Kooperation mit Uber

04. April 2017 11:39; Akt: 04.04.2017 17:16 Print

«SBB und Post beteiligen sich an Gesetzesbruch»

Auf neuen Apps von SBB und Post ist auch der Fahrdienst Uber buchbar. Die Gewerkschaften sehen darin eine Beihilfe zu Gesetzesbruch und Dumpinglöhnen.

Gewerkschafter und Taxifahrer protestierten in Bern gegen Uber. (Video: Unia)
Zum Thema
Fehler gesehen?

«Stopp Dumping-Uber bei SBB und Post»: Flyer mit dieser Aufschrift verteilten heute Morgen Taxifahrer und Gewerkschafter an acht Bahnhöfen. Zudem protestierten sie vor den Hauptsitzen der Post und der SBB in Bern gegen den umstrittenen US-Fahrdienst.

Umfrage
Finden Sie es haltbar, dass Staatsfirmen mit Uber kooperieren?
41 %
49 %
10 %
Insgesamt 839 Teilnehmer

Grund dafür, dass sich neben den Taxifahrern jetzt auch die Gewerkschaften einschalten, sind die neuen Angebote von Postauto und SBB. Mit der App Nordwest Mobil etwa will die Postauto Schweiz AG ab Herbst einen Routenplaner anbieten, über den verschiedene Verkehrsmittel miteinander kombiniert werden können. Dabei ist neben Postauto, Zug, Schiff, Velo oder Taxi auch das Angebot von Uber buchbar.

Neue Apps von Postauto und SBB sorgen für Kritik

Auch die SBB will die Fahrdienste von Uber in ihren neuen Reiseplaner integrieren. Wann dieser Schritt erfolgen soll, lässt die SBB jedoch noch offen.

Die Gewerkschaften kritisieren, dass das Geschäftsmodell von Uber auf der Umgehung von Gesetzen beruhe. Der Konzern sieht Fahrer, die ihre Dienstleistungen auf Uber anbieten, als selbstständige Unternehmen und nicht als Angestellte des Konzerns. Deshalb verweigert die US-Firma den Fahrern die Sozialversicherungsbeiträge. Dies, obwohl die Suva und die Zürcher Sozialversicherungsanstalt Uber als Arbeitgeber einstufen.

«Komplizen des Gesetzesbruchs»

«SBB und Post machen sich zu Komplizen des Gesetzesbruchs», sagt Vania Alleva, Präsidentin der Gewerkschaft Unia. Mit dem Uber-Modell würden Staat, Angestellte und Kunden gleichermassen betrogen. Daniel Münger, Leiter des Sektors Logistik bei der Gewerkschaft Syndicom, weist auf die Gefahren hin, sollte sich das Uber-Modell durchsetzen: «Uber schöpft den Profit ab und wälzt das Risiko auf Kosten der Arbeitsbedingungen vollständig auf die Fahrer ab.»

Die Gewerkschaften fordern von Post und SBB, die Zusammenarbeit mit Uber unverzüglich aufzukünden. «Eine
Partnerschaft mit einer Firma, die Gesetze umgeht und die Zusammenarbeit mit den Behörden verweigert, schadet dem Ansehen von SBB und Post und ist nicht zukunftsweisend», heisst es in einer Mitteilung. Die Kooperation von Staatsbetrieben mit Uber sei Gift für die Arbeitsbedingungen und die Sozialpartnerschaft in der Schweiz.

Die Postauto AG erklärte gegenüber der Zeitung «Der Bund», man sei sich bewusst, dass es Kritik an Uber gebe. Eine Mobilitätsplattform wie Nordwest Mobil sei aber nur dann sinnvoll, wenn sie für einen Weg möglichst viele verschiedene Reisemöglichkeiten anzeige. Und solange es gegen Uber kein behördliches Verbot gebe, betrachte Postauto den Fahrdienst als legales Angebot und sehe gemäss aktuellem Stand keine Veranlassung, darauf zu verzichten. Darauf beruft sich auch die SBB: Gemäss Abklärungen halte sich Uber derzeit an die gesetzlichen Vorschriften, sagt eine Sprecherin.

(pam)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tom S. Steinmüller am 04.04.2017 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Erfahrungen...

    Taxifahrer haben eine Daseinsberechtigung und eine Jobzukunft wie der Kutscher und der Lumpensammler vor 100 Jahren. Nur, liebe Täxeler, ich hab euch das auch selbst zu verschulden. Abgrundtief unfreundliche Fahrer, dazu Fahrer, welche meine Sprache nicht mal im Ansatz sprechen. Weiter gehts mit Betrügern, die Umwege fahren und Taxifahrer, die Kurzstrecken verweigern. Von siffigen Taxis sprechen wir gar nicht erst und Kinder sind auch nicht gerne als Fahrgäste gesehen. Es war mal ein ehrbares Geschäft mit ehrbaren Leuten, diese Zeiten sind offenbar längst vorbei. Time to say goodbye.

    einklappen einklappen
  • Marcel am 04.04.2017 12:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zukunft

    Viele haben es immer noch nicht kapiert. Den klassischen Taxi Service wird es bald nicht mehr geben in der Schweiz. Jahrzehnte lange Abzocke hat ausgeträumt...

    einklappen einklappen
  • NM am 04.04.2017 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Liebe Zeit

    Einst waren es online Musikdienste, jetzt Taxifahrer... liebe Leute geht mit der Zeit und verschliesst nicht die Augen vor der Realität. Solange herkömmliche Taxifahrer keinen zusätzlichen Value bieten, hat das Modell ausgedient. Schafft Mehrwert für eure Kunden oder akzeptiert, dass das Business Modell veraltet ist.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tom Roth am 05.04.2017 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bedenklich

    Es zeigt die verzwickte Lage dieser mit Milliarden subwentionierten Betriebe.

  • Heiri Müller am 05.04.2017 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Uber war nur der Anfang

    Bosch und Daimler haben eine Kooperation zur Entwicklung von vollautomatisierten und fahrerlosen Autos beschlossen. Schon Anfang der 2020er Jahre sollen Autos ohne Fahrer im urbanen Umfeld unterwegs sein, hoffen die Unternehmen. Uber ist das kleinste Problem der Taxifahrer. Wenn die grossen Automobil Konzerne in diesem Bereich vorwärts machen, ist das klassische Taxi Gewerbe sowieso Geschichte

    • Germane am 05.04.2017 10:26 Report Diesen Beitrag melden

      Bosch und Benz

      zahlen aber Sozialabgaben und halten die Gesetze ein, das ist der Unterschied zu Uber, Airbnb und Co die nur beihilfe zur Schwarzarbeit leisten

    einklappen einklappen
  • Willi Zbinden am 05.04.2017 09:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Post!!! Guter Arbeitgeber????

    Schon seit Jahrzehnten sind die Angestellten bei der Post und Bahn die Dummen. Ich habe selber vor vielen Jahren mehr als neun Jahre bei der Post gearbeitet. Wir hatten während dieser Zeit weder eine Teuerung noch eine Individuelle Lohnerhöhung. Trotz weit überdurchschnittlichem Einsatz und auch massiv vielen Überstunden wurde die Situation nicht besser und dies obwohl es der Post in dieser Zeit finanziell sehr gut ging.

  • Barbara am 05.04.2017 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    SBB - Post - Preise senken bei Euch

    Soll das ein Zückerli sein, damit ihre horrenden Preise nicht rückgestuft werden müssen. Fahren sie SBB, wir organisieren ihnen dann ein günstiges Taxi? Bringt die Post nächstens die Päckli am Sonntag mit einem Uber-Taxi! Das Ganze ist je länger je dekadenter. Schämt euch.

  • simisa am 05.04.2017 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Uber verkauft nichts

    Uber vermittelt Fahrleistungen und beschäftigt keine eigenen Fahrer! Wenn ich bei Ricardo etwas verkaufe, bin ich deshalb noch lange nicht bei Ricardo angestellt und Ricardo wird auf meinen erzielten Umsatz auch keine Sozialleistungen bezahlen. Uber macht doch genau das Gleiche, nur vermitteln sie den Verkauf von Fahrleistungen und kassieren - wie alle anderen Online-Plattformen - eine Kommission. Scheinbar ein Geschäftsmodell, welches Taxifahrer und Gewerkschafter nicht verstehen können.