Touristiker warnen

14. Mai 2012 15:37; Akt: 22.05.2012 08:48 Print

«Ricklis Aussage ist fataler als die Euro-Krise»

von Roger Baur - Natalie Ricklis Kritik an den Deutschen hat drastische Folgen: Treue Feriengäste bleiben aus. Die Touristiker sind verzweifelt. Am Dienstag treffen sie sich zum Krisengipfel.

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Schreckt Touristen ab: Natalie Rickli (mit Christoph Mörgeli) (Bild: Keystone)

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«Es hat zu viele Deutsche.» Diese Aussage von Natalie Rickli hat bereits Ende April für rote Köpfe und erste Stornos bei den Hotels gesorgt. Unterdessen hat sich die Situation verschärft. Auch Philipp Frutiger, CEO der Giardino-Hotels, muss verärgerte Kunden beruhigen. «Das Ganze ist weitaus schlimmer als die Euro-Krise. Viele Gäste aus Deutschland hat diese Kritik persönlich verletzt.»

Nun schlagen die Touristiker zurück. Morgen Dienstag treffen sich alle regionalen Tourismusdirektoren in Luzern zur Krisensitzung. An ihrer Regionaldirektorenkonferenz wollen sie beraten, wie man den Schaden begrenzen könnte. Derweil hat der Dachverband der Hotels schon gehandelt. In einem Brief hat Hotelleriesuisse Natalie Rickli vor einem Imageschaden gewarnt. Und darauf hingeweisen, dass qualifizierte Arbeitskräfte in den Hotels Mangelware sind und man darum auf Zuwanderer angewiesen sei. Hotelleriesuisse-Sprecherin Susanne Daxelhoffer: «Bei uns sind kritische Rückmeldungen von Gästen und Hoteliers eingegangen. Politiker riskieren mit solchen Aussagen einen Knick im Ansehen der Schweiz.»

Verärgerte Touristen

Dieser Knick scheint schon eingetreten zu sein, wie man an der Basis hört: Urs Zenhäusern, Direktor von Wallis Tourismus, hat in diesem Zusammenhang noch nie so viele Reaktionen erhalten. «Langjährige Stammkunden haben mir geschrieben, dass sie nicht mehr Lust hätten, bei uns Ferien zu machen.»

Auf das Image der Schweiz im Ausland müsse vermehrt geachtet werden, sagt Hotelchef Frutiger. «Wenn Roger Köppel jede zweite Woche in einer deutschen Talkshow sitzt, wirkt das nicht gerade belebend für den Schweizer Tourismus.»

An der Regionaldirektorenkonferenz vom Dienstag wird es darum um Rezepte zur Schadensbegrenzung gehen. «Das war regelrecht fremdenfeindlich. In diesem Stil darf es nicht mehr weitergehen», sagt Tourismusdirektor Zenhäusern. Und Philipp Frutiger fügt an: «Die Deutschen herzlich willkommen zu heissen, ist das beste Rezept, auch gegen die Euro-Krise.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fritz Müller am 15.05.2012 13:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Doppelspiel der SVP

    Ein Schweizer an alle Deutschen! Überlegt mal wenn wir Schweizer wirklich so Deutschfeindlich wären wie ihr jetzt nach dem dümmlichen SVP Ricklin Geschwätz glaubt, wieso fahren den so viele Schweizer nach Deutschland in den Urlaub, ich inbegriffen und dies schon seit Jahren? Abgesehen wurden die Deutschen Arbeitnehmer ja vom Schweizer Gewerbe das ja der SVP sehr nahesteht in die Schweiz gehohlt! Hier sieht man was für Spielchen in der SVP Politik getrieben werden. Frau Ricklin wwen sie jemand kritisieren wollen dan am besten ihre eigene Partei.

  • . Priority am 14.05.2012 16:53 Report Diesen Beitrag melden

    Bei sich selber suchen ...

    Na ja, die Äusserung von Frau Rickli war ja nicht gerade von Vorteil, aber man kann auch nicht nur den Hotels die Schuld geben. Auch ich komme vom Gastgewerbe, wir sind öffters in Oesterreich und wir staunen immer wieder über den guten Service und die Freundlichkeit. Das hat einerseits damit zu tun das die meisten Hotels nur eigene Landsleute anstellen. Auch lernen Sie Gastgeber zu sein und das schon in der Ausbildung. Leider findet man hier fast nur nur deutsches Personal. Aber, Gottseidank gibt es sie !! Wo sind den die Schweizer? Für eine Servicestelle 50 Bewerbungen davon 1 Schweizer.

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  • Xermicus am 14.05.2012 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausländische Arbeitskräfte billiger oder besser

    Wenn in irgend einer Branche ein Ausländer die Stelle kriegt, dann weil er billiger oder besser Arbeitet als wir schweizer Bewerber. Die ausländerfeindliche Rechte ist zu faul um sich anzustrengen, stattdessen aber Ausländer rauswerfen, das geht dann einfacher.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • J. Meyer am 15.05.2012 20:30 Report Diesen Beitrag melden

    Meinungen aus dem SVP-Lehrbuch

    Die Dummheit vieler Schweizer widerspiegelt sich in der Politik oder ist es eher so, dass die Dummheit mancher Politiker sich in den Schweizern widerspiegelt? Die Aussagen zum Deutschenbashing gleichen sich nämlich wie aus dem Lehrbuch. Eigene Meinungen findet man selten u wenn, dann eher deutschfreundlichere Worte. Solches Getue nützt dem Schweizer wenig, der SVP aber umso mehr. Wenn Unternehmer keine Leute bekommen, nehmen's eben die, welche qualifiziert genug sind. Bevor man über D herzieht, sollte man sich vielmehr fragen, warum wir's selbst nicht bewerkstelligen können, was D für uns tun.

  • Michl am 15.05.2012 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Per aspera ad astra!

    Ein Witz das ganze mit der "Deutschenkampagne", die Schweiz ist auf Ausländer ausgewiesen - eine ALLGEMEINE Beschränkung sicherlich nicht schlecht - aber die explizite Nennung des Deutschen bietet sich an - ein extrem probates Mittel wenn ein bisher unbekannter Politiker auch im Ausland von sich reden machen möchte! Psychologie pur! In D leider nicht anders... Die Masse folgt!

  • Thomas Steffen am 15.05.2012 15:07 Report Diesen Beitrag melden

    Sündenböckin des Tourismus-Versagen

    Haha, das ist natürlich einfach. Die Tourismusbranche wälzt das eigene Versagen nun auf Frau Rickli ab. Na klar, kein Wunder läufts in der Branche nicht. In der Schweiz stimmt das Preis/Leistungsverhältniss einfach nicht.

  • Shanin am 15.05.2012 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    Findi guet Frau Rickli

    Ja, es hat einfach zu viele Deutsche. Und zwar nicht nur im Gastgewerbe, Spital... sondern überall. Auch im kaufmännischen Bereich wo ich arbeite. In unserer Firma arbeiten inzwischen ein viertel Deutsche und da ich im Personalbereich angestellt bin: Die verdienen alle mehr als ein Schweizer in gleicher Position, da sie ja wissen, wieviel sie fordern können. (Lohnvergleichsmaschinen, etc.) Dafür müssen sie dann weniger Steuern zahlen. Auch schön. (Quellensteuer liegt oft viel tiefer als "normale" Steuer) Dieses ständige in Schutz nehmen geht mir auf die Toblerone.

  • Lola Burgi am 15.05.2012 13:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deutschland

    Wie weit müssen wir eigentlich noch sinken ? Die Deutschen dürfen fleissig gegen uns " wettern " , von wegen Tage an denen keine Schweizer in Deutschland einkaufen sollen wegen dem grossen Arbeitsaufwand ( Ausfuhrbescheinigung ausfüllen). Irgendwie geht's doch hier nur noch " Hetze " gegen die SVP.