Knebelverträge verboten

18. September 2017 18:49; Akt: 18.09.2017 19:28 Print

«Viele Hotels werden jetzt günstigere Preise bieten»

Der Nationalrat hat heute die Motion zum Verbot von Knebelverträgen angenommen. Hotelleriesuisse-Präsident Andreas Züllig ist erleichtert.

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Herr Züllig, Sie waren in Bern zugegen, als der Entscheid fiel. Wie reagierten Sie darauf?
Züllig:
Wir sind natürlich sehr erleichtert. Jetzt haben wir vier grosse Hürden überwunden, das ist nicht zu unterschätzen. Im Verlauf der Debatte gab es auch durchaus etwas Zweifel. Ich dachte schon, der eine oder andere könnte noch kippen und es könnte knapp werden. Aber am Schluss war es eine klare Entscheidung.

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Können sich Gäste nun freuen, dass Hotelübernachtungen günstiger werden?
Ich gehe davon aus, dass viele Schweizer Hotels tiefere Preise auf der eigenen Website bieten werden, wenn die Motion umgesetzt ist. Natürlich kann ich da aber nicht für alle meine Kollegen sprechen. Gäste haben sicher einen Vorteil, wenn sie direkt beim Hotel buchen. Bisher war es Schweizer Hotels aufgrund ihrer Verträge mit Buchungsplattformen wie Booking.com untersagt, auf Ihren Websites niedrigere Preise zu bieten. Gäste konnten jedoch direkt mit den Hoteliers verhandeln.

Wird es dank der Einschränkungen für Anbieter wie Booking.com nun weniger Buchungen bei derartigen Plattformen geben?
Im Gegenteil. Es wird generell mehr Online-Buchungen geben, sowohl bei Hotels als auch auf Plattformen von Drittanbietern. Nach Schätzungen des Instituts für Tourismus der Hochschule Westschweiz werden in zwei bis drei Jahren über 50 Prozent der Buchungen online stattfinden. Noch sind es etwa 30 Prozent. Jeder Zweite unter 30 Jahren bucht heute schon online. Buchungsplattformen erschliessen uns Märkte, an die wir sonst gar nicht kommen würden. Vor allem für kleine Betriebe ist das eine riesige Chance. Unfair ist es aber, wenn Plattformanbieter diesen Betrieben die Preisgestaltung und die Handlungsfreiheit einschränken.

Wie viel kosten Knebelverträge die Schweizer Hotellerie?
Die Schweizer Hotellerie bezahlt Kommissionen von schätzungsweise 150 Millionen Franken pro Jahr an Buchungsplattformen. Rund 75 Prozent davon gehen an Booking.com, ein Unternehmen, das in der Schweiz keine Mehrwertsteuer bezahlt.

Könnten Plattformen drohen, Hotels nicht mehr zu listen, wenn sie bessere Angebote auf den eigenen Websites bieten?
Es ist unwahrscheinlich, dass Plattformanbieter die Schweizer Hotellerie auf diese Weise verärgern wollen. Damit würden sie sich selber bestrafen. Gerade die attraktiven Hotels könnten sich dann von diesen Plattformen zurückziehen, da sie sich das leisten können. Die Druckmittel bei kleineren Hotels sind allerdings bedeutender. Wenn sie nicht auf solchen Plattformen vertreten wären, würde das ihre Existenz bedrohen. Solche Beispiele sind uns heute schon bekannt. Manche Hoteliers wurden von Booking.com oder Expedia schon abgemahnt oder im Ranking herabgestuft. In solchen Fällen sind allerdings nicht Gesetze, sondern die unternehmerischen Entscheide der einzelnen Hoteliers ausschlaggebend.

In Nachbarländern der Schweiz sind Knebelverträge längst verboten. Warum dauerte es in der Schweiz länger?
Wir versuchten zuerst, über die Wettbewerbskommission gegen Knebelverträge vorzugehen. Diese fällte allerdings einen für uns unbefriedigenden Halbentscheid, der es den Plattformen weiterhin ermöglichte, die niedrigsten Preise zu diktieren. Erst darauf gingen wir den politischen Weg, der beschwerlicher, aber notwendig war.

Wie bedeutend ist der Standort Schweiz für Buchungsplattformen?
In kaum einem Land haben solche Plattformen so grosse Margen wie in der Schweiz. Der Aufwand für deren Anbieter ist überall praktisch gleich gross, aber die Preise sind bei uns besonders hoch. Darum ist die Schweiz für Unternehmen wie Booking.com ein sehr interessanter Markt.

(rkn)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Luca am 18.09.2017 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Direkt bringt nix in CH

    Schweizer Hotel bei Aldi gebucht: Fr. 400 pro Woche. Dieses Hotel direkt um Offerte gebeten, gleicher Zeitraum Fr 650

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  • Tom Brenner am 18.09.2017 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Preis/Leistung???

    Vielleicht müsste das Hotelgewerbe in der Schweiz einmal über sich selber und das bestehende Preis/Leistungsverhältnis nachdenken. Ich finde die offizielle Aussage: "In kaum einem Land...so grosse Margen wie in der Schweiz...die Preise sind bei uns besonders hoch. " Wirklich bedenklich sowas. Da gibt es zum Glück rund um uns herum bessere Ferienorte, wo der Gast nicht bloss eine Belastung und ein Unkostenfaktor ist.

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  • Speedy am 18.09.2017 20:19 Report Diesen Beitrag melden

    unflexibel und langsam

    Auf booking habe ich in 10 Minuten geschaut, abgewägt, gebucht und zwar so, dass ich kostenfrei noch am Nachmittag des Anreisetages absagen kann. Wenn ich einem Hotel ein Anfragemail sende geht's Stunden bis ich (vielleicht) eine Antwort habe. Dann muss ich unter allen angefragten Hotels die Antworten abwägen, nachfragen, handeln usw. Und dann kommt immer die Verbindlichkeit dazu. Absagen kostet mindestens eine Nacht!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • wilhelm tell am 19.09.2017 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr als skeptisch

    Warte gespant auf diese ..... Ermaessigungen. PS: Vielleicht werden es 10 Hotels sein, die in November auf den Berg eine Reduktion anbieten. Glaube kein Wort. Eine so wunerbare Abzocke-Moeglichkeit wird sich kein CH-er Hotelier entgehen lassen.

  • Peter Gut am 19.09.2017 16:29 Report Diesen Beitrag melden

    gerupft bis auf die letzte Feder :-)

    Leider werden wir Schweizer in allen Belangen der Wirtschaft abgerupft bis auf die letzten Federn.

  • Mauron am 19.09.2017 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Direkte Buchung noch teurer

    Vor zwei Wochen in einem Hotel in Berlin. Da es uns sehr gefallen hat und wir noch Ferien hatten, wollten wir unseren Aufenthalt um 2 Tage verlängern. Da habe ich zuerst die Preise auf Booking angeschaut und nachher nach dem Preis an der Reception gefragt. An der Reception war das gleiche Zimmer rund CHF 100 teuerer! Unglaublich. Da hab ich den Preis von Booking gesagt. Nach einem kurzen Blick in sein PC sagt er, ja dieser Preis ist auch ok. Finde ich ne Frechheit. Hätte eigentlich bei einer direkten Anfrage einen tieferen Preis erwartet. Vor allem da wir ja schon dort übernachtetet haben.

  • Peter Tanner am 19.09.2017 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Funktioniert in CH-Hotels leider nicht

    Beinahe überall auf der Welt bekommt man bei Direktbuchung entweder einen günstigeren Preis, ein besseres Zimmer, irgendeine zusätzliche Dienstleistung wie einen Transfer etc. Bei den CH-Hotels bekommt man höchstens das Gefühl, man verursache Mehrarbeit. Zudem bieten Buchungsplattformen meistens auch noch bessere Konditionen bei kurzfristigen Stornierungen. All diese Dinge werden nun in der Schweiz für Kunden bestimmt nicht besser (für Hoteliers bleiben vielleicht ein paar Franken mehr im eigenen Sack). Ob das nicht zum Schuss ins eigene Knie wird, ist fraglich.

    • Michelangelo am 19.09.2017 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Peter Tanner

      Es verändert sich ja nichts für Sie. Sie können die Buchungsplattformen weiterhin benutzen. Verstehe Ihre Argumente nicht.

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  • Nachgefragt: am 19.09.2017 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Warum wurde erst nachträglich

    die Rechnung gemacht? Hat niemand die Allg. Geschäftsbedingungen gelesen, mal hochgerechnet, wie teuer die Kommission zu stehen kommen könnte, oder wurden die Bedingungen nachträglich an den CHer Markt angepasst?