Neue Gebühren

13. Juni 2019 20:08; Akt: 13.06.2019 20:08 Print

Heftige Kritik an Swisscom vom Konsumentenschutz

von Isabel Strassheim - Die neue Swisscom-Gebühr für Papierrechnungen stösst auf heftige Kritik. Der Konsumentschutz warnt vor Datenmissbrauch.

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Konsumentenschützerin Sara Stalder übt heftige Kritik: «Swisscom unternimmt alles, um an möglichst viele Daten heranzukommen, der Konzern entwickelt sich zusehends zu einer riesigen Datenkrake.» Swisscom weist die Kritik zurück: Vorhandene Bankdaten werden ausschliesslich und auf Wunsch des Kunden für die Rechnungsstellung verwendet (LSV) und unter keinen Umständen für Vermarktungszwecke genutzt oder an Dritte gegeben, erklärt Sprecherin Sabrina Hubacher. Kreditkartenfirmen und Banken haben die Gebühr für eine Papierrechnung schon lange eingeführt. Und auch bei UPC Cablecom und den anderen beiden Schweizer Telecom-Firmen Sunrise und Salt müssen Kunden für die Rechnung per Briefpost extra zahlen. Nun zieht auch Swisscom nach: Wer seine monatliche Rechnung noch auf Papier will, muss dafür künftig 2.90 Franken zahlen. Neu soll aber die detaillierte Rechnung auch im Swisscom-Shop eingesehen werden und dort direkt bezahlt werden können. Dafür wird dann keine Gebühr erhoben. Der Telecom-Konzern führt dies ab Oktober ein. Die Swisscom machte 2018 einen Gewinn von 1,52 Milliarden Franken – ein Minus von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. CEO Urs Schaeppi sagte Anfang Jahr auf der Bilanzmedienkonferenz: «Swisscom hat die gesetzten Ziele erreicht und in einem anspruchsvollen Marktumfeld erneut mit einer soliden Leistung überzeugt.» Der Umsatz stieg 2018 um 0,4 Prozent auf 11,71 Milliarden Franken. Im Jahr 2017 hatte die Swisscom noch 20'506 Mitarbeiter. Aktuell bietet das Unternehmen in der Schweiz noch 19'845 Vollzeitstellen an. Das entspricht einer Änderung von minus 3,2 Prozent. Die Swisscom rechnet für 2019 mit einem rückläufigen Stellenangebot in der Schweiz.

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Wer eine Rechnung auf Papier zugeschickt haben möchte, zahlt bei Swisscom nun dafür. Ab Oktober kostet dies 2.90 Franken. Auch die Postüberweisung wird teurer. Was hat es damit auf sich?

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Eine Rechnung für die Rechnung ist bei vielen Firmen schon üblich: Die Telecom-Anbieter Sunrise und Salt verlangen dafür schon länger eine Gebühr. Auch die Finanzbranche lässt sich die Rechnungsstellung bezahlen: Banken und Kreditkartenfirmen waren die Ersten, die dafür Gebühren einführten. «Im digitalen Bereich ist das schon länger üblich, Swisscom hat damit eher lange gewartet», sagt Digitalexperte Jean-Claude Frick vom Vergleichsdienst Comparis zu 20 Minuten.

Das Besondere bei Swisscom

Swissom ist zwar an der Börse, aber rund 51 Prozent der Aktien sind in Staatsbesitz. Der Konzern hat anders als die anderen Telecom-Firmen einen Grundversorgungsauftrag für die Schweiz: Per Gesetz ist Swisscom dazu verpflichtet, für alle den Zugang zur Festnetztelefonie und zum Internet sicherzustellen. Für Kunden, die die Grundversorgung mit dem Festnetzanschluss für 25.25 Franken im Monat nutzen, gibt es die Papierrechnung per Post auch weiterhin gratis.

Datenschutz

Die Stiftung für Konsumentenschutz warnt vor dem wachsenden Datenaufkommen, denn Swisscom dränge die Kunden zur Online-Überweisung.«Swisscom unternimmt alles, um an möglichst viele Daten heranzukommen, der Konzern entwickelt sich zusehends zu einer riesigen Datenkrake», sagt Konsumentenschützerin Sara Stalder. Swisscom stelle sich mit den neuen Geschäftsbedingungen eine Blankovollmacht für den möglichst ungehinderten Umgang mit Kundendaten aus – darin eingeschlossen die Erstellung von Kundenprofilen und Weitergabe von Kundendaten an Werbevermarkter. Swisscom weist die Vorwürfe zurück. Es gebe einen ganz klaren Datenschutz des Konzerns. Vorhandene Bankdaten würden ausschliesslich und auf Wunsch des Kunden für die Rechnungsstellung verwendet (LSV) und unter keinen Umständen für Vermarktungszwecke genutzt oder an Dritte gegeben, sagt Swisscom-Sprecherin Sabrina Hubacher. Die Bankdaten verbleiben bei Online-Banking jederzeit beim Kunden respektive im Bankenportal. Swisscom habe keinen Zugriff darauf.

Erboste Kunden

«Frechheit» und «Abzocke»: Die Kommentare der 20-Minuten-Leser sind fast einhellig. «Ich muss Geld bezahlen, um Rechnungen zu bezahlen», wundert sich etwa eine Leserin. In einem anderen Kommentar heisst es: «Üblich ist es, dass man eine Rechnung auf Papier erhält. Man dreht einfach mal kurz die Tatsachen um und zockt die Leute ab.» Und einige Leser betonen, dass es fair wäre, denen einen Bonus zu geben, die sich die Rechnung schon jetzt papierlos mailen lassen.

Unternehmens-Logik

Der Preisdruck ist gerade im Mobilfunkmarkt enorm. «Die Abos werden immer günstiger, deswegen müssen sich die Firmen überlegen, wie sie die Kosten senken können, um die Umsatzverluste etwas abzufedern», sagt Telecom-Analyst Andreas Müller von der Zürcher Kantonalbank. Der Rechnungsversand kostet Swisscom nach eigenen Angaben jedes Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag. Diese Kosten sollen nun verursachergerecht verrechnet werden, argumentiert das Telecom-Unternehmen.«Die Einsparungen wirken sich aber nicht gross auf das Konzernergebnis aus, dafür sind sie dann doch zu gering», sagt ZKB-Analyst Müller. Swisscom machte 2018 einen Gewinn von 1,52 Milliarden Franken.


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Ausgewählte Leser-Kommentare

Was für ein gejammer dieser ewig Gestrigen. Wer diesen unnötigen Papierverschleiss weiterhin unterstützen will muss halt dafür bezahlen. Ansonsten, herzlich willkommen im 21. Jahrhundert... – Dani Meier

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • DBU am 13.06.2019 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Allen ein Bisschen und mir ein Bisschen mehr?!?

    Ich finde das eine absolute Frechheit und überhaupt nicht gerechtfertigt. Weder bei Swisscom noch irgend einer anderen Firma (bei mir z.B. UPC) steigen reell die Kosten für die Rechnungsstellung, wenn ich wie bereits die letzten 20 Jahre die Rechnung per Post erhalte. Aber sie würden definitiv gesenkt, wenn ich auf die elektronische Rechnung umstellen würde. Dennoch wird's nicht günstiger, wenn ich auf e-Rechnung umsteige, sondern teurer, wenn ich das nicht tue. Da geht bei mir etwas nicht auf und stinkt aus meiner Sicht extrem nach "versteckter" Gewinnoptimierung... I don't like!!!

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  • Schweizer am 13.06.2019 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache mehr Geld! Grrrrrr....

    Seit über 20 Jahre bin ich Swisscom Kunde und bin bestens zufrieden, klar es kostet schon was. Aber jetzt kommt diese Sache mit den Papier-Rechnungen Preise, das finde ich sehr daneben! Swisscom verdient sehr viel aber scheinbar immer noch zu wenig?! Ich überlege mir ernsthaft ein Wechsel zu einem anderen Anbieter!

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  • protesterin am 13.06.2019 20:19 Report Diesen Beitrag melden

    datensammler ebill

    ich habe heute von swisscom eine "einladung", ebill zu benützen, statt papier-rechnung, bekommen. ich habe die internetseite von ebill angeschaut; da werden von "fremden" meine daten gesammelt. - kommt nicht in frage, da bezahle ich lieber das papier!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chr. Hunziker am 14.06.2019 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo liegt das Problem?

    Leute was regt ihr euch auch auf ? Erstens machen das viele Unternehmen schon lange zweitens hilft es Papier zu sparen! So ist der Lauf der Dinge . Und ehrlich jeder von euch in der Funktion der Swisscom oder anderem Unternehmen würde dasselbe tun ! ...

    • P. Winiger am 14.06.2019 23:33 Report Diesen Beitrag melden

      Bagatellisieren?

      Chr.Hunziker Nur weil es viele machen wirds nicht korrekter! Denen gehts doch nicht ums Papier sparen, es gibt auch Recycling-Papier. Für 3x 2.90 kann man 500 Seiten Pack kaufen. Wir im Pneuhandel ziehen Bar ein oder senden nach wie vor Rechnung OHNE zus. Gebühr!

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  • Toni am 14.06.2019 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abzocker

    Selber Schuld wer bei diesen Abzockern freiwillig bleibt. Man zahlt viel zu viel für einen Service, den man vllt. alle paar Jahre mal in Anspruch nimmt. Zahle jetzt 20.- bei Sunrise wofür ich früher 70.- bei Swisscom gezahlt habe, vermisse nichts.

  • Artifex am 14.06.2019 22:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ernsthaft?

    Sagt mal ist das irgendwie In immer einen Sündenbock zu suchen und zu haten? Leute Salt, Sunrise, UPC, Wingo und wie die Anbieter alle heissen haben diese Gebühr seit Jahren!!!! Selbst Digitec verlangt für eine Rechnung meines Wissens 1-2% des Kaufpreises und das seit Jahren. Dutzende Läden und Online Shops handhaben das so. Kreditkarten Gebühren beim bezahlen gibts genauso seit ich denken kann. Wem das einfach zuviel ist nimmt halt ne andere Methode.... Wegen eines veralteten Papierstücks den man heutzutage kaum noch nutzt so ein Theater zu machen kanns auch wiedermal nur in der Schweiz geben

  • Martial aus Biel am 14.06.2019 22:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ältere Menschen

    Bei allen Kommentatoren hier drinnen. Sehen nicht, das es eine Gruppe Personen gibt die sich gar nicht wehren können, unsere Väter und Mütter, die nie mit Internet usw. auf gewachsen sind. Dort könnte die Swisscom nach sichtig sein.

  • Elias am 14.06.2019 20:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so ...

    Was ist daran falsch, wenn die unnötigen Mehrkosten auf den Verursacher abgewälzt werden? Papierrechnungen kosten mehr als nur das Porto. Auch wer am Postschalter einzahlt verursacht Mehrkosten.