Bildungsoffensive

10. Juni 2016 12:39; Akt: 10.06.2016 12:40 Print

«Schweizer Schüler sollen programmieren lernen»

von S. Spaeth, Interlaken - Damit die Schweiz nicht abgehängt wird, fordert Ex-Notenbanker Philipp Hildebrand, dass an Schulen neben dem Lesen auch Programmieren vermittelt wird.

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Künftig werde es nicht nur Firmen, sondern ganze Länder geben, die technologisch überholt und abgehängt werden. Das sagte der ehemalige Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand am Donnerstag am Swiss Economic Forum (SEF). Damit der Schweiz das nicht passiert, plädierte der heutige Topmanager des Vermögensverwalters Blackrock für eine Bildungsoffensive: «An Schweizer Schulen soll neben dem Lesen und Schreiben auch das Programmieren gelehrt werden», so Hildebrand.

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Der 52-jährige Ökonom, der mit der millionenschweren Unternehmerin Margarita Louis-Dreyfus im Frühjahr Zwillinge bekam, hat auch schulpflichtige Kinder aus einer früheren Beziehung. Er betonte darum, sich mit Schulstoff auszukennen: «Können Sie mir sagen, weshalb im Schweizer Lehrplan die Grundlagen des Programmierens nicht vorkommen?», fragte Hildebrand rhetorisch in Richtung des Publikums. Und fuhr fort: «Unser Lehrplan scheint aus der Zeit der ersten industriellen Revolution zu stammen.» Um für die laufende vierte industrielle Revolution gewappnet zu sein, brauche es aber mehr, so der Ökonom.

China als Vorbild für die Schweiz

In der Analogie des ehemaligen Nationalbank-Chefs ist das Programmieren vergleichbar mit dem Schreiben, während das Bedienen von Apps dem Lesen gleichkommt. Hildebrand betonte das rasante Tempo, in welchem sich die Technologie entwickelt: Die erste Smartphone-App sei erst 2007 entwickelt worden. «Wir erleben derzeit die grösste technische Revolution aller Zeiten.» Und die Schweiz müsse bei dieser Entwicklung vorne mit dabei sein. Hildebrand betonte, dass China in dieser Hinsicht viel richtig mache: «Die Chinesen sind sehr früh im Adaptieren der Technologie.»

Neben der Kritik am Schweizer Bildungssystem hatte Hildebrand den SEF-Gästen auch Positives zu berichten: «Das schweizerische Wirtschaftsmodell ist ein Erfolg. Wir haben uns als sicheren und offenen Hafen bewährt.» Seit zehn Jahren wachse die hiesige Wirtschaft schneller als der Durchschnitt der OECD-Länder. Ein wichtiger Grund dafür sei der hohe Exportanteil. Die Quote von 60 Prozent am Bruttoinlandprodukt (BIP) sei im internationalen Vergleich ein absoluter Spitzenwert und höher als beim Exportweltmeister Deutschland. Als Folge davon ist laut Hildebrand auch der Wohlstand in der Schweiz stärker gestiegen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ueli dr Hecht am 10.06.2016 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Na geht doch

    Sogar Hedgefondsmanager haben ab und zu gute Einfälle ;-) Nur leider sind wir so ca. 20 Jahre zu spät. Und bis eine solche Idee in der Schweiz umgesetzt wird, werden weitere 10-20 Jahre vergehen. Aber das ist eben das OProblem, wenn Politiker mit einem Durchschnittsalter von 55 Jahren über Dinge entscheiden sollen von welchen sie keine Ahnung haben. Dasselbe Problem beim Nachrichtendienstgesetz und bei der Informatikinfrastruktur der verschiedenen Bundesstellen.

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  • ruedi n. am 10.06.2016 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    zeitgemäss

    der mann beweist verstand, recht hat er - auch wenn das nicht allen passt..aber die schweiz muss in der technologisierung vorne mitspielen um weiter einen starken wirtschaftsstandort zu haben.

  • BZ am 10.06.2016 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zukunftsprojekt

    oberstufe ja aber primarstufe soll unangetastet bleiben, die einzige zeit in der man noch kind sein darf und nicht ein zukunftsprojekt

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sandy Kissinger am 13.06.2016 07:17 Report Diesen Beitrag melden

    Gebe auch gerne Tipps, zu meinem Vorteil

    damit er noch mehr Kohle machen kann, mit manipulieren und seinem (SNB) Fractional-Reserve-Currency System? Endlose Geldvermehrung auf einem Planteten mit beschränkten Resourcen? Wem gehört am Ende die Welt? Bürge(r) erwachet, es ist 12:05 Uhr!

  • Heinrich Müller am 12.06.2016 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Import ist das Problem

    Was soll das bringen? Dazu müsste man zuerst mal den Import aus Indien abklemmen.

  • Andreas am 12.06.2016 11:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unsinn

    Ein Programmierer wird grundsätzlich erst ein guter Programmierer, wenn er oder sie von sich aus hoch motiviert ist. Visionär/in ist. Als gelernter und lehrender Informatiker in der Erwachsenenbildung weiss ich, dass zb. Jugendlichen in der Mehrheit vollkommen das Verständnis der Funktion und der Möglichkeiten der Informatik fehlt. Es ist viel wichtiger zu wissen, was den eigentlich möglich wäre, als befähigt zu werden Dinge möglich zu machen. Programmieren lehren ist zwecklos, solange Kenntnisse im Umgang mit Photoshop zb für ebensolche im Allgemeinen gehalten werden. Teach Basics, not Basic.

  • Pro Gramm Ierer am 12.06.2016 11:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sind schweizer Programmierer gefragt?

    Es gibt schon viele schweizer Programmierer. Auch junge sind sehr willkommen! Bloss müssen dann die Firmen auch unsere schweizer Programmierer anstellen! Zur Zeit geht nämlich der Trend sehr stark Richtung Indien. Die Frage oben in der Umfrage ist eshalb begründet!

    • Matthias am 12.06.2016 12:14 Report Diesen Beitrag melden

      Ich bin Programmierer

      Finde den Vorschlag gut. Doch leider sieht die Realität fies aus. Unsere ganze Informatikabteilung wurde 2014 geschlossen. Sämliche Software Entwickler, mich eingeschlossen, wurden entlassen. Vorher durften wir noch unsere "Nachfolger" aus Tschechien in die laufende Projekte einarbeiten. Die Programmierer in Tschechien sprechen gut Englisch und Deutsch, verdienen 600 Euro/ Monat. Da kann man als Schweizer nicht mithalten. Die KK und Miete sind bei uns ja schon höher. Essen und Leben muss man ja auch noch können.

    • Chrisi am 12.06.2016 16:10 Report Diesen Beitrag melden

      Perfide Situation

      @Matthias Klar, in der braven Schweiz redet man eigentlich nicht darüber. Trotzdem: Warum haben sie ihre Nachfolger eingearbeitet? Es gibt Grenzen des Erträglichen und sich beruflich selber das Grab zu schaufeln, in das man nachher gestossen wird, gehört definitiv dazu...

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  • Martin am 12.06.2016 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    Wie konnte er nur

    ein an sich gutes Referat mit einem Satz kaputt machen. Mein Fazit zu dieser Äusserung: Angst, zu einseitig gedacht, zu kurz gedacht, zu unbedacht geäussert. Sehr schade und absolut unverständlich..