Desperado-Konkurs

07. Dezember 2019 10:52; Akt: 07.12.2019 14:40 Print

«Wegen Pleite kann ich die Miete nicht mehr zahlen»

von S. Spaeth - Noch im November hatte S. bei Desperado gearbeitet – dann kam der Konkurs. Auf ihren Lohn wartet die 27-Jährige vergeblich. Ihr fehlt das Geld für Krankenkasse und Miete.

Bildstrecke im Grossformat »
Die Restaurant-Kette Desperado musste am 25. November Konkurs anmelden. Ein Teil der ehemaligen Angestellten bangt nun um ihren November-Lohn. Der Grund: Während die Festangestellen mit fixen Pensen den Lohn noch überwiesen bekamen, sieht es für die Stundenlöhner schlecht aus. «Bei den Stundenlöhnern war die Abrechnungsperiode jeweils vom ersten bis zum letzten Tag im Monat. Meist kam der Lohn um den 4. des neuen Monats», erzählt die Mitarbeiterin S. im Gespräch mit 20 Minuten. Die Desperado-Restaurants beschäftigten insgesamt rund 250 Personen. Die Mitarbeiter wurden mit einem E-Mail über den Konkurs informiert. «Unsere Besitzer haben aufgrund unserer finanziellen Lage entschieden, all unsere Firmen und Restaurants Konkurs zu melden», hiess es in einem E-Mail vom Management ans Personal. Neun von zwölf Filialen sowie die Sportsbar Westside sind wegen der Pleite geschlossen. Laut S. war etwa ein Drittel des Personals im Stundenlohn angestellt: «Sie stehen alle mit nichts da», sagt die Serviceangestellte. Die 27-Jährige hat einen Marathon durch die Amtsstellen hinter sich: «Ich war beim Konkursamt, bei der Arbeitslosenkasse und bei der Wohngemeinde», sagt S. S. fühlt sich vom Desperado-Management im Stich gelassen: «Dass wir als Stundenlöhner kein Geld für den November erhalten, wurde nicht mal kommuniziert.» Jetzt fehlt S. das Geld. «Ich weiss nicht, wie ich Ende Monat die Wohnung und die Krankenkasse bezahlen soll.» Derzeit ist die 27-Jährige S. hauptsächlich auf Stellensuche und versucht «sparsam zu leben». Desperado wurde im Jahr 2000 gegründet und setzt auf mexikanisches Essen. An der Heinrichstrasse in Zürich sowie in Mosseedorf BE und Gerlafingen SO bleiben die Desperado-Restaurants weiter geöffnet. Bei diesen drei Filialen handelt es sich um Franchiseunternehmen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Eigentlich hat sie gern für Desperado gearbeitet: im Schnitt seien es pro Monat etwa 120 Stunden gewesen, erzählt die Zürcherin S.* Das entspricht einem Pensum von 60 bis 80 Prozent. Die 27-Jährige hatte bei der Ende November in Konkurs gegangenen Restaurantkette mit gut einem Dutzend Filialen zwar einen fixen Arbeitsvertrag, angestellt war sie aber im Stundenlohn. Und das wird der jungen Frau jetzt zum Verhängnis.

Umfrage
Hast du schon mal etwas gegessen im Desperado?

«Bei den Stundenlöhnern war die Abrechungsperiode jeweils vom ersten bis zum letzten Tag im Monat. Meist kam der Lohn um den 4. des neuen Monats», erzählt S. Während die Mitarbeiter mit den festen Pensen den November-Lohn laut der Serviceangestellten vor dem Konkurs noch ausbezahlt erhielten, seien die Stundenlöhner leer ausgegangen. Die Desperado-Restaurants beschäftigten insgesamt rund 250 Personen. Laut S. war etwa ein Drittel davon im Stundenlohn angestellt. «Sie stehen alle mit nichts da.»

Ex-Mitarbeiterin fühlt sich im Stich gelassen

Mit Schrecken erinnert sich die gelernte Servicefachfrau an den 25. November, als es plötzlich hiess: «Es ist fertig, aus, vorbei.» «Unsere Besitzer haben aufgrund unserer finanziellen Lage entschieden, all unsere Firmen und Restaurants Konkurs zu melden», schrieb das Management damals in einem E-Mail ans Personal. Neun der zwölf Filialen blieben fortan geschlossen. Offen blieben jene, die im Franchising-System von Partner betrieben wurden.

S. fühlt sich vom Desperado-Management im Stich gelassen: «Dass wir als Stundenlöhner kein Geld für den November erhalten, wurde nicht mal kommuniziert.» Und der Geschäftsführer ihres Restaurants habe auch keine Informationen. In einem E-Mail vom CEO und der HR-Chefin ans Personal hiess es betreffend «weiteres Vorgehen» lediglich, dass weitere Schritte durch die Ämter erfolgten und demnächst eine Infoveranstaltung des Konkursamtes stattfinde.

Warten aufs Geld

Die 27-Jährige hat einen Marathon durch die Amtsstellen hinter sich: «Ich war beim Konkursamt, bei der Arbeitslosenkasse und bei der Wohngemeinde», erzählt S. Ihr wurde mitgeteilt, dass sie wohl Anspruch auf eine Insolvenzentschädigung habe. Diese staatliche Versicherungslösung tritt dann in Kraft, wenn ein Arbeitgeber pleite ist, die geschuldeten Löhne aber ausbleiben und dadurch die Existenz der Mitarbeiter gefährdet wird.

«Bis ich Geld sehe, dürfte es wegen des Verfahrens nächstes Jahr werden», sagt S. Angespartes hat die Serviceangestellte keines: «Ich hatte nie finanzielle Reserven. Und privat habe ich auch keine Möglichkeit, dass mir jemand Geld leiht.» Allenfalls werde ihr die Wohngemeinde etwas Geld vorschiessen, erzählt S. Die Situation ist für die junge Frau sowieso beklemmend: «Ich weiss nicht, wie ich Ende Monat die Wohnung und die Krankenkasse bezahlen soll.» Derzeit ist die 27-Jährige hauptsächlich auf Stellensuche und versucht, «sparsam zu leben». Nächste Woche hat S. zwei Vorstellungsgespräche.

20 Minuten ist es nicht gelungen, mit dem Management der Desperado-Gruppe in Kontakt zu treten. Per E-Mail wurde auf das Konkursamt verwiesen.

*Name der Redaktion bekannt

Die Gäste in einem der noch offenen Desperado-Restaurants äussern sich zur Situation

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • IchDuWir am 07.12.2019 11:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kapitalismus vs. Mensch

    Eigentlich ist der ArbeitnehmerSchutz in der Schweiz, ein Witz. Der Lohn für geleistete Arbeit, muss ausbezahlt werden! Mir tut das für die Betroffenen sehr leid!

    einklappen einklappen
  • Roli am 07.12.2019 11:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso?

    Einfach traurig! Der CEO lebt sein leben weiter und das Fussvolk kann wiedr selber gucken wo sie bleiben. Unser super Wirtschaftssystem sei Dank

    einklappen einklappen
  • d.g. am 07.12.2019 11:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lohn

    da wird sie wahrscheinlich nicht die einzige sein.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mitdenker am 09.12.2019 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    Können wir helfen?

    Also ich wäre bereit etwas zu spenden um der jungen Frau zu helfen. Andere Leser hier bestimmt auch. Gibt es eine Möglichkeit hier zu helfen?

  • Fred Meier am 09.12.2019 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Stundenlohn

    Eigentlich ist es ein Wunder, dass die anderen Löhne noch bezahlt wurden. Das macht die Sache aber natürlich nicht besser. Es ist wie immer: die letzten beissen die Hunde.

  • Leser am 09.12.2019 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Ich könnte nicht beruhigt leben

    Dafür, dass sie keinen Job mehr hat, kann sie nichts. Aber wie kann man entspannt leben, wenn man kein bisschen Geld auf der Seite hat? Da ist man ständig unter Druck, dass nicht das geringste Etwas geschehen darf. Gerät auch nur etwas dieses fragilen Lebensentwurfs aus den Fugen, kommt man in die grössten Schwierigkeiten. Ein kleines finanzielles Polster sollte man sich ansparen.

  • Rattenfänger am 09.12.2019 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Verlust verkraften!

    Bodenlose Frechheit, die Kuscheljustiz hat gegen die bösen Buben namentlich die GL und dessen Buchhaltern keine Mittel. Das hätte man im voraus merken müssen, die Mitarbeiter wurden nun von den bissigen Hunden eingeholt. Jammern nützt nichts mehr. Verlust muss man nun irgendwie verkraften müssen. Letzte Hoffnung UNIA und RAV.

  • engel07 am 07.12.2019 22:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überheblichkeit stinkt zum Himmel!

    Wenn ich hier die Kommentare lese wird mir echt übel! Mit welcher Überheblichkeit und Arroganz hier über die junge Frau geurteilt wird ist nicht zum aushalten. Ich hoffe für all diejenigen die ihr fettes Konto haben, dass es auch immer so bleibt. Diese Frau hatte wohl nicht so ein Glück soviel Geld zu verdienen, wie ihr alle die sie hier verurteilen, weil sie nix gespart hat. Ihr kennt weder ihre Lebensumstände oder sonst was aber urteilt sie ab! Ihr unterstellt ihr, sie würde ihr Geld zum Fenster rausschmeißen, das finde ich sehr anmaßend.