Finanzkrise

14. Oktober 2010 08:52; Akt: 14.10.2010 11:49 Print

«Versager» dürfen Millionen-Boni behalten

von Lukas Hässig - Ospel, Wuffli und Co. haben unternehmerisch versagt. So sagt es der «Transparenzbericht» der UBS zum Crash. Die Boni will die Bank aber trotzdem nicht im grossen Stil zurück.

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UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger will nicht klagen. (Bild: Reuters)

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Vor zwei Jahren musste die Schweiz die UBS mit fast 70 Milliarden Franken vor dem Kollaps retten. Vor 6 Monaten forderten die Aktionäre ihr Management auf, Klagen gegen die Verantwortlichen zu prüfen. Vor 4 Monaten verlangte eine Parlamentskommission die Prüfung von Klagen.

Heute liefert UBS-Präsident Kaspar Villiger die Antwort. Sie lautet: keine Klagen, obwohl der Crash nicht hätte geschehen dürfen. «Mit unserem Entscheid, auf rechtliche Schritte zu verzichten, wollen wir weder begangene unternehmerische Fehler beschönigen noch die handelnden Personen von ihrer unternehmerischen Verantwortung freisprechen», sagt Villiger. Aber: «Die Lehren aus der Vergangenheit sind gezogen, und die neue Führung hat UBS auf nachhaltigen Erfolg ausgerichtet.»

Schwamm drüber

Alle rechtlichen Abklärungen und auch zwei neue Studien von unabhängigen Experten hätten laut Villiger gezeigt, dass die Ex-Chefs nicht willentlich die Bank in die Krise steuern wollten. Schwamm drüber also – und das trotz einzigartigem Debakel, das auf ein kolossales Versagen der ehemaligen Führungsspitze der UBS zurückzuführen ist.

Und das listet die Bank in ihrem Bericht auf:

  • Die Führung wollte die Nummer eins der Welt werden, doch ihre Strategie war «zu wenig systematisch» geplant;
  • «Dieselben Geschäfte» seien innerhalb der Bank an verschiedenen Orten betrieben worden und hätten die Handelsverluste vervielfacht;
  • Es habe «Warnungen» gegeben, doch die Führung meinte, sie hätte sich gegen Verluste im US-Hypothekenmarkt abgesichert;
  • Zum US-Steuerbetrugssystem schreibt die UBS, es habe eine «ganzheitliche und kontinuierliche Risikoanalyse» gefehlt.
Chronik eines irrlichternden Managements


Hochrisikostrategie ohne Planung, Doppelspurigkeiten ohne die eigenen Risiken zu kennen, Warnungen in den Wind geschlagen, Augen und Ohren zu im US-Steuerfall – die Aufzählung liest sich wie die Chronik eines irrlichternden Managements, das sich in den guten Jahren als Crème de la Crème des globalen Bankings feiern liess.

Nun zeigt sich in einem Bericht, der notabene nicht von einem externen Kritiker stammt, sondern von der betroffenen Bank selbst, dass an der Spitze eines 80 000-köpfigen Multis in gröbster Art und Weise gepfuscht wurde. Was haben die Verantwortlichen in all den Jahren getan?, fragt man sich unwillkürlich. Und kommt zum Schluss: sicher nichts Gescheites.

100 Millionen in fünf Jahren für nachhaltiges Scheitern

Im Kontrast dazu stehen die bezogenen Gehälter und Boni. Die beiden Aushängeschilder der früheren UBS, Präsident Marcel Ospel und sein CEO Peter Wuffli, liessen sich von 2002 bis 2006 je rund 100 Millionen Franken überweisen. Ein grosser Teil davon erfolgte als Bonus für vermeintlich nachhaltige Leistungen. Wie sich ab 2007 herausstellte, führten ihre Entscheide nicht zu einer Plattform für eine gedeihliche Zukunft, sondern direkt ins Eismeer.

Nun hätte die neue UBS-Führung unter Präsident Kaspar Villiger die Chance gehabt, einen Teil dieser unverdient erhaltenen Millionen zurückzufordern. Gemäss Transparenzbericht verzichteten die Ex-Manager auf 70 Millionen.

An einer Stelle geht die Bank indirekt darauf ein. In ihrem Gutachten habe die beauftragte Zürcher Anwaltskanzlei Bär & Karrer aufgezeigt, dass der Verwaltungsrat die Möglichkeit habe, gegen die Ex-Chefs zu klagen, auf noch ausstehende Auszahlungen von Boni und Entschädigungen zu verzichten oder einen Vergleich mit den Verantwortlichen anzustreben.

Bekannt ist, dass Peter Wuffli, Marcel Ospel und weitere ehemalige Topshots der alten UBS auf vertraglich zugesicherte Entschädigungen verzichteten.

Die neue UBS lässt die alte Crew einfach springen

Dass aber die neue UBS-Führung von den Managern, die sich als unfähig entpuppt hatten, einen grossen Teil der früheren Boni zurückgefordert hätte, darauf wartet man vergebens. Dabei wäre es genau das, was die Öffentlichkeit erwartet: Die UBS setzt den Ex-Chefs das Messer an den Hals, fordert ultimativ je 70 der 100 in den Jahren 2002 bis 2006 erhaltenen Boni-Millionen von Ospel & Co. zurück. Sonst, so die Drohung, würde sie diese einklagen.

Stattdessen geben UBS-Präsident Kaspar Villiger und UBS-CEO Oswald Grübel, die mit den unteren Chargen erbarmungslos umgehen, falls sich diese in der Vergangenheit etwas zuschulden kommen liessen, freiwillig die Trumpfkarten aus der Hand. Vorschnell haben die Spitzenleute Ende letzten Jahres bekannt gemacht, dass sie auf Klagen gegen die alte Crew verzichten würden.

In ihrem heutigen Bericht geht die Bank noch weiter. «Falls aus dem Kreis der Aktionäre ein Antrag gestellt würde, die Generalversammlung solle die Einleitung einer Klage auf Kosten der Gesellschaft beschliessen, würde es der Verwaltungsrat als seine Pflicht erachten, einen entsprechenden Antrag zur Ablehnung zu empfehlen.»

Hände weg von Klagen, ruft die Führung ihren Eigentümern also zu. «Es ist wichtig, dass wir uns jetzt auf die Zukunft konzentrieren können», begründet Villiger im Communiqué. «Heute haben wir die Grundlage geschaffen, um einen Schlussstrich unter die vergangenen Ereignisse zu ziehen.»

Die UBS-Versager werden es ihren Nachfolgern zu verdanken wissen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Laredo am 14.10.2010 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Keine neue Nachricht

    Das war ja klar! Hat da jemand was anderes erwartet? Geld regiert nun mal!

  • René Kälin am 14.10.2010 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr fragwürdig!

    Diejenigen, die während der Finanzkrise die Kontrollen machten und dafür verantwortlich waren, dass nichts unrechtes geschieht, genau die gleichen sind nun verantwortlich für den heute veröffentlichten Bericht. Wieso sollten diejenigen, die damals nichts sahen (wollten, durften oder konnten) heute mehr sehen?

  • Claudio am 14.10.2010 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch

    War ja zu erwarten ...... was ist nur aus der Schweiz geworden, die Zeiten von Tells Gesinnung ist schon lange vorbei. Heute nimmt man von den Armen und gibt den Reichen. Schande über uns!!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Oliver am 18.10.2010 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    In den USA...

    Der ehemalige Chef des einst größten US-Immobilienfinanzierers Countrywide, Angelo Mozilo, muss insgesamt 67,5 Millionen Dollar (48 Mio Euro) zahlen, weil er seine Aktionäre über die gefährlichen Geschäfte der Firma auf dem Hypothekenmarkt im Unklaren gelassen hatte. (Quelle: Stern.de) Die Aktionäre müssten auch im Fall der UBS klagen weil sie geschädigt wurden indem das Management seine Pflichten nicht erfüllt hat. Es braucht endlich einen Präzedenzfall in der Schweiz.

  • Jürg Greiff am 17.10.2010 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Na ja

    Na ja, vom derzeitigen Verwaltungsrat unter Villiger war ja nichts anderes zu erwarten. Man schützt sich gegenseitig und lässt die Schuldigen und Abzocker in Frieden. Man weiss ja nie, wenn man selbst in diese Situation kommt und dann man schon mal vorgesorgt. Nicht war Herr Villiger?

  • Willy am 17.10.2010 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaubliche UBS Arroganz

    Wie lange müssen wir diesen UBS - Präsidenten noch gedulden - da steckt der ganze FDP - Filz dahinter, und der ist untragbar.

  • Kleiner KMU am 15.10.2010 19:52 Report Diesen Beitrag melden

    schlag ins Gesicht

    jeder KMU, der einmal etwas riskiert hat und dann Pech hatte, kommt vor Gericht und haftet mit seinem Vermögen. Vor dem Gesetz sind alle gleich. Ade schöne Schweiz. Für mich heisst UBS auch in 20 Jahren noch: Abzocker, Versager, Verantwortungslosigkeit, ohne Gewissen, Habgier und so weiter. Eben U B S.

    • Giovanna am 16.10.2010 11:38 Report Diesen Beitrag melden

      @Kleiner KMU

      Besser kann man UBS nicht definieren.

    einklappen einklappen
  • Alfred Jakob am 15.10.2010 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    UBS und deren Führung...

    wurde nicht besser nur wesentlich älter, und vielleicht noch eine Spur arroganter. Nach Jahren nahm "man" das Wort Fehler in den Mund, die Einsicht könnte dann wohl so in einigen Jahrzehnten folgen.