollen Interviews mit den Teilnehmern der Konferenz führen. Zuvor wurden sie laut eigenen Angaben von einem Security-Mitarbeiter vom privaten Grund des Kongresszentrums verwiesen.
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Vor dem Hauptgebäude von Nestlé ist alles ruhig. Laut Programm dürften die Politiker und Wirtschaftschefs jetzt beim Apéro sein, bevor sie später zum Kongresszentrum verschieben.
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Die CVP kommt ebenfalls an die Nestlé-Tagung. Um 16 Uhr fährt ein Bus der CVP vor. Wer darin sitzt, ist nicht zu erkennen.
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Eingetroffen ist der ehemalige Finanzminister und heutige Verwaltungsratspräsident der UBS, Kaspar Villiger. Er sei gut vorbereitet, sagt er zu 20 Minuten Online. Über die mediale Aufmerksamkeit zeigt er sich genervt. Er fände es daneben, welche Aufregung die Journalisten um die Tagung machen würden, sagt Villiger. Es sollte doch noch möglich sein, ein solches Treffen durchzuführen.
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Nun beginnen die schwarzen Luxuslimousinen vorzufahren.
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Die Zahl der Journalisten hält sich vor dem Hauptsitz in Grenzen. Es ist nur ein Kamerateam des Westschweizer Fernsehens TSR vor Ort.
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Vor dem Hauptgebäude von Nestlé in Vevey ist eine Reihe von Parkplätzen für die Teilnehmer der Rive-Reine-Tagung abgesperrt. Noch ist alles ruhig.
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Mehrere Limousinen und ein Car mit den Einflussreichen sind kurz vor 19 Uhr beim Nestlé-Tagungszentrum Rive-Reine in La-Tour-de-Peilz eingetroffen. Die wenigen Demonstranten forderten Transparenz und skandierten «Mini-Bilderberger». Verschwörungstheoretiker unterstellen den Teilnehmern der jährlichen Bilderberg-Konferenz, sie würden hinter dem Rücken der übrigen Menschenheit über das Schicksal der Welt bestimmen.

Das exklusive Treffen der Mächtigen hatte bereits um 16.30 Uhr im Nestlé Hauptsitz in Vevey begonnen. Nach einem Apéro hat sich die illustre Garde aus Topmanagern, Magistraten und einigen Partei- oder Fraktionschefs dann per Reisecar ins einige Kilometer entfernte Tagungszentrum zurückgezogen.

An der Rive-Reine-Tagung diskutieren die Konzernchefs und Politiker über das Thema Demografie. Als Experte ist laut «Tages-Anzeiger» der Hamburger Professor Reinar Münz eingeladen. Offiziell spricht man von lockerem Gedankenaustausch. Anderer Meinung ist Autor Viktor Parma: Er schreibt in seinem Buch «Machtgier», dass an der Rive-Reine-Tagung über die Zukunft der Schweiz bestimmt wird. 2010 diskutierte der «Club der Einflussreichen» über die Themen Abwehr der Abzockerinitiative und Boni-Steuern.

Einladung als grosse Ehre

Die Rive-Reine-Konferenz ist eine Art Schweizer WEF, nur dass an der Tagung am Genfersee alles hinter verschlossenen Türen stattfindet. Während in Davos vor laufender Kameras diskutiert wird, ist beim Rive-Reine-Treffen die Öffentlichkeit ausgesperrt. Die Mächtigen bleiben unter sich. Wer teilnimmt - oder besser gesagt eine der begehrten Einladungen erhält -, ist geheim.

Die Einladung an die Rive-Reine-Tagung gilt als Ehre. Dieses Jahr unterzeichnete das Schreiben der ehemalige Nationalbankpräsident und heutige Nestlé-Verwaltungsrat Jean-Piere Roth. Stammgast bei der Tagung, die 1975 das erste Mal durchgeführt wurde, ist der Abt von Einsiedeln, Martin Werlen. Vertreten ist meist auch der Blocher-Clan - zuletzt durch Ems-Chefin Magdalena Martullo-Blocher, der Tochter von alt Bundesrats Christoph Blocher. Nie zuteil wurde die Ehre einer Einladung angeblich dem 2010 verstorbene Swatch-Gründer Nicolas Hayek. Er soll als zu rebellisch gegolten haben.

Ursula Wyss geht nicht

An der Rive-Reine-Tagung erwartet werden hingegen Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf und Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann sowie Natinalbankpräsident Philipp Hildebrand. Zudem dürfte UBS-Chef Oswald Grübel und Novartis-VR-Präsident Daniel Vasella anwesend sein. Zur Rive-Reine-Tagung eingeladen war auch SP-Fraktionschefin und Berner Ständeratskandidatin Ursula Wyss. Die Nationalrätin verzichtet aber aus Termingründen auf eine Teilnahme, wie sie 20 Minuten Online auf Anfrage mitteilte. Zudem findet sie: «Das geheimnisvolle Gehabe ist problematisch.»

Wer beim Geheimtreffen tatsächlich vorfährt und ob die Globalisierungskritiker von Greenpeace und der Erklärung von Bern (EvB) die Rive-Reine Tagung erneut zu stören versuchen, erfahren sie bei 20 Minuten Online.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Macchia Velli am 18.01.2011 06:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ach nee

    Was haben Ursula Wyss, Darbellay, Villiger und aktive Bundesräte/innen in einem solchen Gremium zu suchen, bzw. verloren?

  • Antikleriker am 17.01.2011 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Bilderberger lassen grüssen

    Die Tatsache, dass vieles geheim bleibt, bedeutet nichts gutes. Sage nur, die Bilderberger lassen grüssen.

  • DNL Sch am 18.01.2011 18:21 Report Diesen Beitrag melden

    Wegweisend

    Dies nennt man ein Mini-Bilderberg treffen auf Deutsch... Man sieht wie die Elite protzt. Kein Verstecken mehr, aber halt!!! Das ist keine Verschwoerung, alles Legal und hat keine Konsequenzen. Ihr muesst das Glauben!!! Wieso sollte sich denn der Dirigismus in der Schweiz aufloesen, alle sind gluecklich...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Julian Buchwalder am 21.03.2011 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    ist es Legal?

    ist es nach Verfassung/Menschenrecht legal, dass sich Konzernchefs und Politiker im Geheimen absprechen?? Das ist doch das Gegenteil einer Demokratie...

  • DNL Sch am 18.01.2011 18:21 Report Diesen Beitrag melden

    Wegweisend

    Dies nennt man ein Mini-Bilderberg treffen auf Deutsch... Man sieht wie die Elite protzt. Kein Verstecken mehr, aber halt!!! Das ist keine Verschwoerung, alles Legal und hat keine Konsequenzen. Ihr muesst das Glauben!!! Wieso sollte sich denn der Dirigismus in der Schweiz aufloesen, alle sind gluecklich...

  • Macchia Velli am 18.01.2011 06:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ach nee

    Was haben Ursula Wyss, Darbellay, Villiger und aktive Bundesräte/innen in einem solchen Gremium zu suchen, bzw. verloren?

  • nancyboy am 17.01.2011 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    elite-treffen

    und wer bezahlt den ganzen rummel? ich glaube kaum, dass nestle alles bezahlt. wenn es ein privates treffen ist, sollte eigentlich der steuerzahler nicht dafür aufkommen müssen!

    • dirk waldberg am 18.01.2011 00:58 Report Diesen Beitrag melden

      nicht's unübliches

      ich glaube sehr wohl, dass néstle alles bezahlt. solche seminare sind nichts unübliches.

    einklappen einklappen
  • courage am 17.01.2011 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    arm

    Chapeau, Ursula Wyss. Sie lässt sich eben nicht verulken. Die Kommentare lassen darauf schliessen, wie hämisch diese daher gekommen wären, hätte U.Wyss der Einladung "Folge geleistet". Nun bleibt ihnen nur ein ärmliches Zähneknirschen.