User zur Paradeplatz-Demo

17. Oktober 2011 16:20; Akt: 17.10.2011 18:10 Print

«Müssen die nicht arbeiten?»

Die Demonstranten haben den Paradeplatz verlassen. Haben sie ihr Ziele erreicht? Die 20-Minuten-Online-Leser sind skeptisch. Sie sehen in erster Linie «viel Müll» und wenig Hoffnung auf Veränderung.

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Von einem «Kindergarten», einem «Schildbürgerstreich», einem «Spuk» oder einem «Affenzirkus» ist die Rede in den Foren von 20 Minuten Online zur Besetzung des Paradeplatzes. Viele der Leserinnen und Leser unterstützen zwar den Protest gegen die Banken und «Abzocker», doch sie glauben nicht daran, dass sich deswegen etwas am System verändern wird.

Trittbrettfahrer-Aktion

Auffallend viele Kommentatoren vermissen eine klare Botschaft hinter der Bewegung. Silvan Schenk beispielsweise schreibt, die Bewegung habe «kein Konzept, keinen Grund, kein Ziel». User Thrylos kritisiert, es handle sich «einmal mehr um eine Aktion ohne echten Plan dahinter, eher eine Trittbrettfahrer-Aktion». Und Man8 glaubt, es gehe den Demonstranten nur darum, den «Amis nachzuplappern».

Die Demonstrierenden seien die falsche Gruppe, um etwas zu erreichen, lautet der Grundtenor. Sie bestünden hauptsächlich aus «krassen Linkswählern» und «Überlebenskünstlern», schreibt Marcel Schweizer. Es brauche aber «durchschnittliche Bürger, die an solchen Protesten mitmachen», damit sie wirksam würden. SwissHomer steht der Aktion zwar grundsätzlich positiv gegenüber, «doch die Zürcher Aktion kann ich leider noch nicht ernst nehmen, da sie für mich wie ein unorganisierter linker Anlass wirkt». Er hofft, dass auch in Zürich – wie in den USA – der Mittelstand anfange zu demonstrieren. Denn erst «wenn der Mittelstand, unabhängig von Partei- oder Politikzugehörigkeit dazukommt, wird es auch bei uns etwas». Auch Noro 73 glaubt nicht an die Bewegung: «Schade, aber gegen die Weltwirtschaft kommen Demonstranten leider nicht an». Und F.G. meint lakonisch: «Wirtschaftskriege gewinnt man nicht mit friedlichen Streiks. Die Bankenmanager lachen sich doch krumm darüber.»

«Es ist wie mit der Mode»

Trotz zahlemässiger Unterlegenheit in den Kommentarforen zeigen sich aber die Befürworter der «Occupy»-Bewegung in der Schweiz optimistisch: «Dies war erst der Anfang!», glaubt einer. Und «Geissenpeter» schwärmt bereits von der Revolution: «Ein paar wenige, welche die ganze Welt in ein Chaos stürzen. Egoismus, Geldgier ist das, was diese Leute antreibt.» Für Said ist indes auch eine klare Botschaft vorhanden: «Man will auf der ganzen Welt den Banken den Kampf ansagen und dagegen protestieren.» Leser Gustav macht sich «Hoffnung, dass die Gesellschaft langsam aufwacht.» Es sei wie «mit der Mode», glaubt ein weiterer User: «Am Anfang findet man es nicht so toll, doch dann wird man plötzlich mit der Masse mitgerissen.»

«Und wer entfernt den Abfall?»

Grösser als die Frustration über das Bankensystem scheinen für die Kommentatoren aber andere Probleme zu sein. Hans Meiser meint: «Und übrig bleibt ... ein riesiger Haufen Müll und Schmierereien ...» Das müsse alles der Steuerzahler berappen, sind sich viele User einig. Auch die Tatsache, dass die Demonstranten «nicht schaffen» müssen, ärgert gewisse Leser wie MichaelZH. «Ich hätte ab Montag für solche Aktionen keine Zeit, am Samstag auch nicht», schreibt er.

«Happy mit den Banken»

Und zu guter Letzt sind da auch noch diejenigen, die mit dem jetzigen System einfach zufrieden sind. «Ich will keine Veränderung, ich finde es ok, so wie es ist», schreibt ein User. Auch Leser Markus Giller sagt, er sei «happy mit den Banken. Ich habe ein UBS-Konto mit Zins und ich habe eine UBS-Hypothek zu einem fairen Preis. Wo liegt das Problem? Mir hat die Bank noch nie geschadet.»

(egg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ted_Striker, CH am 17.10.2011 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Lustig

    Es sind immer die anderen. Die Banken sind Schuld an der Finanzkrise, die Politiker an den Staatskrisen... etc. Aber mal die Schuld an der Gesellschaft (sich selbst) suchen, das grenzt ja fast schon an Ketzerei. Aber selber immer alles billiger kaufen können, weniger Steuern bezahlen, höhere Renten, höhere Renditen, sichere Jobs... aber wer soll's bezahlen? Die anderen. Wer soll's ausbaden, wenn was schief geht? Natürlich die anderen. Die Gesellschaft muss sich ändern, um aus der Krise zu kommen. ABER MAN MUSS SELBST EINMAL DAMIT ANFANGEN... NICHT ZUERST DIE ANDEREN!!!

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  • Halleluja am 17.10.2011 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Zeichen setzen

    Diese Demo war schon einmal ein Zeichen. In unserem kapitalistischen Land wird es noch eine Weile dauern, bis der Durchschnittsbürger auf die Strasse geht. Uns geht es noch zu gut, um zu demonstrieren. Wir sind weder frustriert, noch verzweifelt, was in New York anders ist. Zürich wird nachkommen.

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  • silvan l. am 17.10.2011 19:58 Report Diesen Beitrag melden

    müssen die nicht arbeiten?

    das ist eine unterstellung. und selbst wenn es stimmt, es ist überhaupt keine schande, sich der lohnarbeit zu verweigern. nur weil ich mich nicht für andere einspannen lasse und meinen alltag selbst bestimme bin ich noch lange nicht abschaum!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marie Antoinette am 19.10.2011 15:53 Report Diesen Beitrag melden

    Der König und sein Schloss

    Ihr könnt euch die Situaton etwa so vorstellen. Die Schweiz ist der Ort mit dem Schloss und dem König (Banken). Die Schweizer sind ihre Bediensteten wie Gärtner, Wachen, Schneider, usw. Wir profitieren alle vom König und dem System und wollen es darum auch behalten!Das restliche Europa liegt ausserhalb der Schlossmauern. Den Bürgern gehen langsam die Mittel aus. Ihr habt kein Brot? So esst doch Kuchen! Fazit: In der Schweiz wird diese Bewegung nie genug Anhang finden, ausserhalb der Mauern aber braut sich was zusammen.Ja wer hätte damals gedacht die gute Marie mal den Kopf verliert :)

  • D.D. am 19.10.2011 00:46 Report Diesen Beitrag melden

    "Demo" um cool zu sein

    O mein Gott was regten mich gestern Morgen all die Studenten beim Paradeplatz auf! Ich arbeite bei der UBS und bin froh, dass mir die UBS die Miete ermöglicht und das berufsbegleitende Studium mitfinanziert. 2 Sachen: 1. Mich nerven all die Studenten, die gegen die Banken demonstrieren und damit gegen ihren zukünftigen Arbeitgeber (evtl.), völlig ohne Plan und nach amerikanischem Vorbild. Wir sind nicht in Amerika. 2. Wieso nehmen die Menschen in der Schweiz die Bankensache nur so persönlich? Es ist ein Business, dass lange Zeit zum guten Ruf der Schweiz beigetragen hat. Bin so genervt!

  • Ein Bürger am 18.10.2011 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    CH Bürger nur Besserwisser!??

    Es ist schon bemerkenswert wie dass Volk immer Bescheid weiss ;o) Daher kriegen wir auch immer Probleme mit dem Rest der Welt, nur weil ein paar Nasen zu faul sind, den Denkapparat anzuwerffen... Aber im Nachhinein etwas klugscheissern, darin sind wir Weltmeisster! Leider ist es so, dass diejenigen die nicht vor Ort waren liber die Klappe halten sollten oder uns zeigen wie es gemacht werden muss!! Es ist einfach immer zu kritisieren, sehr schwer aber konstruktiv etwas zu bewirken! Nun ja, der Anfang ist ja jetzt gemacht, mal sehen wer von euch etwas macht oder doch nur ein Schnurri ist!

  • walder fritz am 18.10.2011 17:28 Report Diesen Beitrag melden

    die macht des kleinen

    und ich bin überzeugt, dies ist erst der scheue anfang, vor jahrhunderten haben die welche nichts hatten die habenden fürsten - aebte - landbesitzer verjagt und vetrieben, heute heissen diese besitzer bänker cio^s usw. es wiederholt sich, denn wer nichts mehr zu verlieren hat wird angriffig. nachdenken wir den abzokern dringend empfohlen.

  • S.M. am 18.10.2011 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Auch Mittelstands-Schweizer an der Demo!

    Einige Freundinnen und ich waren am Samstag da. Wir sind weder arbeitslos noch extrem links, sondern ganz normale Mittelschichts-Schweizerinnen, die jedoch Verantwortung übernehmen und mitdenken. Schon Herr Giezendanners Kommentar im Sonntalk fand ich ziemlich beleidigend, weil er die Augen einfach vor der Tatsache verschliesst, dass auch "normale" Bürger mit dem gängen System nicht mehr einverstanden sind. Und genau darum ging es am Samstag, dafür einzustehen dass WIR eine Änderung wollen! Dass weder Sozialismus noch Kapitalismus die Lösung sind beweisen die rund 1 Mia aktuell Verhungernden!