Reaktionen zum UBS-Debakel

15. September 2011 15:35; Akt: 17.09.2011 17:08 Print

«Villiger und Grübel müssen abtreten»

Der UBS-Milliarden-Betrugsfall sorgt in allen politischen Lagern für Aufruhr. Die SP fordert Köpfe. Nun hat sich auch UBS-VR-Präsident Kaspar Villiger gemeldet.

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Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger hat sich am Donnerstagabend erstmals zum Betrugsfall in der Höhe von zwei Milliarden Dollar bei der UBS geäussert. Es handle sich «um einen sehr professionell gemanagten Betrugsfall», erklärte Villiger an einer Veranstaltung am Donnerstag in Riehen BS. Wahrscheinlich handle es sich um einen Einzeltäter.

Gegen Betrug sei man nicht gefeit, sagte der alt Bundesrat, wie die «Tagesschau» von Schweizer Fernsehen SF berichtete. Der Sache werde nun auf den Grund gegangen und die UBS werde die nötigen Lehren daraus ziehen, sagte Villiger an der Generalversammlung des Arbeitgeberverbands Basel, wo er als Gastreferent auftrat.

«Ein Jammer»

Er könne nicht verhehlen, dass er persönlich sehr enttäuscht von dem Vorfall sei, sagte Villiger weiter. Wichtig sei aber, dass das Unternehmen fundamental stark bleibe.

Es sei «ein Jammer», dass die UBS nach harter Arbeit während zwei Jahren und ganz enormen Fortschritten durch dieses Ereignis wieder sehr stark zurückgeworfen werde, sagte Villiger. Er könne dies aber nicht ändern, «das unselige Ereignis ist passiert». Nun dürfe aber nicht gejammert werden, sondern es müsse weiter an der UBS gearbeitet werden.

Empörung in der Politik

Der Betrugsfall hat im Nationalrat am Donnerstag Kopfschütteln ausgelöst. «Wer gedacht hat, die Banken hätten nach der Finanzkrise 2008 etwas gelernt, sieht sich getäuscht», sagte die St. Galler SP- Nationalrätin Hildegard Fässler. Der Nationalrat versuche mit seiner Vorlage, das Vertrauen in den Bankenplatz wiederherzustellen - da sei der mutmassliche Betrugsfall «total kontraproduktiv».

Susanne Leutenegger Oberholzer fordert Konsequenzen aus dem jüngsten Milliarden-Debakel und geht noch einen Schritt weiter. Gegenüber 10vor10 sagt die SP-Nationalrätin: «Ich bin schockiert! Das Bankengesetzt verlangt eine einwandfreie Geschäftsführung, Und diese kann Herr Grübel offenbar nicht gewährleisten. Folglich muss er zurücktreten. Auch Kaspar Villiger sollte zurücktreten.

Auch Resignation scheint sich im Bundeshaus bereits breit zu machen. Der Grüne Nationalrat Daniel Vischer: «Ja, sind Sie denn erstaunt!? Haben Sie denn etwas anderes erwartet, haben sie erwartet, dass sich die UBS jetzt reguliere?»

Aber auch bei bürgerlichen Politikern war der Unmut zu spüren. Die Nachricht lösse «allenthalben Kopfschütteln» aus, kommentierte der Aargauer FDP-Nationalrat Philipp Müller.

«Schockierend aber möglicherweise ein Glücksfall»

Es stimme einen «sauer», wenn so etwas ausgerechnet bei der Bank geschehe, die der Politik erst gerade vorgeworfen habe, sie demontiere den Schweizer Finanzplatz. Diese Aussage hatte UBS- Konzernchef Oswald Grübel am vergangenen Wochenende geäussert.

So «schockierend» der Vorfall auch sei, er habe sich für die Debatte möglicherweise als «Glücksfall» erwiesen, sagte Nationalrat Pirmin Bischof (CVP/SO). Denn der Fall stelle unter Beweis, dass strengere Vorschriften und mehr Eigenkapital für die Grossbanken dringend nötig seien. «Vielleicht wurde der Rückweisungsantrag der SVP zur Too-big-to-fail-Vorlage deshalb so deutlich abgelehnt.»

Gesetz kann Betrug nicht verhindern

Kontraproduktiv für das Vertrauen in die Banken hält auch SVP- Nationalrat Hansruedi Wandfluh (SVP/BE) den Vorfall. Ein «verbrecherischer Akt eines Einzelnen» lasse sich mit dem Gesetz zum Too-big-to-Fail-Problem aber auch in Zukunft nicht verhindern, stellte der Präsident der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) des Nationalrates fest.

Ob es sich nun bei der UBS um einen kriminellen Akt oder einen Fehler handelt, offenbar hätten die Kontrollmechanismen versagt, gaben die Wirtschaftspolitiker zu bedenken. Nun stünden die Aufsicht und die Unternehmensspitze in der Pflicht.

(feb/aeg/sda)