Gastro-Experte

31. Dezember 2018 17:17; Akt: 31.12.2018 17:17 Print

«0 bis 10 Prozent Trinkgeld ist angemessen»

von Dominic Benz - Eigentlich wurde Trinkgeld in der Schweiz längst abgeschafft. Oft sei es aber trotzdem angebracht, dem Servicepersonal einen Zustupf dazulassen, erklärt ein Experte.

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Trinkgeld gibts nicht nur im Restaurant – doch die Bräuche sind teils etwas anders. Ein grundsätzliches Geschenkverbot für Ärzte gibt es in der Schweiz nicht. Ein Doktor, der Mitglied der » nicht übersteigen dürfen, sofern sie den Arzt in seinen Entscheidungen beeinflussen könnten. Vor allem in kleinen Gemeinden erhalten Pöstler von den Kunden Geschenke wie etwa selbst stehen, müssen die Angestellten aber ablehnen. Bei der Polizei kann es von Ort zu Ort unterschiedlich sein. Angestellte der Stadt Zürich etwa dürfen nicht übersteigen und die Unabhängigkeit des Empfängers dadurch nicht beeinträchtigt wird. Die eigentlich keine Trinkgelder entgegengenommen», sagt Sprecherin Yvette Petillon. Auch hier gehe der Batzen allenfalls ins Personalkässeli. Der Kondukteur darf grundsätzlich ein Trinkgeld entgegennehmen. Sprecher Reto Schärli sagt aber zu 20 Minuten, er habe bisher noch nie gehört, dass ein SBB-Angestellter ins Reisezentrum bringen. In der Flugbranche sind Trinkgelder schenken. In der Schweiz ist es üblich, bei Taxifahrten ein Trinkgeld zu geben. Allerdings erhalten Taxifahrer Trinkgeld, weil viele Kunden kontaktlos bezahlen. In den Stores der Telecom-Branche kommt es oft vor, dass Kunden sich mit kleinen Geschenken, beispielsweise Schokolade, hingegen seien Trinkgelder verständlicherweise eher unüblich. Wie viel Trinkgeld ist angebracht? Darüber streiten sich viele Restaurantbesucher in der Schweiz. Auch die Leser von 20 Minuten haben unterschiedliche Auffassungen darüber, wie hoch der Zustupf für den Service sein soll. Leserin Kathrin sagt etwa: «Wenn das Servicepersonal mich einfach gut bedient, ist das noch kein Grund für Trinkgeld. Eine regelkonforme Ausübung des Jobs verdient noch kein Trinkgeld.» Der Gastro-Experte Rafael Saupe ist damit einverstanden. «Es kann tatsächlich nicht sein, dass man für die blosse Ausführung einer Leistung Trinkgeld geben muss», sagt er zu 20 Minuten. Wenn der Service aber überdurchschnittlich gut und freundlich war, ist Trinkgeld angebracht, so der Experte. «Mit dem Trinkgeld kann der Gast die Wertschätzung ausdrücken.» Leser Roger meint zudem: «Trinkgeld ist nicht angebracht – der Arbeitgeber hat wie in allen anderen Fällen auch einen angemessenen Lohn zu entrichten.» Dagegen sei eigentlich nichts einzuwenden, sagt der Gastro-Experte Saupe. Gebe der Gast aber in einem Restaurant immer wieder wenig Trinkgeld, mache er sich beim Personal sicherlich nicht speziell beliebt. «Vom Service kann er dann keine Extraleistungen erwarten.»

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Wie viel Trinkgeld ist angebracht, und muss man überhaupt etwas geben? Diese Frage beschäftigt auch Schweizer Konsumenten regelmässig, wenn sie in Restaurants oder Bars zu Gast sind. Rafael Saupe, Gastroexperte beim Beratungsunternehmen Desillusion, erklärt im Interview, wie hoch ein angemessenes Trinkgeld sein sollte und wann es knausrig ist, gar nichts zu geben.

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Herr Saupe, muss ich überhaupt Trinkgeld geben?
Mit der landesweiten Einführung des Gesamtarbeitsvertrags im Schweizer Gastgewerbe im Jahr 1974 wurde das Trinkgeld eigentlich offiziell abgeschafft. Es ist seither im Lohn enthalten. Dennoch ist es bis heute Brauch, Trinkgeld zu geben.

Welches Trinkgeld ist im Gastgewerbe angemessen?
Das kann von 0 bis 10 Prozent reichen. Die Höhe des Trinkgeldes sollte jeder Gast immer an der eigenen Zufriedenheit mit dem Essen und dem Service messen.

Wieso sprechen die meisten von 10 Prozent?
Das dürfte damit zu tun haben, dass sich das Trinkgeld so einfach berechnen lässt – egal, ob auf der Rechnung ein kleiner oder grosser Betrag steht. Die 10 Prozent sind eine mathematische Hilfsformel.

Wenn man fürs Essen 1000 Franken zahlt – sind dann 10 Prozent oder 100 Franken Trinkgeld zu viel?
Egal, ob es ein günstiges oder ein teures Essen war – es hängt immer davon ab, wie zufrieden man war. Bei gutem Service sind 10 Prozent angebracht, auch wenn 100 Franken allein betrachtet viel Geld sind. Aber das Trinkgeld wird nicht kleiner, nur weil das Essen teuer ist.

Ist es denn nicht knauserig, wenn man gar kein Trinkgeld gibt?
Wenn einem etwa das Essen auf den Tisch geschleudert wurde, dann nicht. Es ist dann die Aussage, dass die Leistung eben nicht gut genug für ein Trinkgeld war. Knausrig ist es hingegen, wenn man einen aussergewöhnlich aufmerksamen Service erleben durfte und darüber hinaus auch das Essen wirklich überzeugend war.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gast am 31.12.2018 17:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trinkgeld ja, aber Chefs subventionieren?

    Wenn ich mit dem Service zufrieden bin, dann gebe ich ich immer gerne ein Trinkgeld von 5-10%. Was mich aber sehr stört, dass viele Chefs im Gastgewerbe ihren Angestellten lausige Löhne bezahlen, und dann noch erwähnen dass ja noch Trinkgeld dazukomme. Das finde ich eine Frechheit.

  • Lara am 31.12.2018 17:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Witz

    Knausrig ist es vom Arbeitgeber zu erwarten, dass die Kunden ein Trinkgeld geben. Ein Bauarbeiter bekommt für seine "ausserordentliche" Leistung auch kein Trinkgeld.

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  • Echt Jetzt am 31.12.2018 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sprung in der Platte?

    Wie lange und wie oft wollt Ihr dieses Thema noch bringen? Zum x-ten Mal jetzt, echt ätzend. Wenn Ihr nichts Gescheiteres habt, lasst einfach etwas weg, das wär tiptop.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • C. Hola am 01.01.2019 22:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ätzend

    Das Thema ist langsam ätzend wie eine Bachelor-Serie. Kompetente Gastfreundschaft erlebe ich zZt in Spanien. Da könnte die eingebildete CH-Gastrogesellschaft etwas lernen.

  • Maximilian am 01.01.2019 19:44 Report Diesen Beitrag melden

    kein Trinkgeld mehr

    ich gebe weder im Restaurant/Bar noch beim Coiffeur Trinkgeld per sofort.

  • Kcee am 01.01.2019 19:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Schweiz verarmt anscheinend

    Arbeite selbst im Gastgewerbe und freu mich über jeden Rappen. Ich erwarte dies auf keinen Fall von unseren Gästen, aber es ist definitiv so, dass guter und aufmerksamer Service nach wie vor von den meisten Menschen geschätzt wird. Und die Affen, die meinten, dass alle Servicearbeitenden was anderes machen sollten damit sie mehr verdienen kann ich nur sagen:"in dem Fall könnt ihr euer Essen und Trinken zukünftig einfach aus dem Automaten drücken. Da bekommt ihr auch jeden Rappen zurück und könnt euch dann wieder mit euch selbst unterhalten!" Meine Coiffeuse geb ich übrigens auch IMMER was!

    • Lucie am 01.01.2019 19:52 Report Diesen Beitrag melden

      Coiffeusen sind genauso Meister...

      des künstlichen Lächelns und der falschen Komplimente wie die Mitarbeitenden des Gastgewerbes an der Kundenfront. Eigenartigerweise zahlen die Kunden solcher heuchlerischen Freundlichkeit und Illusion gerne satte Trinkgelder, Menschen mögen es eben gerne, wenn man ihnen schmeichelt...

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  • tim tim am 01.01.2019 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    was ich nicht lache

    immerwieder gibts solche leute die uns weiss machen wollen was richtig ist und was falsch. nur ich bestimme wieviel ich Taschengeld gebe oder überhaupt was gebe.100 franken trinkgeld? ja klar, noch senf dazu?

    • sebo t am 01.01.2019 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @tim tim

      Wenn du dich über 100.- so aufregst, wirst du wie ich, selten oder nie für 1000.- essen gehen. Also halb so wild....

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  • Martial2 am 01.01.2019 18:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hier sieht's anders aus...

    Wir sind an der Ägäis ansässig , hier geben die Einheimischen selten bis nie Trinkgeld, nur die Touristen, und auch wir, weil diese Menschen können davon nie leben. Hier arbeiten praktisch immer beide Ehepartner, anders geht's gar nicht!