Proteste in New York

16. Oktober 2011 01:01; Akt: 16.10.2011 09:37 Print

«Occupy Wall Street» stürmt den Times Square

Am Times Square in New York sind bei Protesten gegen die Macht der Banken 42 Menschen festgenommen worden. «Occupy Wall Street» hat seinen Protest auf den zentralen Platz Mahattans verlagert.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Tausende Anhänger der Bewegung «Occupy Wall Street» haben ihren Protest gegen die Macht der Banken und die Gier der Grosskonzerne am Samstagabend auf den New Yorker Times Square getragen. «Die Banken wurden gerettet, wir wurden ausverkauft!», skandierten die Kundgebungsteilnehmer auf dem belebten Platz im Zentrum Manhattans.

Teils berittene Bereitschaftspolizisten versuchten, die Menschenmenge auf die Seitenstrassen zu drängen und so auseinanderzutreiben. Die Protestler riefen «Wessen Strassen? Unsere Strassen!»

Die Polizisten führten 42 Leute in Handschellen ab. Bereits zuvor hatte es am Times Square vereinzelte Festnahmen gegeben, als Demonstranten die von der Polizei aufgestellten Absperrungen beiseite stiessen. Polizisten mit Helmen und Schlagstöcken und Polizisten zu Pferd drängten die Menschen zurück. Dabei gab es nach Angaben von Augenzeugen auch Verletzte.

Gemeinsame Konten-Auflösung

Zuvor waren Anhänger der Occupy-Bewegung mit Trommeln, Trompeten und Transparenten vor die New Yorker Niederlassung des Bankhauses Chase gezogen. Bis zu 1000 Menschen versammelten sich vor dem Gebäude. Einige der Teilnehmer gingen in die Bank, um ihre Konten zu kündigen.

Später wurden nach Polizeiangaben jedoch 24 Menschen in einer Citibank-Niederlassung wegen unbefugten Betretens und ungebührlichen Verhaltens festgenommen. Zwei Personen werfen die Behörden ausserdem Widerstand gegen die Festnahme vor. Insgesamt wurden im Laufe des Tages in New York mehr als 70 Demonstranten in Polizeigewahrsam genommen.

Unterstützung von Gewerkschaften

Erst waren die Proteste in New York auf den Finanzbezirk beschränkt gewesen, wo die Protestler ihr Lager in einem kleinen Park unweit des Ground Zero aufgeschlagen haben. In der vergangenen Woche zogen sie dann zu Wohnhäusern von Finanzmagnaten in die mondäne Upper East Side von Manhattan.

Auf dem Times Square waren auch viele Friedensaktivisten anwesend, die auf die hohen Kosten der Kriege etwa in Afghanistan oder dem Irak hinwiesen und forderten, dass das Geld in die Sozialsysteme fliessen solle.

Bewegung zieht weite Kreise

Die Bewegung hatte unter dem Schlachtruf «Occupy Wall Street» vor mehr als vier Wochen im Finanzbezirk der Metropole begonnen und greift auf immer mehr Städte und Länder über. Auch in der Schweiz und in dutzenden anderen Ländern hatte es am Samstag Demonstrationen gegeben. Die Beteiligung an der Aktion in 1000 Städten war sehr unterschiedlich.

In Rom folgten laut Medien mindestens 150 000 Menschen dem weltweiten Aufruf zum Protest der «Empörten». Am Rande der Grosskundgebung unter dem Motto «People of Europe, rise up!» (Völker Europas, steht auf) kam es zu Ausschreitungen. Eine Gruppe Vermummter zündete mehrere Autos an, deren Benzintanks explodierten.

In Lissabon beteiligten sich rund 50 000 Menschen an den Protestaktionen, in London waren es mehrere Tausend Demonstranten, in Oslo nur ein paar Hundert. In der Schweiz beteiligten sich insgesamt 1500 Personen in mehreren Städten.

Zu Fuss von Madrid nach Brüssel

Ein Hauch «Occupy Wall Street» wehte auch durch Deutschland: In Berlin beteiligten sich bis zu 10 000 Menschen an den Protesten. In der Bankenmetropole Frankfurt am Main kamen laut Polizei 5000 Menschen zu einer Protestkundgebung bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Insgesamt folgten in Deutschland nach Angaben der Mitorganisatoren von Attac mehr als 40 000 Kapitalismuskritiker in etwa 50 Städten dem Aufruf zum Protest.

In Schwedens Hauptstadt Stockholm demonstrierten etwa tausend Personen. In Brüssel protestierten 6000 Kapitalismuskritiker. Darunter waren auch Aktivisten der spanischen Bewegung der «Indignados» (Deutsch: Empörten), die zu Fuss von Madrid nach Brüssel gekommen waren. In Paris dagegen folgten nur 200 Menschen dem Aufruf zum Protest. Auch in Slowenien, Bulgarien und weiteren EU-Staaten versammelten sich Globalisierungskritiker. Proteste gab es in Manila, Hongkong, Tokio und anderen Städten.

(mlu/sda/ap)

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bill Bingolo am 16.10.2011 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    OCCUPY WALL STREET

    Intressante videos auf youtube

  • M. Landolt am 16.10.2011 01:18 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt erst Recht!

    einfach nur klasse!! Nicht mehr Nachlassen! Jetzt erst recht!

  • Anonymous am 16.10.2011 01:36 Report Diesen Beitrag melden

    Gut so!

    Die Menschen müssen sich zusammenschliessen und zeigen, dass wir dieses korrupte Banken- und Geldsystem in dieser Form nicht mehr akzeptieren. Wir müssen uns von den Ketten der Lohnsklaverei befreien!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Klar Heinz am 27.10.2011 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Bankenbanditismus

    Jean Ziegler sagt genau richtig, es handelt sich um Bankenbanditismus. Endlich begreifen viele, daß wir uns das 1% der Superreichen nicht mehr leisten wollen/können.

  • Talleger Ueli am 16.10.2011 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    Against the System

    Wenn ein paar wenige Menschend endlich begreifen würden wie das ganze korupte Finanz system aufgebaut ist, würde nur noch das Chaos herschen! Es ist unglablich wenn mand denkt womit sich die Leute abspeisen lassen... Und für ein paar Franken jeden tag zur arbeit gleiten und sich verblöden lassen durch Massenmedien Hollywood und co.

    • Michel.M am 17.10.2011 11:01 Report Diesen Beitrag melden

      Aufwachen

      Sind wir alle selber Schuld daran. Wer rennt den zu den grossen, um seinen eigenen Geldbeutel zu schonen? Wer feiert den neuen Egoismus und spendet am ende vom Jahr Geld um sich ein rühiges Gewissen zu kaufen. Kapitalismus ist eine Art Kontrollsstem, um so stärker man das Kapital abschröpft um so besser lässt sich die Vermehrung und Resorcen Verteilung regulieren.

    einklappen einklappen
  • Tomy am 16.10.2011 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle New Yorker Polizei

    Schön zu sehen, wie angemessen und verhältnismässig und doch konsequent die Polizei in Manhattan darauf reagiert und wie (meist) respektvoll auch die Demonstranten ihre Anliegen kundtun! Die Lage scheint noch immer überblickbar...

    • Marc Bauer am 17.10.2011 12:52 Report Diesen Beitrag melden

      stimmt...

      und gut genährt sehen die Polizisten auch aus. Es lebe der Donut! :-)

    einklappen einklappen
  • Bill Bingolo am 16.10.2011 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    OCCUPY WALL STREET

    Intressante videos auf youtube

  • Der Egon am 16.10.2011 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts gemerkt

    Faszinierend zu sehen, wie diese Bewegung in so kurzer Zeit rund um die Welt Bedeutung bekommt. Okay, Chaoten gibt es immer, grundsätzlich ist dies eine starke Sache. Und die Geldsäcke merken immer noch nichts? Echt?