Sika-GV

12. April 2016 19:10; Akt: 28.10.2016 19:40 Print

«Verwaltungsrat führt sich auf wie Hausbesetzer»

Die Sika-Verwaltungsräte müssen ohne Entschädigung arbeiten. Dies haben die Erben des Konzerns so durchgesetzt. Die GV nutzte auch Roger Köppel als Bühne.

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Die Verwaltungsräte des Bauchemiekonzerns Sika haben im vergangenen Jahr gratis gearbeitet. Die Aktionäre lehnten an der Generalversammlung am Dienstag die Auszahlung der Löhne mit rund 66,46 Nein-Stimmen ab.

Damit erhält der Verwaltungsrat von Sika für seine Arbeit seit der letzten Generalversammlung keinen Lohn. Bereits an zwei Generalversammlungen im vergangenen Jahr hatten die Aktionäre die Vergütung des Verwaltungsrates für die Periode von der letzten Generalversammlung bis zur aktuellen abgelehnt. Am Dienstag bestätigten sie dieses Verdikt. Zudem lehnten sie die künftige Vergütung des Verwaltungsrates ab.

Abstrafen gewisser Verwaltungsräte

Sika-Verwaltungsratspräsident Paul Hälg sprach von einem «reinen Abstrafen der unabhängigen Verwaltungsräte». Die Erben würden damit ihr wahres Gesicht zeigen. Geleistete Arbeit nicht zu entschädigen, sei nicht akzeptabel. Dies insbesondere auch in Anbetracht des enormen Mehrwerts, den die Unternehmensführung über die Jahre für die Aktionäre geschaffen habe.

Das Verdikt ändere aber nichts an der Annahme der Wahl, sagte Hälg. «Wir werden unsere Arbeit auch dann fortsetzen, wenn uns die Erben Burkard ein weiteres Mal die Entschädigung verweigern, weil wir aus tiefster Überzeugung glauben, das Richtige zu tun», hatte er bereits vor der Abstimmung gesagt.

«Verwaltungsrat benimmt sich wie Hausbesetzer»

Die Sika-Generalversammlung bot den zerstrittenen Lager auch eine Bühne für emotionale Voten für und gegen der Sika-Verkauf an den französichen Konkurreten Saint Gobain. So versammelten sich 160 Sika-Kader ums Rednerpult und demonstrierten so ihre Geschlossenheit gegen den Deal, der der Familie Burkard 2,75 Milliarden Franken in die Kassen spülen würde.

SVP-Nationalrat Roger Köppel stellte sich hingegen hinter die Erben. Die Verwaltungsräte und Kaderangestellten, die sich gegen den Verkauf an Saint-Gobain wehren, führten sich auf «wie entfesselte Hausbesetzer», sagte Köppel. Sie wollten die eigentlichen Hausbesitzer «mit nahezu erpresserischen Drohungen» um deren Recht bringen, so Köppel.

Buhrufe für Köppel

«Sie beschädigen die Rechtssicherheit unserer freiheitlichen Wirtschaftsordnung», richtete er sich SVP-Mann und Weltwoche-Verlager an die Verwaltungsräte und die Manager. «Kehren Sie zur Vernunft zurück und respektieren sie die legitimen Ansprüche der Gründerfamilie Burkard», so Köppel.

Das Publikum reagierte auf Köppels Votum mit Buhrufen. «Ja, jetzt hören Sie halt auch mal die andere Seite», entgegnete Köppel schlagfertig. «Wir sind hier nicht in Nordkorea.» Zuvor hatte es sehr viele Voten von Aktionärsvertretern und Kadermitarbeitern gegeben, die sich gegen den Verkauf wehrten.

Stimmrechte beschränkt

Dass die Vergütung des Verwaltungsrates abgelehnt wurde, liegt daran, dass bei zahlreichen Abstimmungen die Stimmkraft der Erbenfamilie nicht beschränkt wurde. Dies deshalb, weil es bei diesen Anträgen nicht direkt um die Übernahme ging. Bei jenen Anträgen, die in Zusammenhang mit dem Verkauf des Unternehmens stehen, hatte der Verwaltungsrat das Stimmrecht der Sika-Erben zurückgebunden. Das galt auch für die Wahlen in den Verwaltungsrat, weshalb alle bisherigen Mitglieder erneut gewählt wurden.

Den Live-Ticker zum Nachlesen finden Sie hier:

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(sas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cerav am 12.04.2016 23:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Courage / Schweiz

    Wiso verkauft man gesunde Firmen ans Ausland ??? Nur aus Geldgier. Da sollte auch der Bund mal Handeln bei Ausverkauf der Schweiz / Werstschöpfung / Knowhow. Arbeitsplätze werden gesichert auf 2 Jahre ?? Wers glaubt sollte sich mal naivität gogglen. Auch wen sich der Verwaltungsrat wie "Hausbesetzer" aufführen würde, so tun sie das einzig richtig. Eine funtionierende Firma und Arbeitsplätze schützen. Hut ab vor solcher Courage. Köppel sollte sich an der Nase nehmen und überlegen was Schweiz heisst und nicht Wasser predigen und Wein trinken.

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  • HomerJ am 13.04.2016 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht gar nicht!

    Wie kann Köppel es wagen, sich gegen das Volk zu wenden? Er verrät die Prinzipien der SVP, denn er handelt ganz gegen die schweizerische Wirtschaft und das Volk. So einer hat in der der Partei nichts mehr verloren. Für ein paar Franken einfach mal ein starkes Unternehmen in den Ruin zu stürzen und mehr Arbeitslose generieren geht gar nicht!

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  • Chris am 12.04.2016 15:25 Report Diesen Beitrag melden

    Recht - Moral?

    Rechtlich gibt es keine Widerrede. Moralisch aber enorm! Die fünf Burkard Kinder haben (leider) sehr schnell vergessen, was ihr Vater und ihre Mutter zu Lebzeiten predigten. Wahrscheinlich ist es egal wenn jedes der fünf Kinder dann etwa 550Mio. CHF besitzt, was andere über sie denken! Wäre nicht das erste mal, das Geld den Charakter verdirbt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sergio am 13.04.2016 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Das passt ja

    Der selbsternannte Experte für Alles, M. Köppel! Die totale Selbstüberschätzung in Person bringt immer wieder total falsch verstandene Aussagen zu Wirtschaft, zum Rechtsstaat und zur Politik. Aber wenn einem zu viele, die noch weniger checken, immer zunicken, dann setzt man halt irgendwann zum totalen Höhenflug an. Wie wär's mal mit Lesen und Zuhören statt nur zu Schreiben und zu Sagen was einem gerade durch den Kopf schiesst? Mit Schlagfertigkeit hat das wenig zu tun, aber wenn man dauerlabbert ist die Chance gross, dass 1% aller Aussagen irgendwann mal zutrifft.

  • Simon Schenker am 13.04.2016 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    SVP und Geldgier vs. Schweiz

    Tja, beim Geld hört auch bei der SVP der Volkeswille auf und der Schutz der Schweiz. Herr Köppel hat also ganz deutlich aufgezeigt wo die Grenze zu ziehen ist. Aber leider werden auch das die vielen SVP-Lemminge immer noch nicht verstehen wollen und folgen immer noch blindlings.

  • Leo Meier am 13.04.2016 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Die Meinung wird vom Preis bestimmt!?

    Hätte ich nie im Leben gedacht, dass Hr. Köppel so einfach käuflich ist. Seiner Glaubwürdigkeit ist das bestimmt nicht förderlich.

  • Brenner Kurt am 13.04.2016 09:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratulation

    Super, viel VR insbesonders der Banken sind ihr Geld Nie, aber gar Nie wert.

  • Dani am 13.04.2016 09:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SVP zeigt wahres Gesicht

    So, allmählich zeigt die SVP das Sie auch nocht bessere Politiker als die der anderen Parteien sind. Erst verteidigt ihr Bundesrat die Briefkastenfirmen und nun sprechen Sie für die "Reichen".