Leserfragen

17. Januar 2019 12:41; Akt: 17.01.2019 12:41 Print

Woher soll der Strom für E-Autos kommen?

von R. Knecht - Bald soll die Zahl der E-Autos auf den Strassen stark steigen. Doch viele Leser haben Vorbehalte gegen die Technologie. Ein Experte nimmt Stellung.

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Das sagen Leser zum Thema E-Mobilität. «Die Gesamtbilanz der E-Technologie ist kritisch», bestätigt Andreas Herrmann, Wirtschaftsprofessor und Experte für E-Mobilität an der Universität St. Gallen. Der Vorteil gegenüber Diesel sei, dass es noch erhebliche Verbesserungen geben werde. Kann E-Mobilität wirklich das Stromnetz in die Knie zwingen? «Ja, das kann durchaus sein, wenn die Bewohner eines Hochhauses mit 30 Wohnungen alle gleichzeitig im Keller ihre Autos aufladen», sagt Herrmann. Zudem brauche es parallel zur Entwicklung von E-Autos auch die Verbesserung von alternativer Stromerzeugung. Die Arbeitsplätze der europäischen Autoindustrie sind laut Herrmann vor allem auch deswegen gefährdet, weil Europa Asien nachhinke. Europa müsse Batterienkompetenz und -werke aufbauen. «Sonst gehen über 40 Prozent der Wertschöpfung von Fahrzeugen nach Asien.» Solche Aussagen zeigen laut Herrmann, dass die Branche hart arbeiten muss, um eingefahrene Verhaltensweisen zu ändern. Der Verbrennungsmotor werde aber trotzdem aussterben, auch wenn es noch viele Jahre gehen werde. Wäre es nicht einfach besser, weniger zu fahren? «Nein, der Wohlstand der Schweiz hat viel mit der besonderen Mobilität in diesem Land zu tun», sagt Herrmann. «In Anbetracht der Klimaprobleme sollten wir wegkommen vom Verbrennen von Rohstoffen – auch Gas.» Aus dem gleichen Grund bringe es auch nichts, Gas- oder Kohlekraftwerke zu bauen, um E-Fahrzeuge anzutreiben. Dass ältere Autos länger funktionstüchtig sind, stimmt gemäss Hermann nicht. «Allerdings kann man ein 30 Jahre altes Auto noch mit Zange und Schraubenzieher reparieren, bei den neuen muss man Informatiker sein.» Die Kosten des E-Autos hängen laut Herrmann sehr stark von der Batterie ab. Je mehr Batterien produziert werden, desto grösser seien die Chancen, dass die Stückpreise sinken.

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E-Mobilität, autonomes Fahren, Digitalisierung und Sharing – das sind die vier Mega-Trends, die zwischen den alten und neuen Autoherstellern zu einem «Krieg der Welten» führen. Stefan Bratzel, Gründer des Center of Automotive Management, rechnet damit, dass die Zahl der E-Autos auf den Strassen ab Mitte der 2020er-Jahre merklich steigen wird.

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Aber ist das Schweizer Stromnetz überhaupt für E-Autos bereit? Wie gut ist die Ökobilanz der Fahrzeuge wirklich? Und wäre es nicht besser, einfach weniger zu fahren? Andreas Herrmann, Wirtschaftsprofessor und Experte für E-Mobilität an der Universität St. Gallen, gibt seine Einschätzung zu den Vorbehalten der Leser:

Ökobilanz


Herrmann kann die Bedenken verstehen: «Die Gesamtbilanz der E-Technologie ist kritisch.» Zu schädlichen Fördermethoden und der Batterieentsorgung komme noch der Verbrauch von seltenen Rohstoffen. Doch E-Motoren haben laut Herrmann gegenüber der Dieseltechnologie einen entscheidenden Vorteil: «Bei der E-Technologie stehen wir am Anfang: Es sind noch erhebliche Verbesserungen zu erwarten», sagt der Experte. Der Verbrennungsmotor befinde sich in einer reifen Phase – selbst grosse Anstrengungen ermöglichen nur noch kleine Verbesserungen.

Stromnetz


Kann E-Mobilität wirklich das Stromnetz in die Knie zwingen? «Ja, das kann durchaus sein, wenn die Bewohner eines Hochhauses mit 30 Wohnungen alle gleichzeitig im Keller ihre Autos aufladen», sagt Herrmann. Zudem brauche es parallel zur Entwicklung von E-Autos auch die Verbesserung von alternativer Stromerzeugung. Doch nicht Wind, sondern Solar sei hier das Stichwort.

Arbeitsplätze


Die Arbeitsplätze der europäischen Autoindustrie sind laut Herrmann vor allem auch deswegen gefährdet, weil Europa Asien nachhinke. China habe in Sachen E-Mobilität längst eine Vormachtstellung. Derzeit kommen alle Batterien und die Steuerungssoftware für E-Autos aus Asien, so Herrmann. Europa müsse Batterienkompetenz und -werke aufbauen. «Sonst gehen über 40 Prozent der Wertschöpfung von Fahrzeugen nach Asien.»

Benzinfans


Aussagen wie «Ich habe Benzin im Blut» zeigen laut Herrmann, dass die Branche hart arbeiten muss, um eingefahrene Verhaltensweisen zu ändern. Der Verbrennungsmotor werde aber trotzdem aussterben, auch wenn es noch viele Jahre gehen werde.

Entmobilisierung


Wäre es nicht einfach besser, weniger zu fahren? «Nein, der Wohlstand der Schweiz hat viel mit der besonderen Mobilität in diesem Land zu tun», sagt Herrmann. Es brauche stattdessen intelligente Verknüpfungen von öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖV) und Personenwagen: ÖV für grosse Distanzen, E-Fahrzeuge für die Feinverteilung.

Erdgas


«In Anbetracht der Klimaprobleme sollten wir wegkommen vom Verbrennen von Rohstoffen – auch Gas», so der Experte. Aus dem gleichen Grund bringe es auch nichts, Gas- oder Kohlekraftwerke zu bauen, um E-Fahrzeuge anzutreiben.

Oldtimer


Dass ältere Autos länger funktionstüchtig sind, stimme nicht, sagt Herrmann: «Allerdings kann man ein 30 Jahre altes Auto noch mit Zange und Schraubenzieher reparieren, bei den neuen muss man Informatiker sein.» Dazu komme, dass die Lebensdauer von Batterien noch verbessert werden könne.

Kosten


Die Kosten des E-Autos hängen laut Herrmann sehr stark von der Batterie ab. «Je mehr Batterien produziert werden, desto grösser sind die Chancen, dass die Stückpreise sinken. Wo der Preis schliesslich landet, hängt nicht nur von den Herstellungskosten, sondern auch von der Begehrlichkeit nach E-Fahrzeugen ab. Je mehr Leute ein solches Auto wollen, desto erschwinglicher dürfte es werden.»

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