Verwaltungsrats-Mitglied von Bell

16. Juli 2014 21:59; Akt: 17.07.2014 10:39 Print

«Preisabsprachen sind nicht haltbar»

Der Fleischverarbeiter Bell muss wegen Preisabsprachen rund 120 Millionen Franken zahlen. Verwaltungsratsmitglied und Ex-Preisüberwacher Werner Marti nimmt den Konzern in Schutz.

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Rund 121 Mio. Franken muss der Fleischkonzern Bell wegen Preisabsprachen zahlen. Das sei nicht nachvollziehbar, meint Verwaltungsrats-Mitglied Werner Marti. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Das deutsche Bundeskartellamt hat mehreren Wurstherstellern eine Gesamtstrafe von rund 338 Millionen Euro aufgebrummt. Der Grund: Sie hätten über Jahre hinweg Absprachen zu Preiserhöhungen gemacht. Auch das Schweizer Fleischunternehmen Bell wurde mit einer Strafe von umgerechnet 121 Millionen Franken gebüsst. Von den Vorwürfen betroffen sind die Firmen Zimbo Fleisch- und Wurstwaren und Abraham, die Bell im Jahr 2008 und 2009 aufkaufte. Da die Preisabsprachen jedoch vor dieser Zeit stattgefunden hatten, weist Bell sämtliche Vorwürfe einer Mitschuld von sich.

Werner Marti, Mitglied des Verwaltungsrates bei Bell und ehemaliger Preisüberwacher, betont, Bell trage keine Verantwortung für die Absprachen und habe sich deshalb auch zu keinem Zeitpunkt schuldig gemacht. «Bell war damals noch nicht Eigentümer der beiden Firmen. Bei der Übernahme wurden die Unternehmen überprüft, dabei ergaben sich keine Verdachtsmomente.»

Genaue Kontrollen seit Übernahme

Der Schweizer Fleischkonzern habe erst bei der Eröffnung des Verfahrens im Jahr 2009 davon Kenntnis erhalten. Auch wenn er den Mutterkonzern in Schutz nimmt, hält Marti fest: «Wenn die Vorwürfe des Bundeskartellamtes zutreffen, so ist dieses Verhalten in keiner Art und Weise zu rechtfertigen. Preisabsprachen sind nicht haltbar und entsprechen auch nicht der Philosophie von Bell.»

Trotzdem will das Unternehmen die Strafe anfechten. «Die Busse richtet sich nach dem Umsatz von Bell», erklärt Marti. Die beiden betroffenen Firmen seien zum Zeitpunkt der Preisabsprachen deutlich kleiner gewesen und hätten dementsprechend weniger Umsatz gehabt. Dass die Strafe jetzt nach den Finanzen des Mutterkonzerns ausgerichtet ist, kann Marti nicht nachvollziehen: «Seit der Übernahme schauen wir den Unternehmen genau auf die Finger, seither gab es auch keine Vorfälle.» Deshalb komme es auch nicht infrage, die beiden Firmen wieder abzustossen, wie Marti sagt. «Wir können die Leute nicht einfach im Stich lassen, sie gehören zu uns.»

(vro)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Automobilist am 17.07.2014 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    Benzinpreise?

    Und wie ist es bei den Benzinpreisen? Die Preise werden hier regionenweise abgesprochen. Beweis: Preisvergleich bei diversen Tankstellen in der gleichen Region! Wahrscheinlich hat das Kartellamt noch nie davon gehört!

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  • Mr. Gier am 17.07.2014 02:48 Report Diesen Beitrag melden

    Das Geld zurück an die Kunden

    Es bleib nur zu hoffen, dass das Bussgeld schlussendlich den Konsumenten zu gute kommt, denn sie sind ja auch die Geprellten. Dies könnte so geschehen, dass Konsumenten-Organisation mit diesem Bussgeld unterstützt werden können.

  • wädu am 17.07.2014 05:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bei allen nachsehen

    hat schon mal jemand den tankstellen-firmen auf die finger geschaut? oder wagt man sich nur an kleine metzger? oder wie siehts bei den steuern der kantone aus?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Heidi Keller am 19.07.2014 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    Das perfekte Beispiel

    Da sieht man wieder einmal schön, was so ein Preisüberwacherjob wert ist: erst hoch bezahlt und nahezu uneffizient beim Bund (man will ja niemandem wehtun und die Konsumenten sind die Dummen) und dann als Belohnung ein fettes VR-Mandat. Wir Konsumenten werden von vorne bis hinten verschaukelt. Die ganze Behörde ist fest in der Hand der Industrie und Lobbyisten. Pfui T.

  • Kathi stüssi am 17.07.2014 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist ja die Höhe

    Passt gut zusammen, VErwaltungsrat und bei der PReisüberwachung..super das nennt man Bananenrepublik!!

    • Samu Diff am 17.07.2014 14:12 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig lesen

      "Werner Marti, Mitglied des Verwaltungsrates bei Bell und EHEMALIGER Preisüberwacher..." Erst richtig lesen, dann (allenfalls) aufregen...

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  • Automobilist am 17.07.2014 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    Benzinpreise?

    Und wie ist es bei den Benzinpreisen? Die Preise werden hier regionenweise abgesprochen. Beweis: Preisvergleich bei diversen Tankstellen in der gleichen Region! Wahrscheinlich hat das Kartellamt noch nie davon gehört!

    • Userula weiss am 17.07.2014 12:51 Report Diesen Beitrag melden

      wird nicht geklärt

      Denn da verdient BERN gross mit!!

    • Ch.Roth am 17.07.2014 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Bünzli-Bürger

      Ist nicht wahr ! Jeder Tankstellen-Besitzer kann seine Preise selbst machen , wobei er natürlich schaut was die Konkurrenz für Preise hat und sie demnach anpasst ! Ohne Absprache = kein Kartellverstos .

    • August am 18.07.2014 02:44 Report Diesen Beitrag melden

      Selber mal bewegen?

      Als selbsternannter Experte der die fakenlage so gut kennt. Könnten sie uns allen einen gefallen machen und selber diese mutmassliche Preisabsprache zur anzeige bringen. Statt in Kommentaren darüber jammern und warten bis es jemand anders tut...

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  • Freidenker am 17.07.2014 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    Alte Leier

    Und wieder weissen alle die Schuld von sich, wie immer bei jedem Thema. Dabei ist eigentlich schon klar sobald sie die schuld von sich weisen das alles gelogen ist.

  • Hans am 17.07.2014 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Super nur weiter so, bis es knallt.

    Die deutsche Verwaltung braucht Geld, sie werfen es ja auch zum Fenster raus wie die Wilden mittels politischen Prestige Projekten die hat es zu Hauf. Suchen sie Beispiele: Elb Philharmonie, Berliner Flughafen, EU Verwaltung, Griechenland, Flughafen Hof, Flughafen Kassel, Stuttgarter Bhf, Diäten Erhöhung, Drohnen Debakel und weitere Fässer ohne Boden in der DBW sowie im Sozialwesen, Parteien Gezänke Bundestag und Gezänke in der EU vernichtet ebenfalls Volkseigentum. Bei diesen Ruhegehälter der Politiker ohne Verantwortungsübernahme der produzierten Sch....e wundert mich nichts mehr. Nach mir d