Taktik

20. September 2017 15:55; Akt: 20.09.2017 18:01 Print

«Peter Spuhler will in den Bundesrat»

von Dominic Benz - Der Stadler-Rail-Chef tritt am Tag der Bundesratswahl als CEO ab. Das sei ein geschickter Schachzug, sagt ein Kommunikationsexperte.

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Der Kapitän tritt im Unternehmen kürzer: Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler am Unternehmenssitz in Bussnang TG. (7. Juni 2017) Er rückt als Chef der Stadler-Rail-Gruppe nach: Der bisherige Stellvertreter Thomas Ahlburg. (Bild: Stadler Rail) Die Nachfolge von Ahlburg als Leiter des Werks in Bussnang übernimmt Georg Kapeller (links). (Bild: Stadler Rail) Spuhler hatte sich voll auf sein wachsendes Industrieunternehmen, das Schienenfahrzeuge herstellt, konzentriert. Ab 2018 wird er ihm noch als Verwaltungsratspräsident vorstehen: Spuhler vor dem neuen Hochgeschwindigkeitszug Giruno. (18. Mai 2017) Der SVP-Nationalrat wurde vor seinem Rückzug aus dem Parlament als Bundesratskandidat gehandelt. (27. Oktober 2015) Von 1999 bis 2012 war Spuhler für die SVP Thurgau Mitglied im Nationalrat. Spuhlers Wirkungsstätte: Blick in eine Montagehalle bei Stadler Rail in Bussnang. (27. Oktober 2015) Mit seiner Firma hat er sich auf die Herstellung von Schienenfahrzeugen spezialisiert: Peter Spuhler bei der Übergabe einer neuen Rangierlokomotive an die SBB Cargo. (9. März 2012) In den Jahren 2008 und 2011 zeichnete ihn die «Handelszeitung» als Unternehmer des Jahres aus: Spuhler bei einem Spatenstich mit dem ehemaligen Winterthurer Stadtpräsidenten Ernst Wohlwend. Spuhler mit seiner Parteikollegin Rita Fuhrer auf einer Velotour. Gegen das gewerkschaftliche Arbeitszeitdiktat: Nationalrätin und Co-Präsidentin des überparteilichen Komitees «Nein zur 36-Stunden Woche» Christine Wirz-von Plata und Co-Präsident Peter Spuhler. (14. Januar 2002) Entrepreneur of the Year 1999: Peter Spuhler (m.) zusammen mit Peter Ohnemus, Chef des Zuger Softwareunternehmens The Fantastic Corporation und Marcel Queloz-Fürrer, Geschäftsführer der Büro-Fürrer bei der Preisverleihung. (21. September 1999)

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Peter Spuhler gibt seinen CEO-Posten bei Stadler Rail auf Anfang 2018 ab. Das gab er am Mittwoch bekannt. Genau an dem Tag, an dem Ignazio Cassis zum neuen Bundesrat gewählt wurde. Eine Sprecherin des Thurgauer Zugbauers spricht von Zufall.

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Soll Peter Spuhler zurück in die Politik?

Für den Kommunikationsprofi Roger Huber ist aber klar: Die Ankündigung am Tag der Bundesratswahl sei bestimmt kein Zufall. Er folgert: «Spuhler will in den Bundesrat.» Die heutige Bekanntgabe seines Rücktritts sei aus kommunikativer Sicht ein strategisch geschickter Schachzug, um seine Rückkehr in die Politik aufzugleisen.


«Das wäre die Krönung»

Die Aussage von Stadler Rail, es sei ein Zufall, sei eine reine Notlüge in der Öffentlichkeit, sagt Huber. Seit jeher plane das Unternehmen seine Auftritte in der Öffentlichkeit sehr genau.

Der Kommunikationsprofi ist sich sicher, dass Spuhler mit der Politik noch nicht abgeschlossen hat. Als Unternehmer habe er schon alles erreicht. «Da wäre der Bundesrat die Krönung, eine Märchengeschichte.»


«Er folgt dem Ruf der Nation»

Seit langem kursieren Gerüchte rund um eine Rückkehr von Spuhler nach Bundesbern. «Aus kommunikativer Sicht klingt es so, als ob Spuhler nun dem Ruf der Nation folgt», so Huber.




Mit der Ankündigung am Bundesrats-Wahltag befeuert Spuhler erst recht die Gerüchteküche. Für Huber gehört das zur Politik. Er spricht von einer Art Testlauf: «Man sendet Signale aus und sieht, wie die Reaktionen in der Öffentlichkeit sind.» Das sei klug. In Sachen Kommunikation sei Spuhler schon immer sehr gut gewesen, etwa bei der Eröffnung von Fabriken.

«Er ist wie Sepp Blatter»

Mit seiner Kommunikationstaktik könnte Spuhler nicht nur die Rückkehr in die Politik vorbereiten. Die Strategie unterstützt auch einen allfälligen Verkauf oder Börsengang von Stadler Rail. Die Aufmerksamkeit ist nun auf Stadler Rail gerichtet – auch international. «Das schadet dem Wert des Unternehmens sicher nicht.»

Zu konkreten Aussagen hinsichtlich Bundesrats-Absichten oder Verkauf und Börsengang von Stadler Rail dürfte sich Spuhler nicht drängen lassen. «Er ist wie ein Sepp Blatter: Er setzt die Agenda und spielt mit den Medien sehr gut.»

Für Unternehmensberater Benedicht Luginbühl ist es Zufall, dass der Spuhler-Abgang mit der Bundesratswahl zusammenfällt. Ein internationaler Konzern wie Stadler Rail folge einer internationalen Agenda. «Schweizer Begebenheiten, auch BR-Wahlen, sind vor diesem Hintergrund ohne direkten Einfluss.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tschello am 20.09.2017 16:14 Report Diesen Beitrag melden

    Was für ein Vergleich!

    Peter Spuhler mit Sepp Blatter zu vergleichen ist schlicht weg daneben, Herr Kommunikationsexperte!

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  • Kurt am 20.09.2017 16:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glücksfall

    Ich würde Herr Spuhler einigen unserer BR vorziehen. Ich hoffe sehr das Peter Spuhler sich in Bern mehr einbringt.

  • S. Decker am 20.09.2017 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Entscheidung

    Herr Spuhler im Bundesrat ist nicht nur ein guter Schachzug, sondern Wertschöpfend für alle. Er ist ein wertvolle ergenzung des BR.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bundesrat am 22.09.2017 22:31 Report Diesen Beitrag melden

    Erstaunt

    wie die Arbeit der BR in der Luft zerrissen wird. Dabei ist es doch das Parlament die zuletzt über alle Vorlagen (von den BR) beraten, ändern, Kompromisse aushandeln und sich von den Lobbyisten vorschwatzen lassen was zu tun ist. Da muss doch der Hebel angesetzt werden. Wir Bürger müssen die abstrafen die denen hörig sind, Stichwort KK-Prämien

  • Anita C. am 21.09.2017 14:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spuhler nach Bern

    Peter Spuhler wäre sicher ein super Bundesrat. Jedoch würde er wahrscheinlich nicht gewählt werden weil er zu gut ist!

  • weissesned am 21.09.2017 13:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte nicht als SVP Bundesrat!

    Wenn Herr Spuhler in den BR möchte, dann soll er das für die Partei tun, deren Parteiprogramm er vertritt. Als SVP Wähler würde ich es sehr ungern sehen, wenn nun sogar die SVP durch einen freisinnigen Wirtschaftslobbyisten, der für PFZ und gegen MEI ist und dessen oberstes Ziel die Gewinnmaximierung seines Unternehmens (auf Kosten der Mitarbeiter) ist, im BR vertreten ist. Das ist FDP, nicht SVP-Politik!

  • Heinz B. am 21.09.2017 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Mumpitz

    Wieder einmal ein Experte, der meint er weiss mehr als der Betroffene. Jedenfalls schliesst Peter Spuhler ein Amt als Bundesrat aus, weil er dann seine Firma verkaufen müsset. Aber eben . hauptsächlich eine Schlagzeile

  • Kayleigh am 21.09.2017 13:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit 60 noch gar nicht Kandidat - nö, wird nix!

    Und ist persönlich gut für ihn. Er soll sich das nicht antun! Ehrlich gesagt, sollte ein 60 Jähriger nicht mehr antreten (dürfen)! Sonst haben wir bald nur noch alte Bundesräte.

    • weissesned am 21.09.2017 14:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kayleigh

      Ist nicht so, dass ich Spuhler im BR sehen möchte. Aber generell spricht für ältere Bundesräte, dass der Steuerzahler nach ihrem Rücktritt nicht noch noch 50 Jahre ihre Luxusrente finanzieren muss.

    • enrico henrici am 25.09.2017 15:35 Report Diesen Beitrag melden

      Gute Ständeräte Ständeräte sind freier.

      Das ist Schabernack. Bundesrat zu werden, wird in der Bedeutung überhöht. Ein Ständerat, der zu sehr vielen Fragen des Wirtschaftsstandorts Schweiz sehr viel zu sagen hat, in aller Freiheit und Unabhängigkeit, ist viel mehr wert. Und auf den Lohn ist Spuhler nicht angewiesen. Wie andere.

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