Chancengleichheit

04. März 2010 21:48; Akt: 04.03.2010 20:54 Print

«Wir Frauen sind an tiefen Löhnen selbst schuld»

von Dajan Roman - Frauen verdienen für die gleiche Tätigkeit einen Fünftel weniger als Männer. Laut Isabell Rüdt* verkaufen sich Frauen oft unter ihrem Wert.

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Wie erklären Sie sich den gros­sen Lohnunterschied?
Isabell Rüdt: Laut Statistik sind 60 Prozent der Lohndifferenz begründbar, etwa durch Zusatzqualifikationen. Die restlichen 40 Prozent Differenz sind nicht erklärbar und deshalb diskriminierend.

Haben Sie ein Beispiel?
Häufig müssen Frauen nach dem Mutterschaftsurlaub zu einem tieferen Lohn arbeiten. Mutter werden gilt nicht als Erfahrungszuwachs, sondern als Absenz vom Arbeitsmarkt. Sehr oft sind auch die Einstiegslöhne tiefer als jene der Männer.

Warum wehren sich Frauen nicht für den gleichen Anfangslohn?
Viele Frauen haben Hemmungen, nach einem höheren Lohn zu fragen. Vor allem wenn es um Einstiegslöhne geht, müssen sich Frauen besser informieren, so können sie härter verhandeln. Sie dürfen sich nicht zu schnell zufrieden geben.

Frauen sind also selbst schuld an den tiefen Löhnen?
Wenn Frauen ein Job gefällt, sehen sie meist keinen Grund, nach mehr Lohn zu fragen. Oft fehlt auch schlicht der Mut, das Thema Lohn anzusprechen. Da sind Männer mutiger. Unter diesem Gesichtspunkt sind Frauen an den tiefen Löhnen selbst schuld, sie verkaufen sich unter ihrem Wert.

Was ist Ihr Rat an die Frauen für das nächste Lohngespräch?
Legt euch gute, objektive Argumente zurecht. Traut euch, nach mehr Lohn zu fragen. Macht dem Arbeitgeber klar, wie viel ihr wert seid. Seid selbstbewusst und ein bisschen frech.


* Isabell Rüdt ist Sprecherin von Business and Professional Women (BPW) Switzerland, einem bedeutenden Verband berufstätiger Frauen in verantwortungsvollen Positionen.