Grün-Anlagen

27. Dezember 2014 08:14; Akt: 27.12.2014 08:14 Print

«Nach dem Bio-Essen folgt jetzt das Bio-Investment»

von Isabel Strassheim - Sie war Chefin der Schweizer Börse und liest nun Anlegern die Leviten: Wer Geld habe, trage auch Verantwortung, sagt Antoinette Hunziker-Ebneter im 20 Minuten-Interview.

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Schaut im Supermarkt wie auch an der Börse nach nachhaltigen Produkten: Antoinette Hunziker-Ebneter. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Antoinette Hunziker-Ebneter, als ehemalige Chefin der Schweizer Börse liegt Ihnen die Jagd nach Rendite quasi im Blut. Heute sind Sie eine prominente Verfechterin nachhaltiger Anlagen, ist das kein Gegensatz?
Hunziker-Ebneter: Wenn eine Firma 5000 Arbeitsplätze abbaut, dann steigt automatisch ihr Aktienkurs. Das ist aber nur kurzfristig gedacht. Langfristig ist ein Unternehmen nur erfolgreich, wenn es in neue Produkte und Arbeitsplätze investiert. Rendite und sinnvolle Geldanlagen schliessen sich überhaupt nicht aus.

Das sagen Sie jetzt, weil das Ihr neues Geschäftsmodell als Vermögensverwalterin ist.
Nein, ich bin auch dafür, dass die Börse Nachhaltigkeitskriterien in ihr Zulassungsreglement aufnimmt.

Das müsste auch Pensionskassen interessieren, die ihr Geld langfristig anlegen.
Die Schweizer Pensionskassen (PK) investieren ein Vermögen von über 700 Milliarden Franken. Mehr als die Hälfte der Ersparnisse der Schweizer fliesst Jahr für Jahr in die Pensionskassen. Sie haben eine grosse Macht. Und wir sollten wissen, ob sie das Geld in unserem Sinn anlegen. Denn es geht nicht nur um unsere Altersvorsorge, sondern dieses Geld gestaltet auch unsere Zukunft mit, je nachdem wie es eingesetzt wird.

Wie meinen Sie das?
Das ist wie beim Einkaufen: Ich hätte vor 20 Jahren auch nicht gedacht, dass ich heute im Supermarkt schaue, woher das Gemüse, die Früchte kommen und wie sie angebaut wurden. Jetzt aber gehört das für viele einfach dazu. Und wie beim Einkaufen passiert das nun auch beim Geldanlegen. Da achten wir nun auch auf Bio und Fairtrade. Nach dem Bio-Essen kommt jetzt das Bio-Investment. Der Anteil der nachhaltigen Anlagen ist in den letzten zehn Jahren von 3 auf 10 Prozent gestiegen.

Sie meinen, wie inzwischen die Konsumenten können und sollen auch Anleger die Wirtschaft steuern?
Die PKs haben mehr Macht über die Unternehmen als sie glauben. Sie könnten nicht nur nach der Aktienrendite schauen, sondern eben zugleich auch nach der Nachhaltigkeit. Aber dazu bräuchte es mehr Wissen, es ist aufwendiger als einfach in einen Börsenindex oder in eine bestimmte Branche zu investieren. Man muss den Mut haben dazuzulernen.

Wie könnte das konkret gehen?
Es gibt keine zehn Gebote für PKs. Aber neun Fragen, die Arbeitnehmer in puncto Nachhaltigkeit an ihre PK stellen sollten: Zuallererst, ob das Geld nach ökologischen und sozialen Kriterien angelegt wird. Und wie sie die genau definieren. Und wie die PKs die Nachhaltigkeitskriterien bei den Aktienunternehmen überprüfen, nämlich woher sie ihre Informationen über die Unternehmen beziehen. Es genügt nicht, die Hochglanz-Nachhaltigkeitsberichte der Unternehmen zu lesen.

Sondern?
Wenn eine Firma sich in sozialen Projekten engagiert, kann das auch nur Greenwashing sein. Ihr Geschäftsmodell selbst muss zur Lebensqualität von Mensch und Umwelt beitragen. Man muss den Unternehmen entsprechende Fragen stellen. Und ihr Geschäftsmodell prüfen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sie darauf auch reagieren.

Wegen der Minder-Initiative müssen die Pensionskassen ab nächstem Jahr auf den Aktionärsversammlungen abstimmen. Verändert das etwas?
Das ist zwar mehr Arbeit für die PKs. Aber wer Geld hat, hat schliesslich auch Verantwortung. Dadurch könnte sich auch entschieden etwas an ihrem Anlegerverhalten ändern. Das Positive ist, dass die jetzigen Vertreter von Entschädigungskomitees, die zu zu hohen Vergütungen einfach nur genickt haben, nun jährlich abgewählt werden können.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schweizer am 27.12.2014 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    Bio Verkaufstrategie

    Bio ist eine reine Verkaufstrategie.

  • Grüne Fee am 27.12.2014 09:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlechtes Gewissen?

    Kein bisschen glaubwürdig, die Dame

    einklappen einklappen
  • Markus am 27.12.2014 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    Börse

    Tja erst viel Geld an der Börse machen und dann von Bio , langfristig und Nachhaltigkeit Sprüche reissen. Nicht jeder kann sich Bio leisten .

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marco Gasser am 28.12.2014 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das magische Quadrat

    Das ist doch Schwachsinn! Momentan gibt es das magische Dreieck im Anlagegeschäft (Rendite/Sicherheit/Liquidität), wobei jeder Punkt miteinander im Zielkonflikt steht. Nun wäre auch noch Nachhaltigkeit ein vierter Punkt? Dann sind wir schon beim Quadrat. Ich glaube beim Anlagegeschäft interessiert die Meisten nur die Rendite.

  • Kahina am 28.12.2014 07:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kommentare

    Manche scheinen es schlecht zu ertragen dass Frauen erfolgreich und noch dazu ethisch und moralisch korrekt sind. Ein rücksichtsloser Haudegen erhält hingegen meist Zustimmung. Es würde sich lohnen mal darüber nachzudenken.

  • David B. am 28.12.2014 02:12 Report Diesen Beitrag melden

    Sie hätte es bereits ändern können

    Sie macht änderungsvorschläge! Warum hat sie die selben nicht selbst umgesetzt? Hatte sie den erwähnten Mut nicht dafür?

  • Hansi H. am 27.12.2014 21:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erst denken dann schreiben

    Schön, dass sich so viele Leser zu diesem Thema äussern, jedoch anscheinend wirklich auch gar nichts davon verstehen...geniesst besser den Schnee ;-)

  • trayder am 27.12.2014 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bin trader und kein bauer. gekauft wird was rentiert. egal was draufsteht. chefin der boerse und ethik, lache mich schlapp!