Medianlöhne

15. Mai 2018 16:04; Akt: 15.05.2018 18:41 Print

«Mehr Lohn bedeutet nicht unbedingt mehr Geld»

von Dominic Benz - In der Schweiz sind 2016 die Medianlöhne gestiegen. Daniel Lampart vom Gewerkschaftsbund übt dennoch Kritik.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Herr Lampart*, die Medianlöhne sind zuletzt gestiegen. Ein Grund zur Freude?
Es ist klar positiv, dass in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten seit der Aufhebung des Mindestkurses, die Löhne gestiegen sind. Doch in einigen Branchen wie etwa im Bau, bei Post- und Kurierdiensten, aber wahrscheinlich auch bei Kinderkrippen gingen die Löhne zurück.

Umfrage
Möchten Sie einen Gesamtarbeitsvertrag?

Höhere Medianlöhne – heisst das, dass uns mehr im Portemonnaie bleibt?
Leider nicht unbedingt. Vor allem die höheren Krankenkassenprämien belasten Haushalte mit mittleren Einkommen stark.

Hat die Teuerung denn den Lohnanstieg zunichtegemacht?
Die Teuerung hat in den letzten Jahren geschwankt. Unter dem Strich sind die Löhne nach Abzug der Teuerung gestiegen.

Wie stehen die Löhne der Frauen da?
Der Lohnrückstand der Frauen auf die Männer ist zwar kleiner geworden. Doch die Differenz ist immer noch gross. In der Privatwirtschaft beträgt sie fast 15 Prozent. Seit 2014 hat sich der Aufhohlprozess bei den Frauenlöhnen verlangsamt. Viele Massnahmen haben nicht mehr gegriffen. So ist etwa der freiwillige Lohngleichheitsdialog, den die Sozialpartner und der Bund mit den Firmen geführt haben, versandet.

Wo sehen Sie die Lösung?
Der Ständerat diskutiert derzeit Gegenmassnahmen. Aus unserer Sicht braucht es eine „Madame Égalité“, welche die Firmen kontrollieren und diese zwingen kann, die Löhne der Frauen anzupassen.

2016 haben Arbeitnehmende erstmals seit 2008 wieder mehr Boni erhalten. Warum ist ihnen das ein Dorn im Auge?
Die Boni werden grundsätzlich ungleich verteilt. Und auch hier sind die mittleren und die unteren Lohnklassen sowie die Frauen im Nachteil: Die Frauen erhalten weniger als die Hälfte der Männerboni. Hinzu kommt, dass Boni nicht jedes Jahr garantiert sind. Sie können wieder wegfallen. Normalverdiener kommen dann in Finanzprobleme. Viele Konzernleitungen beschenken sich mit hohen Boni hingegen selber statt die tiefen und mittleren Löhne zu erhöhen. Schon wenige Jahren nach der UBS-Krise sind die Boni ja wieder gestiegen.

Positiv ist doch, dass der Anteil an der Tieflohnstellen zurückgegangen ist.
Noch immer arbeiten inklusive Landwirtschaft rund eine halbe Millionen Personen mit einem Lohn unter 4300 Franken. Das ist zu wenig, um einigermassen leben zu können. Wir fordern daher weitere Lohnerhöhungen.

Wie soll das gehen?
Der Wirtschaft geht es besser. Die unteren und mittleren Löhne müssen generell steigen. Das geht unter anderem mit einem Gesamtarbeitsvertrag. In Branchen mit Gesamtarbeitsverträgen wie dem Gastgewerbe oder Teilen des Detailhandels stiegen die Löhne spürbar an. Als gutes Beispiel voran gehen auch Firmen, bei denen der Teamgedanke im Vordergrund ist: Alle Angestellten erhalten mehr Lohn, weil alle zum Erfolg der Firma beitragen. Diese Einstellung muss bei allen ankommen.

Das klingt ja schon etwas gar kommunistisch, oder nicht?
In der heutigen Arbeitswelt arbeiten wir oft in Teams, in denen jeder eine besondere Aufgabe hat. Keiner kann die Arbeit allein machen. Das muss sich auch in der Entlöhnung widerspiegeln.

*Daniel Lampart ist Chefökonom beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB)

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • alright am 15.05.2018 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hamsterrad

    Wieso sprechen Politik und Medien immer nur von der Gleichberechtigung der Frauen? Wie wär's mal mit Gleichberechtigung für die Männer? Davon sind wir noch weit weit weg.

    einklappen einklappen
  • James am 15.05.2018 18:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weniger Lohn...

    ...bedeutet jedoch ganz bestimmt weniger Geld.

    einklappen einklappen
  • Pflegefachfrau am 15.05.2018 18:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Lohn

    Mehr Lohn???was Teuerung seit 10 Jahren keine mehr bekommen vergessen noch mehr Lohn alle wollen einem ans Portmonais

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • bubu am 21.05.2018 17:18 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizweit sofort aufräumen

    Im Detailhandel und in vielen andern Sparten hat das "Mödeli" eingerissen, die Leute nur noch im Stundenlohn anzustellen. Das muss sofort aufhören. Ein paar Stunden im Monat arbeiten, ist klar Arbeit auf Abruf. Der Lohn variiert so z.B. zwischen 600 Franken wenn's gut geht bis 2000 Franken pro Monat. Die Frage ist, wie soll eine einzel Person damit über die Runden kommen? KK, Miete, Versicherung, Essen, Steuern etc. Das mindeste wäre eine Anstellung im Monatslohn, so dass wenigsten mit einem planbaren Einkommen gerechnet werden kann. Hier muss der SGB inkl. Gewerkschaften ansetzen Herr Lampart

  • Frau Fuzzinello am 17.05.2018 18:19 Report Diesen Beitrag melden

    Gewerkschaften brauchen auch Geld

    Gewerkschaften sind Gift für die Wirtschaft und ohne diese gäbe es mehrLohn für alle.

  • David am 17.05.2018 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Klar

    Ja, und mehr Lohn bedeutet nicht unbedingt auch mehr Arbeit!

  • Wahrheit zeigt am 16.05.2018 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trickserei mit der Teuerung

    "Löhne nach Abzug der Teuerung gestiegen": ja, weil die Teuerung bewusst tief gerechnet wird und die massivsten Kostentreiber (KK) gar nicht berücksichtigt werden. Die wahre Teurung über die letzen 10 Jahre ist rund doppelt so hoch wie uns vorgegaukelt wird. Ziel ist es, die Erhöhung von Löhnen und Renten tief zu halten, damit der Zusatzprofit anderweitig abgeschöpft werden kann.

    • Supermario am 17.05.2018 13:03 Report Diesen Beitrag melden

      Was verdoppeln?

      Stimme natürlich vollkommen zu, dass KK und beispielsweise auch Miete zu den Lebenskosten gehörten. Nur frage ich Dich konkret, was Du denn einfach "verdoppeln" willst? Etwas im Minus verdoppeln gibt ein noch grösseres Minus!

    einklappen einklappen
  • Ton ton am 16.05.2018 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    Alles klar

    Endlich ist klar, warum es so hohe boni gibt: der Höhe Betrag bedeutet nicht, dass der Empfänger mehr Geld hat. Aber so ab fr. 100'000.-- dürfte dann doch wohl spürbar sein, dass man etwas mehr zur Verfügung hat, als Krethi und pleite. Ansonsten wären boni doch sinnlos, oder?

    • Supermario am 17.05.2018 13:01 Report Diesen Beitrag melden

      Alles klar?

      Vor allem beginnst Du ab 100'000 dann wirklich Steuern zu bezahlen!

    einklappen einklappen