Nick Hayek

31. Juli 2011 10:18; Akt: 31.07.2011 10:18 Print

«Nationalbank soll mehr Geld drucken»

Die Sorge um den starken Schweizer Franken wächst. Wirtschaftskapitäne und Experten schlagen Alarm und setzen die Nationalbank unter Druck. Erste Tourismus-Kantone gehen selber in die Offensive.

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Swatch-Chef Nick Hayek verlangt, dass die Nationalbank an den Devisenmärkten interveniert. (Bild: Keystone)

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Nachdem der Euro und der Dollar zum Franken am Freitag neue Tiefstwerte erreicht haben, verlangt Swatch-Group-Chef Nick Hayek von der Schweizer Nationalbank, im Kampf gegen die Frankenstärke eine höhere Inflation in Kauf zu nehmen und mehr Geld zu drucken. «Der Schaden wäre geringer als derjenige, den der harte Franken im Export und Tourismus anrichtet», sagt Hayek im Interview mit der «SonntagsZeitung».

Trotz des Verlustes von 10,8 Milliarden Franken im ersten Halbjahr müsse die SNB erneut an den Devisenmärkten intervenieren. «Die Nationalbank kann jederzeit Geld drucken. Sie hat immer genügend Geld, um zu intervenieren.»

Experten schlagen Alarm

Experten blasen ins gleiche Horn. Der Chefökonom der Uno-Organisation für Welthandel und Entwicklung, Heiner Flassbeck, fordert die Schweiz auf, den starken Schweizer Franken zu stoppen: «Die Schweizer Exportfirmen werden geradezu vom Markt gefegt, wenn der Franken weiter erstarkt», erklärt er im Interview mit der «NZZ am Sonntag». Die Deutschen würden nur darauf warten, den Schweizer Firmen Aufträge wegzuschnappen. «Keine vernünftige Volkswirtschaft der Welt kann dies zulassen.» Wenn man warte, bis der Franken zum Euro bei 1:1 stehe, sei es für viele Schweizer Exportfirmen zu spät.

Flassbeck rät der Schweiz, dasselbe zu tun, wie sie 1978 schon gemacht hat: «Man muss ein Wechselkursziel auf Teufel komm raus verteidigen und sagen: Mehr Aufwertung lassen wir nicht zu.» Wenn man dies konsequent verfolge, wüssten die Märkte, dass die Schweizerische Nationalbank es ernst meine.

Graubünden startet Tourismus-Offensive

Unter dem starken Schweizer Franken leidet auch der Tourismus. Der Kanton Graubünden geht deshalb in die Offensive. Der Bündner Volkswirtschaftsdirektor Hansjörg Trachsel sagt, sein Kanton sei bereit, sich wegen des starken Schweizer Frankens finanziell bei Tourismusprojekten zu engagieren, sofern die Bergbahnen und der Hotelierverein mitmachten. Derzeit liefen Gespräche.

Da den Ferienregionen neben der Frankenstärke auch noch das schlechte Wetter Sorgen macht, versuchen die Bündner zusammen mit dem Tessin und dem Wallis die Familien mit einer Aktion zu locken: Kinder unter zwölf Jahren können in Begleitung eines Erwachsenen gratis übernachten. «Wenn der Bund jetzt Massnahmen ergreifen würde, wirkten diese frühestens im kommenden Jahr», sagt Trachsel im Interview mit der «SonntagsZeitung».

Schweizer Reisekonzerne kontern mit tagesaktuellen Preisen

Auch die Reisebranche ist betroffen. Weil infolge der Frankenstärke immer mehr Kunden auf ausländischen Internetseiten buchen, wollen Schweizer Reisekonzerne künftig vermehrt tagesaktuelle Preise anbieten. Kunden sollen im Reisebüro Flug, Hotel, Mietwagen und Zusatzleistungen wie Ausflüge, Theatertickets oder Transfers zu aktuellen Preisen und Wechselkursen im Paket geschnürt buchen können.

Die Angebotspalette und die Kombinationsmöglichkeiten sollen wesentlich breiter werden als bisher – und die Preise gleich tief wie im Internet. «Wir wollen das sogenannte ‹dynamic packing› im kommenden Jahr einführen», sagt Hotelplan-Suisse-Chef Thomas Stirnimann. Das Konzept, derzeit im Testlauf, umfasse neben den Direkt-Marken Denner-Reisen und Migros-Ferien auch Hotelplan, Travelhouse und das Geschäft in Italien.

Auch die Konkurrenz arbeitet an ihrer IT. Tui Suisse und Kuoni bauen ihre Möglichkeiten für tagesaktuelle Buchungspakete laut der «SonntagsZeitung» aus. Der Erfolg der neuen IT-Systeme steht und fällt bei allen Anbietern mit der Vernetzung der Datenbanken. Diese sollen innerhalb kürzester Zeit diverse Pakete mit den einzelnen Reisebestandteilen ausspucken.

(feb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike K. am 31.07.2011 13:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Starker CHF = Vertrauen

    Was dabei viele vergessen ist das Vertrauen, welches der starke CHF bringt! Dieses Vertrauen (welches die Schweiz unter anderem dahin gebracht hat wo sie jetzt ist) sind viele aus egoistischen Gründen bereit aufzugeben.

  • jacqueline roozpeikar am 31.07.2011 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Hayek Kommentar

    Ach diese Jammerei uns geht es im Vergleich zu andern Ländern sehr gut, sobald ein windchen weht schreien alle auf,und machen Panik auf Teufel komm rausss

  • Rudolf Ryf am 31.07.2011 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Die SNB scheint mit ihrem Latein am Ende

    Hayek sollte das tun, was er versteht. Dass die Preise steigen werden und die Vermögen der Pensionskassen und der privaten Vorsorge dahin schmelzen, interessiert ihn als reichen Mann nicht. Die SNB hat schon so viel riskiert, dass sie bald mehr Schulden als Vermögen ausweisen wird. Da kann sie noch lange von Buchverlusten faseln. Die Währung eines Landes mit einer marode Notenbank wird sich dann automatisch abwerten. Ausser Negativzinsen stehen ihr nicht mehr viele Möglichkeiten offen, auch wenn viele Politiker etc. davon träumen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sekundäre Wirkung am 01.08.2011 20:43 Report Diesen Beitrag melden

    Glücksfall stabilere Währung

    Es ist logisch, dass Dollar und Euro verfallen, bei der Inflationierungspolitik welche FED und EZB betreiben. Die Rohstoffpreise steigen deshalb in EURO und Dollar auch erheblich und werden weiter steigen. Eine Währung die den Wert bewahrt (= Währung), steigert das Vertrauen in unseren Wirtschaftsraum, fördert die Investitionsfreudigkeit in modernste Produktionsverfahren und stärkt damit insbesondere unsere Maschinenbauindustrie. Mehr Output bei weniger menschlicher Arbeit wird der zukünftige Exportschlager Schweizer Technologie, wie auch in früheren Jahren. Dies macht uns fit für die Zukunft.

    • Reto Gruschel am 01.08.2011 23:52 Report Diesen Beitrag melden

      Ruetli

      So nicht ganz richtig, bei meinem deutschen Arbeitgeber (Hochtechnologie) denkt man bereits über eine komplette Werksschließung in der Schweiz nach.

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  • markus karrer am 01.08.2011 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Herr Hayek: Zählt nur der eigene Profit?

    Tolles Rezept: SNB soll Geld drucken = CHF-Abwertung zulasten der Sparer und Pensionskassen / SNB wird mit ihren EURO und den gekauften ausländischen Staatsanleihen Verluste einfahren - zulasten der Eigentümer der SNB = Kantone = Steuerzahler / und die Exportindustrie streicht die Gewinne ein.

  • Christian Wehrli am 01.08.2011 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    straker Franken

    In der Schweiz ist ohnehin Vieles zu teuer. Der Wettbewerb und Erfindungsreichtum sind gut für eine dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit der schweizer Wirtschaft. Der starke Franken macht auch Vieles günstiger für die Schweizer. (Energie, Rohstoffe z.B.) Insgesamt ist eine starke Währung gut für ein Land. Die o.g Probleme sind beherrschbar.

    • Robert Roman am 03.08.2011 15:50 Report Diesen Beitrag melden

      kurzfristig!

      kurzfristig gesehen haben Sie recht. Längerfristig ist das ein gefährliches Spiel. Starker Franken=hohe Lohn/Stückkosten (außer die Schweizer Angestellten werden künftig in anderen Währungen bezahlt). Die Schweiz profitiert zwar von günstiger werdenden Waren, aber selbst wird sie immer wettbewerbsunfähiger. Die Multis werden die Produktionsstätten ins Ausland verlagern, Tourismus wird stark zurück gehen und die Arbeitslosigkeit sowie Wirtschaftswachstum werden sich deutlich verschlechtern. Das ist derzeit kurzfristiges Profitieren auf Kosten einer stabilen Zukunft!

    einklappen einklappen
  • Jeanclaude am 01.08.2011 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Hayek sieht durch

    Hayek hat absolut Recht. Kurzfristig handeln für positive Langzeitentwicklung. Nach dieser Devise hat bereits Papa Hayek Erfolge erzielt. Zusammenhalten wie 1291 zur Verteidigung des Schweizer Frankens wie es Schneider-Ammann an der 1. August-Rede propagierte nützt nichts und ist für einen BR eine lächerliche Floskel. Die oft kritisierte Nationalbank wirds richten. Die Leute dort sind professionell. Leider werden sie von einigen Politiker nicht unterstützt.

  • John Doe am 31.07.2011 23:33 Report Diesen Beitrag melden

    John Doe

    Richtig, Baden-Württemberg und Bayern reiben sich schon die Hände!