Tag der guten Tat

16. Mai 2019 10:24; Akt: 17.05.2019 10:45 Print

«Ich würde mich auch mit der Migros zusammentun»

von S. Spaeth - Coop-Chef Joos Sutter ist der erste CEO, der ein Interview beim Blutspenden gibt. Grund dafür ist der Tag der guten Tat. Was bringt der Anlass, der mehr nach Pfadi als nach Handel tönt?

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Joos Sutter, Sie lancieren mit Coop den Tag der guten Tat. Das tönt mehr nach Pfadi als nach Detailhandel. Waren Sie einst Pfadfinder?
Nein. Ich bin in Graubünden so nahe bei der Natur aufgewachsen, da habe ich die Freizeit sowieso meist im Wald verbracht. Ich kann aber gut verstehen, wenn die Verbindung zur Pfadi gemacht wird. Wichtig ist uns an diesem Tag, die Menschen für gute Taten zu inspirieren. Übrigens macht die Pfadi beim Tag der guten Tat auch mit.

Wie kamen Sie auf die Idee für den Tag der guten Tat?
Wir wollten im Bereich des gesellschaftlichen Engagements etwas tun und andere motivieren, mitzumachen und ihre Taten unter #TagdergutenTat zu posten. Der Tag soll auch ein Auslöser sein, um das Engagement später zu wiederholen. So wie bei mir: Ich war seit der Rekrutenschule nur einmal beim Blutspenden. Dank dem Tag der guten Tat hoffe ich, das künftig regelmässig zu tun.

Nun sind Sie der erste Schweizer CEO, der ein Interview beim Blutspenden gibt. Wie geht es Ihnen nach dem Stich?
Ich habe weder Angst vor Nadeln noch ist mir schwindlig. Mehr Sorgen mache ich mir, weil ich schon länger nicht mehr beim Gesundheitscheck war. Nun werden meine Werte kontrolliert.

Wie viele Leute werden beim Tag der guten Tat mitmachen?
Wir haben in unseren Läden täglich bis 1,5 Millionen Kunden. Wenn sich nur schon ein kleiner Teil motivieren lässt, kommt was zusammen. Der Tag der guten Tat lebt von den vielen Ideen – das kann auch direkt mit unseren Läden zu tun haben, vom Schleppen der Einkäufe bis zum Einkauf mit handicapierten Menschen. Es reicht auch ein kleiner Impuls für eine gute Tat, etwa Menschen besuchen, die man schon lange nicht mehr gesehen hat.

Wie halten Sie es persönlich mit guten Taten? Hat man als CEO überhaupt Zeit dafür?
Zeit findet man immer, man muss sie sich nur nehmen. Am Tag der guten Tat am 25. Mai beteilige ich mich an einer Bach-Putzaktion in Bern, organisiert vom WWF. Zudem engagiere ich mich regelmässig im Bereich Naturschutz und bin Mitglied in Naturschutzorganisationen. Dieses Thema ist mir sehr wichtig.

Gute Taten sind auch gut fürs Gewissen. Wie ist das bei Ihnen?
Gute Taten muss man von Herzen machen. Sonst wird man sie später meist bereuen. Ein Engagement kommt bei mir nicht aus einem schlechten Gewissen. Es geht oft darum, Freude zu bereiten. Und meistens kommt später auch etwas zurück.

Plagt Sie manchmal ein schlechtes Gewissen?
Ich muss manchmal Dinge entscheiden, die harte Konsequenzen fürs Personal haben, etwa eine Restrukturierung oder eine Verlagerung. Solche Entscheide sind manchmal leider unvermeidlich. Die Auswirkungen auf die Betroffenen beschäftigen mich. Zu glauben, die harten Entscheide über gute Taten zu kompensieren, wäre ein Irrtum.

Jetzt haben Sie schon über 200 Milliliter Blut gegeben. Nun kommen die heiklen Fragen: Wäre es nicht eine gut Tat, gewisse Artikel aus dem Sortiment zu verbannen?
Das tun wir immer wieder. Sie finden bei uns beispielsweise seit Jahren keine Stopfleber mehr und nur noch nachhaltigen Fisch. Für unsere Eigenmarken-Lebensmitteln verwenden wir nur noch Bio-Knospe-Palmöl aus konsequent nachhaltiger Produktion.

Das tönt gut. Aber was tun Sie beim Plastik konkret?
Wir werfen etwa die Plastik-Wattestäbchen aus dem Sortiment. Damit allein sparen wir 10 Tonnen Plastik im Jahr ein. Bio-Produkte verkaufen wir wo immer möglich unverpackt. Und im Take-away bei Sapori und Karma kann jeder Kunde den eigenen Behälter mitnehmen. Zudem setzen wir bei Früchten und Gemüse auf wiederverwertbare Beutel, bereits sind 600'000 Stück im Umlauf.

Würden Sie als gute Tat auch ihr CEO-Büro gegen den Job an der Kasse tauschen?
Ja, klar. Die Coop-Geschäftsleitungsmitglieder arbeiten jedes Jahr einen Tag draussen im Betrieb mit. Wir standen auch schon morgens um 4 Uhr bei Coop@home zur Arbeit bereit oder formten in der Grossbäckerei in Schafisheim Brote. Dieses Jahr werden wir im neuen Logistikzentrum von Fust mithelfen.

Würden Sie für die gute Sache auch mit Migros-CEO Fabrice Zumbrunnen zusammenspannen? Er ist so etwas wie Ihr Erzrivale.
Natürlich würde ich mich für eine gute Tat auch mit dem Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen zusammentun. Da habe ich überhaupt keine Berührungsängste.

Sie haben nun 446 Milliliter Blut gespendet. Wie gehts?
Noch stehe ich nicht wieder auf den Beinen. Klar ist: Ich bin schon etwas schwächer als sonst, aber es geht. Immerhin scheinen meine Blutwerte in Ordnung zu sein.

Dieser Artikel ist im Rahmen des «Tag der guten Tat» entstanden. Mehr Infos dazu gibt es hier.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Expat am 16.05.2019 10:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder in seinem Umfeld

    Versuche doch jeder täglich etwas Gutes für sich und sein Umfeld zu tun, ohne gross darüber zu sprechen. Dann ist alles getan, mehr braucht es nicht.

  • wolke007 am 16.05.2019 10:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Helden des Alltags...

    sind nicht die, welche sich gerne auf den Titelseiten der Medien sehen... und diese sind nicht unter den Superreichen zu finden...

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  • Evi Trudel am 16.05.2019 10:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hab ich schon :)

    Hab meinem Hund heute zu fressen gegeben. Aber im ernst ist eine gute Idee, Coop, echt jetzt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • chrigu, am 16.05.2019 18:26 Report Diesen Beitrag melden

    nichts zu holen,

    Coop ist nichts für Migros, der Migros gehört den Leuten laut Werbung???

  • E.B am 16.05.2019 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich lehnte die Presse ab..

    Wollte auch Blut spenden,klappte jedoch nicht,weil Bier in meinem Körper fliesst.

  • Margrit Aegerter am 16.05.2019 18:01 Report Diesen Beitrag melden

    Werbung in eigener Sache

    Beste Werbung ist auch eine gute Tat für sein eigenes Unternehmen :)

  • Pierre am 16.05.2019 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Hat der gute Mann denn keinen

    PR-Berater? Wie kann man nur ......

  • Vagin Analev am 16.05.2019 15:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hut ab

    ich persönflich falle fast schon in Ohnmacht wenn man mir einbisschen Blut abnimmt