SNB bekämpft Frankenstärke

03. August 2011 16:53; Akt: 03.08.2011 17:40 Print

«Sonst muss das Direktorium abtreten»

von Hans Peter Arnold - Beifall für die Nationalbank vom Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann. Er fordert jedoch, die Geldpolitiker müssten jetzt ihre Strategie konsequent durchziehen.

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Nationalbank-Direktor Philipp Hildebrand (rechts) und Thomas Jordan, Direktoriums-Mitglied, an der Generalversammlung der Aktionaere in Bern

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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) ergreift Massnahmen gegen den starken Franken. Was ist Ihre Reaktion?
Tobias Straumann: Das ist ein sehr guter Schritt. Die Nationalbank signalisiert, dass sie einen Absturz des Frankens nicht duldet. Wenn sie nichts tut, wird der Euro nur noch einen Franken wert sein.

Diese Massnahmen waren also notwendig?
Ja, zuletzt herrschte eine eigentliche Panik. Die Nationalbank musste handeln.

Aber sie hatte doch bereits vor einem Jahr erfolglos am Devisenmarkt interveniert?
Damals war der Franken nicht überbewertet, das heisst, die Intervention kam zu früh. Ausserdem hat die SNB nur halbherzig interveniert. Diesmal ist sie offenbar bereit, auch einen geldpolitischen Kurswechsel vorzunehmen. Sie signalisiert klar, dass sie die Liquidität auf unbestimmte Zeit massiv erhöhen und den Leitzins auf das absolute Minimum reduzieren wird.

Kann sie diesen Zinssatz zuverlässig steuern?
Kein Problem, das macht sie ja die ganze Zeit. Auch die Ausdehnung der Giroguthaben ist technisch einfach.

Mit dieseren lockeren Geldpolitik nimmt die Nationalbank aber eine höhere Inflation in Kauf?
Das ist die negative Seite dieser neuen Politik. Die Nationalbank muss gegenüber dem Markt ganz klar signalisieren, dass sie alles tun will, um den Franken zu schwächen und dass sie bereit ist, eine höhere Inflation in Kauf zu nehmen. Ob die Inflation in zwei, drei Jahren auch tatsächlich eintritt, ist aber jetzt noch nicht absehbar.

Reicht dieses Instrumentarium der Nationalbank. Oder soll sie erneut Euro-Papiere aufkaufen?
Mit der Notenpresse hat die Nationalbank die stärkste Waffe. Wichtig ist allerdings, dass sie diesen Willen am Markt klar kommuniziert. Die Drohgebärden sollten die Spekulation eindämmen. Auch muss das SNB-Direktorium die Massnahmen konsequent durchziehen - und nicht wie vor einem Jahr zurückweichen, wenn die Intervention nicht wunschgemäss verläuft.

Wird ihr das gelingen?
Ich bin zuversichtlich. Sollte diese temporäre Aktion aber misslingen, so müssten die Mitglieder des Direktoriums geschlossen abtreten. Das wäre ein Fiasko.

Es gibt auch kritische Stimmen: Die Schweiz sei zu klein, um gegen globale Devisenmärkte anzukämpfen.
Diese Kritiker verkennen, dass die Nationalbank das Geldmonopol hat. Sie kann theoretisch beliebig viel Geld drucken. Es gibt eben nicht nur die Intervention am Devisenmarkt, sondern auch die Möglichkeit, durch Ausweitung der Geldmenge Inflation zu erzeugen. Dagegen können die Devisenmärkte nichts unternehmen.

Wenn wir zurückblicken - wann gab es in der Wirtschaftsgeschichte eine ähnliche Entwicklung?
Zwischen 1973 und 1978 hatten wir eine ähnliche Situation. Auch damals war der Franken immer wieder stark überbewertet. Die Nationalbank reagierte zuerst recht zaghaft. Es gab dann aber eine Lernkurve. Erst mit dem resoluten Eingreifen im Oktober 1978 bekam sie die Frankenstärke in den Griff.

Der SNB wurde jedoch angelastet, Ende der 80er-Jahre eine verfehlte Geldpolitik betrieben zu haben, welche den nachfolgenden Boom und Crash am
Immobilienmarkt begünstigt hatte.

Damals ging es jedoch weniger um die Franken-Stärke als um die richtige Einschätzung der Geldmenge. So hatten unter anderem die damals aufkommenden Kreditkarten ein Unsicherheitsmoment geschaffen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fabian am 03.08.2011 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Wert heisst mehr Vermögen

    Wieso nutzen wir die Gunst der Stunde nicht mit einem Staatsfond. Somit hat die Schweiz in Zukunft einige Probleme weniger.

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  • Duffy Duck am 03.08.2011 18:04 Report Diesen Beitrag melden

    Aufwachen...!

    Die Krisen der EU sowie die der USA werden volkommen unterschätzt! Wenn alle Massnahmen nix gebracht haben, werden wohl noch die letzten Goldreserven verzockt....

  • Walter Müller am 03.08.2011 22:05 Report Diesen Beitrag melden

    Für die Katz

    Was hat der Bürger von diesem Geld? Werden die Krankenkassengebühren gesenkt, die Steuern reduziert... wohl kaum.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Heiri Zürcher am 04.08.2011 10:34 Report Diesen Beitrag melden

    Zusammenbruch der Ökonomie?

    Wenn eine Inflation droht, schneiden sich Regierung und Wirtschaft ja ins eigene Fleisch! Sie vergessen, dass die Normalbürger (noch) zahlungskräftige Konsumenten sind. Wenn aber die Bürger immer weniger verdienen, keinen Job oder Minimalrenten haben, leisten sie sich auch immer weniger d.h. Konsumrückgang! Die Bürger werden gezwungen ihre Lebenshaltungskosten rapide zurückzufahren, Vergnügen und Luxusgüter werden gestrichen. Damit killen Regierung und Wirtschaft das Wirtschaftswachstum an der Wurzel!

  • Hitch Elmer am 04.08.2011 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Es lebe hoch die INFLATION!!!

    Wenn schon nicht in die EU.. dann wird unser Land einfach sonst auf BIEGEN und BRECHEN in Grund und Boden geritten!!! Alles nur blablabla.. ausbaden kann es ja dann wider mal der Mittelstand.. nur wird es denn irgendwan nicht mehr geben!!!

  • Peter Müller am 04.08.2011 06:11 Report Diesen Beitrag melden

    Dr. med.

    Die Wirtschaftskapitäne schreien immer nach freier Marktwirtschaft. Deshlab wude die Swissair damals von der UBS auch nicht gerettet. Also soll jetzt endlich mal freie Marktwirtschaft herrschen. Wenn der CHF zu stark wird, dann soll auch das Wirtschaftswachstum in der Schweiz schrumpfen. Wir können nicht ständig wachsen. Die Schweiz ist schon überbevölkert!

  • Margrit Bircher am 04.08.2011 02:13 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist zu tun?

    Wir Schweizer sind stark, noch stärker sind wir mit einer starken Währung! Schon bald ist der Zeitpunkt gekommen, um im Ausland billig Firmen einzukaufen! Auch kann ich mir gut vorstellen, das die Export-Unternehmer teilweise ihre Angestellten in Euro bezahlen! Der Bund könnte solchen "Euro-Arbeiter" den Euro-Arbeitslohn zum Kurs von 1.5 CHF abkaufen, also für jeden Euro gäbe es1.5 CHF! Sobald der Euro wieder steigt, könnte der Bund die Euros wieder abstossen! Vielleicht sogar mit Gewinn!

  • Walter Müller am 03.08.2011 22:05 Report Diesen Beitrag melden

    Für die Katz

    Was hat der Bürger von diesem Geld? Werden die Krankenkassengebühren gesenkt, die Steuern reduziert... wohl kaum.

    • jonas am 04.08.2011 10:59 Report Diesen Beitrag melden

      kommentar

      Die Wirtschaft in unserem Land leidet und es ist gut, dass etwas unternommen wird. Das hat nichts mit Steuern oder Krankenkassengebühren zu tun..

    • Luzi Fehr am 04.08.2011 11:41 Report Diesen Beitrag melden

      Abhängigkeiten

      Geht's der Wirtschaft schlecht, werden Sie das ebenfalls spüren, über Preise, Angebote, Arbeitslosigkeiten usw. Es sei denn, Sie arbeiten in einer geschützen Werkstatt. Lösen Sie sich vom Inseldenken.

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