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09. März 2020 13:11; Akt: 09.03.2020 13:11 Print

«Wir verloren wegen Corona 80% der Aufträge»

von Raphael Knecht - Manchen Unternehmen rennen wegen des Coronavirus die Kunden davon. Die Firmen müssen Kredite aufnehmen.

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Die Coronavirus-Krise belastet nicht nur Airlines und internationale Händler: Auch kleine und mittlere Schweizer Unternehmen (KMU) sind betroffen: «Innert zwei Wochen verloren wir wegen Corona 80 Prozent der Aufträge, die zwischen März und Mai geplant waren», sagt Joachim Mayer, Geschäftsführer des Schulungsunternehmens CT-Academy, zu 20 Minuten. Seine Firma führt Kurse und Weiterbildungen durch.

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Als am letzten Freitag im Februar plötzlich Stornierungen kamen, dachte man noch, es handle sich wohl um vereinzelte, übervorsichtige Kunden. Doch am Montag darauf seien im 20-Minuten-Takt weitere Stornos bei der Firma eingegangen. «Wir sind sehr erschrocken», so Mayer. Betroffen seien Bildungsveranstaltungen aller Grössen, von einem riesigen Event im Hallenstadion bis zu kleinen Kursen mit zehn Leuten.

Die Kunden der Firma würden auf Nummer sicher gehen und die Bildungspläne vorerst auf Eis legen. Zudem wurden in einem Fall auch Kurse storniert, weil sie von einem in Italien ansässigen Spezialisten hätten geleitet werden sollen. CT-Academy bot an, die Person vor dem Kurs aufs Virus testen zu lassen, doch der Kunde lehnte ab.

70 Prozent weniger Umsatz

CT-Academy kommen diese Stornierungen teuer zu stehen: Für die nächsten zwei bis drei Monate rechnet Mayer mit einem Umsatzverlust von 70 Prozent. Darum musste er sich schnell Gedanken über mögliche Massnahmen machen.

Dies auch, weil es der Firma wenig bringe, wenn Kunden ihre Termine nicht komplett stornieren, sondern nur auf später verschieben: Denn viele Kurse seien nicht ohne Weiteres verschiebbar – und nach massenweise Verschiebungen fehlen der Firma die flüssigen Mittel trotz langfristig gut gefüllter Auftragsbücher.

Coronavirus-Kredit

Die Firma erwägt darum, einen Überbrückungskredit bei Creditgate24 aufzunehmen – das Unternehmen wirbt mit einem Coronavirus-Kredit für KMU. Damit soll es kurzfristig möglich sein, die finanziellen Engpässe, die die Krise verursacht, zu überbrücken. Bei der Firma häufen sich derzeit die Anfragen von betroffenen Unternehmen, sagt CEO Christoph Müller zu 20 Minuten.

«Grundsätzlich ist ein Kredit in so einer Situation die richtige Massnahme», sagt ZHAW-Finanzexperte Beat Affolter zu 20 Minuten. Die meisten KMU seien sich jedoch nicht gewöhnt, Kredite aufzunehmen und würden das darum selten in Betracht ziehen.

Wegen der aktuellen Krise könne es aber gut sein, dass es nun zu mehr Kreditanfragen von KMU kommt und dass vor allem Firmen mit einer Kreditlimite – also einem vorab für den Ernstfall mit einem Anbieter vereinbarten, aber noch nicht bezogenen Kredit – nun davon auch tatsächlich Gebrauch machen. «Das ist natürlich stark von der Branche abhängig», so Affolter. Die Engpässe dürften etwa im Tourismusbereich besonders gross sein.

Kurzarbeit verunsichert Mitarbeiter

Bei CT-Academy ist nicht nur die Aufnahme eines Kredits ein Thema: Auch für Kurzarbeit hat sich das Unternehmen bereits angemeldet. «Ob es dazu kommt, ist unklar – aber wir wollen vorbereitet sein», sagt Geschäftsführer Mayer. Das habe die Mitarbeiter natürlich verunsichert und man habe darum das Gespräch mit ihnen gesucht.

Immerhin: Die Konkurrenz dürfte mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben. Ein Lichtblick für CT-Academy ist zudem, dass das Unternehmen viel Erfahrung mit Web-Schulungen und flexiblen Lernlösungen hat. Die Firma bietet derzeit den Kunden solche Angebote, die keine Kursräume benötigen, als Alternative an.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Plankton am 09.03.2020 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Oh je

    Alles, was nicht Überlebenswichtig ist, muss mal untendurch..... Vielleicht bekommt dann endlich wieder der Bäcker, Pfleger usw. mehr Anerkennung

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  • Roger am 09.03.2020 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    wenn der ganze gewinn verpulvert wird...

    bleibt nisx mehr für die schlechten Zeiten.....Spare in guten Zeiten für die schlechten Tage!!! Gilt halt für alle auch für die Veranstallteter .-)

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  • G.H.R. am 09.03.2020 13:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Corona

    Was man dem Corona Virus doch nicht alles in die Schuhe schieben kann! Da werden sich jetzt einige Firmen gesundstossen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Interessiert am 10.03.2020 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toller Bericht

    Ich mag Leute mit Toupets.

    • D.G. am 10.03.2020 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Interessiert

      Jetzt geht's schon wieder ums Geld. Was seit ihr für armselige Leute. Auftrag hin oder her die Gesundheit hat Priorität oder.

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  • Covid-19 macht nicht mal vor am 10.03.2020 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Dummheit halt

    Jetzt hat's bei mir sogar noch die Tulpen erwischt, lassen alle die Köpfe hangen. ,)

  • Einwohnerin am 10.03.2020 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überlegt wieder mal über den Tellerrand hinaus

    Wieso kann man nicht wie früher in den guten Zeiten etwas sparen, damit man nicht gleich am Ende ist, wenn es ein paar Woche nicht läuft, haben wir auch geschafft, nicht alles den Aktionären und CEOs verschenken

    • asdf am 10.03.2020 11:38 Report Diesen Beitrag melden

      weil sparen

      in Zeiten von Minuszinsen ein Unding sind. Die letzten 10 Jahre war es viel rentabler zB in ETFs zu investieren. Auch dieser Crash geht mal vorüber und dann geht es wieder aufwärts.

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  • H.Kaufmann am 10.03.2020 09:04 Report Diesen Beitrag melden

    Die Wirtschaft hat immer

    Einen Plan B auch wenn das Corona Virus sich weiter ausbreiten sollte greifft der Hooton Plan und wird die Wirtschaftselite schützen davon bin ich Felsenfest überzeugt !

  • Roland am 10.03.2020 08:37 Report Diesen Beitrag melden

    Spreu vom Weizen

    Um Unternehmen die wegen ein paar Wochen Flaute die Tore schliessen müssen, ist es nicht schade. Hier teilt sich die Spreu vom Weizen. Gut geführte Unternehmen mit entsprechenden Rücklagen und Notfallplänen schieben jetzt keine Panik.