Personal über A320

10. Dezember 2019 11:39; Akt: 10.12.2019 13:35 Print

«Oft haben wir am Ende des Tages blaue Flecken»

von P. Hagen - Immer weniger Arbeitsplatz im Flugzeug sorgt für Unmut beim Swiss-Personal. Mit dem A320 Neo wird es noch schlimmer. Ein Flugbegleiter erzählt.

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Die Schweizer Fluggesellschaft Swiss wird 2020 den Airbus A320 Neo in ihre Flotte aufnehmen. Mit dem Nachfolgemodell des A320 sollen mehr Passagiere mit mehr Freiraum transportiert werden können. Beim Kabinenpersonal aber steht der neue Flugzeugtypus in der Kritik, der Arbeitsplatz wird weiter eingeengt. Dabei stossen die Flugbegleiter bereits beim aktuellen Modell an ihre Grenzen.

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«Prinzipiell stösst man sich überall an. Dass man am Ende des Arbeitstages mit blauen Flecken nach Hause kommt, ist durchaus üblich», erzählt Flugbegleiter R.* über seine Erfahrungen im A320. Dass er und seine Arbeitskollegen zukünftig im A320 Neo noch weniger Raum zum Arbeiten haben werden, ist für ihn unerklärlich.

Gerade im wichtigsten Arbeitsbereich, der Küche, seien die Arbeitsbedingungen prekär. «Man kann sich kaum umdrehen und muss mit den einzelnen Küchenbestandteilen Tetris spielen», erklärt R. Im A320 Neo wird das Layout der Küche nun geändert. Die Arbeitsfläche wird dadurch noch einmal verringert.

Droht ein Hygiene-Problem?

Der Platzmangel des Kabinenpersonals hat aber auch negative Folgen für die Passagiere, wie R. meint: Da sich im A320 die Küche direkt neben der Toilette befindet, ist seiner Ansicht nach auch die Hygiene betroffen. Die Swiss-Medienstelle hält dagegen: «Von einem möglichen Hygienemangel kann keine Rede sein, da kein Kontakt zwischen Bordküchenmaterial und den Waschräumen stattfindet», so eine Sprecherin.

Zudem wird laut Flugbegleiter R. der Platz in den Gängen immer enger. Ist die Cabin Crew mit dem Trolley durch den Gang unterwegs, gebe es für diejenigen, die auf die Toilette oder zurück zum Sitz wollen, kein Durchkommen. «Wenn wir Glück haben, ist im Gang ein Platz frei, auf den sich der Passagier kurz setzen kann, bis wir vorbeigegangen sind. Sonst müssen wir den Trolley wieder ganz zurückrollen, was uns wertvolle Zeit kostet.»

Der Flugbegleiter sieht auch die Arbeitssicherheit nicht mehr gewährleistet. Deswegen habe die Gewerkschaft Kapers auch die Suva kontaktiert. Die Swiss stellt eine Gefahr in Abrede: «Die Suva hat der Swiss bereits 2017 bestätigt, dass vom Arbeitsplatz in der Bordküche des A320/321 keine Gefährdung ausgeht», so eine Sprecherin.

Bei Turbulenzen wird es eng

Vor allem wegen des Zeitdrucks – insbesondere auf Kurzstreckenflügen – kommt das Personal oft in die Zwickmühle. Zwei Trolleys müssen gleichzeitig aufgebaut werden, ansonsten komme man zeitlich mit dem Service nicht durch. Dies aber könne gemäss R. dazu führen, dass man im Notfall Schwierigkeiten hat, die eigenen Plätze und die Sauerstoffmasken zu erreichen, weil die beiden Trolleys den Weg versperren.

Die Swiss dementiert: «Bei Druckabfall sind die Crews angewiesen, sofort die nächstmögliche Sauerstoffmaske aufzusetzen. Es stehen ausreichend Masken an Bord zur Verfügung, die für die Besatzung zugänglich ist, unabhängig davon, wo sie sich im Flugzeug aufhält», so eine Sprecherin.

Flugbegleiter R. moniert weiter, es müsse immer mehr Gewicht auf immer höheren Ebenen herumgetragen werden. Dabei stossen vor allem kleinere und ältere Flugbegleiter an ihre körperlichen Grenzen. «Da sind Langzeitschäden programmiert», so R. Dies alles bei relativ geringem Lohn: Der Einstiegslohn eines Cabin-Crew-Mitglieds bei der Swiss liegt bei 3400 Franken.

GAV-Verhandlungen sind am Laufen

Der A320 Neo kommt, da gibt es nichts zu rütteln. Den Flugbegleitern bleibt zurzeit nicht viel anderes übrig, als auf den Ausgang der Gesamtarbeitsvertragsverhandlungen zwischen der Swiss und der Gewerkschaft zu warten. «Wir müssen das Beste aus der Situation machen, was sollen wir auch anderes tun?», sagt R. Streiken dürfen die Swiss-Mitarbeiter nicht – so steht es im Vertrag.

*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Meine Meinung am 10.12.2019 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Essen auf Kurzstrecke

    Auf Kurzstrecke kann man auf die ohnehin nicht sehr hochwertigen Sandwiches mit Mini Nährwert verzichten. Und den Duty Free Kram am besten gleich mit abschaffen. Das ganze Rumgerenne, Blockieren und Quasseln nur für ein lappriges Sandwich lohnt sich schon lange nicht mehr. So hat man wenigstens etwas Ruhe.

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  • 50+ am 10.12.2019 11:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    überall so

    tja, es wird überall gespart. Der grosszügige Freiraum von früher ist Geschichte, jeder verkaufte oder eingesparte Quadratmeter ist bares Geld, klar kommen müssen damit die Angestellten.

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  • daisy am 10.12.2019 11:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eng

    ich bin schon mit der A320 geflogen. ich dachte eigentlich, es sei ein "älteres" modell. die platzverhältnisse sind beengend. so arbeiten zu müssen, ist eine zumutung fürs personal. ich bin zum glück klein, aber auch ich hatte ein engegefühl!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • oberaargauer am 11.12.2019 20:24 Report Diesen Beitrag melden

    verwöhnt

    Völlig verwöhnte Leute. In UK ist man froh, ins Spital zu dürfen. Wir modernen Freiheitlichen müssen uns an UK orientieren. Dort wird für die Wohlhabenden gearbeitet und die Medien sind auf der Seite der Wohlhabenden. Das ist cool. Wir echten Schweizer stehen dahinter und hinter Johnson. Die Arbeiter haben nichts zu sagen und das ist cool so.

  • DumDum am 11.12.2019 19:00 Report Diesen Beitrag melden

    Darum nicht die Bahn

    Bei der Bahn kann geklagt werden, bei den vollen Stehplätzen gibts gar kein Durchkommen! Die Sauerstoffmasken und die Schwimmwesten fehlen wie die Sicherheitsgurten auch

  • chrigi am 11.12.2019 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wiso

    Kann man nicht 2-3 stunden ohne Essen und Trinken sein?

  • Alles zu leiden der Mitarbeiter am 11.12.2019 17:07 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant....

    Stellet euch vor, ufeimal chömet kei Stewardesse und Pilote meh. Segeder denn immerno d A320 chunt so oder so wenn sie niemert flüügt?

  • Eros am 11.12.2019 16:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für CHF 3500.- täglich das Leben riskieren...

    .....die Frauen tun mit leid. Trotzdem frohe Weihnachten....

    • Rodos am 11.12.2019 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Eros

      Es wird ja niemand gezwungen, oder?

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