Revolutionäre Zeiten

08. Mai 2012 21:36; Akt: 09.05.2012 13:16 Print

«Strassenkriege und Anschläge sind denkbar»

von Désirée Pomper - Klimawandel, Staatsschulden, ungebremstes Wirtschaftswachstum: Karl Wagner vom Club of Rome glaubt, dass den Jungen bald der Geduldsfaden reisst – und es zu einer Revolution kommt.

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Karl Wagner vom Club of Rome sieht tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen auf uns zukommen. (Bild: ZVG)

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Das kurzsichtige Denken und der verschwenderische Umgang mit Ressourcen könnte schon bald zum Bumerang werden. Karl Wagner, Director of External Relations beim International Centre of the Club of Rome in der Schweiz, glaubt, dass es schon bald zu einer «Revolution der jungen Generation» gegen den Konsum kommen wird – auch in der Schweiz. 20 Minuten konnte mit dem Österreicher reden.

20 Minuten: Herr Wagner, sie prognostizieren einen «Krieg zwischen den Generationen für Gerechtigkeit». Warum?

Karl Wagner: Der jungen Generation wird der Geduldsfaden reissen, weil sie nicht länger die Umweltlasten der Alten tragen will. Sie will keinen ausgeplünderten Planeten und Klimakatastrophen. Sie hat keine Lust für die Staatsschulden aufzukommen, auf das Unwesen der Finanzindustrie, der älteren Generation hohe Pensionen zu bezahlen und sich die Mieten nicht mehr leisten zu können. Die Unzufriedenheit wächst und damit die Entschlossenheit, das System zu verändern.

Sie sprechen von einer «Revolution der jungen Generation»...

Die Opposition wird in Europa und den USA zunehmen, bis es so ab 2020 zu einer «Revolution» kommen wird - vergleichbar mit der von 1848 gegen das feudale Herrschaftssystem. Das ist unausweichlich. Strassenkriege unter arbeitslosen Jugendlichen oder Klassenkriege sind denkbar, auch dass Terroristen Banken in die Luft jagen. Ich stelle mir aber eher eine friedliche und schnelle Umwälzung vor.

Ist die «Revolution» auch eine Folge der Ressourcenknappheit?

Die steigende Verknappung von Ressourcen - zu denen man auch städtischen Wohnraum zählen muss - wird dabei sicher eine Rolle spielen: Rohstoffe werden teurer, das Land und Wasser wird in gewissen Regionen knapper. Somit wächst der Unmut weiter.

Wie stellen sie sich diesen Paradigmenwechsel - von der Konsumgesellschaft weg hin zur Wertegesellschaft - vor?

Die Kultur des Konsums wird umschwenken auf nachhaltigeres Wirtschaften. Teile der jungen Generation sind bereits jetzt überzeugt, dass viel Geld, ein grosses Auto und ein zweites Haus nicht glücklich machen. Sie werden sich fragen, ob sie statt dem stressigen Leben ihrer Eltern nicht lieber mehr Zeit für Freunde und Familie haben, in einer WG wohnen und ein Auto teilen wollen. Der Wert des Teilens wird höher gewichtet werden als der Wert des Unabhängigseins. In einer Wertegesellschaft zählt nicht länger das Bruttosozialprodukt, sondern das Wohlbefinden des Einzelnen und der Gemeinschaft. In dieser nachhaltigeren und faireren Welt wird es zwar weiterhin Arm und Reich geben, aber niemand sollte mehr am Hungertuch nagen. Es wird sich die Überzeugung durchsetzen, dass Kooperation und nicht beinharter Wettbewerb Motor der gesellschaftlichen Evolution ist. Dem «Überleben der Stärksten» wird man den Rücken kehren.

Noch aber ist die Welt eher von Samuel Huntington’s «Clash of Civilizations» geprägt...

Der Zusammenstoss der Kulturen ist nicht das Ende. Er ist nur eine Zwischenetappe in der Entwicklung hin zur höheren Stufe einer globalen Gesellschaft.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steve am 08.05.2012 23:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Uns geht es zu gut

    Revolution gut und recht. Ich glaube viele junge Leute wissen gar nicht wie gut wie wir es haben. Haben was zu Essen und einen Platz zum schlafen, und dass ohne grosse Anstrengung. Vielleicht sollten wir wirklich eine Revolution starten und noch alles kaputt machen, dann können wir wieder alles aufbauen und lernen zu schaffen.

  • phillio am 09.05.2012 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Höchste Zeit

    Wird auch höchste Zeit. Die Übeltäter haben sich ja längst daran gewöhnt, dass ausser bisschen empörtes Getue nichts passiert und sie weitermachen können wie bisher. Das muss sich ändern.

  • Helen Pauli am 09.05.2012 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich Einsicht?

    Hervorragendes Interview. Nur in einem stimme ich mit Herrn Wagner nicht überein: Es wird nicht nur eine Revolution der Jungen sein, sondern auch der ausgeplünderten Mitvierziger/-fünfziger, die am permanenten Leistungsdruck beinahe zu Grunde gehen, ohne entsprechend honoriert zu werden, um dann weggeworfen zu werden wie eine ausgepresste Zitrone. Zudem wird die gegen die Wirtschaftselite revoltiert und nicht grundsätzlich gegen die "Alten"

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tino Cavalli am 09.05.2012 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Niemand will Verantwortung!

    Ist es nicht eher so, dass weder die alte noch die junge Generation Verantwortung übernehmen will und ihr der Mut fehlt unsere demokratischen Institutionen und Mittel effektiv zu nutzen? Ist doch allemal geiler auf die Strasse zu gehen als mühsam eine Policy oder Initiative zu schreiben und dabei an alle Anspruchsgruppen, Effekte und Nebeneffekte zu denken...Ergo: Die Leute sind faul.

  • E.D. am 09.05.2012 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    Selten so ein Schwachsinn gelesen. Leute wie der versuchen uns höchstens den Zusammenbruch des Mittelstandes und eine Zukunft in Armut und Unterdrückung als begrüssenswerte "Revolution" zu verkaufen. Dabei sind diese Veränderungen von denen er spricht genau die Entwicklungen die vom jetzigen System angestrebt werden und es bräuchte wenn schon eine Revolution um genau das was er vorhersagt zu verhindern.

  • John Doe am 09.05.2012 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Boom!

    Viele von euch denken dass die Jugendlichen oder bzw. die junge Generation nur noch faul rumliegt und nichts tut. Naja die meisten wissen bereits wie aussichtslos alles werden kann und auch wird wenn wir so weiter machen wie bisher. Die Unzufriedenheit wächst jeden Tag und bald hat sie den Siedepunkt erreicht. Die werden ganz bestimmt aufstehen und dann gehts los. Selbst die sogenannte Iphone-Generation wird revolutionieren, auch wenn sie vielleicht zuerst nicht wissen worum es geht ;) Es heisst nicht dass es besser wird, aber damit es besser werden kann, muss es zuerst anders werden.

  • Helen Pauli am 09.05.2012 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich Einsicht?

    Hervorragendes Interview. Nur in einem stimme ich mit Herrn Wagner nicht überein: Es wird nicht nur eine Revolution der Jungen sein, sondern auch der ausgeplünderten Mitvierziger/-fünfziger, die am permanenten Leistungsdruck beinahe zu Grunde gehen, ohne entsprechend honoriert zu werden, um dann weggeworfen zu werden wie eine ausgepresste Zitrone. Zudem wird die gegen die Wirtschaftselite revoltiert und nicht grundsätzlich gegen die "Alten"

  • phillio am 09.05.2012 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Höchste Zeit

    Wird auch höchste Zeit. Die Übeltäter haben sich ja längst daran gewöhnt, dass ausser bisschen empörtes Getue nichts passiert und sie weitermachen können wie bisher. Das muss sich ändern.