Emmi-CEO

24. Dezember 2013 14:06; Akt: 24.12.2013 14:06 Print

«Wir werden nie mit hohen Löhnen auftrumpfen»

von Yves Hollenstein - Urs Riedener trimmt den Milchverarbeiter Emmi auf Internationalität. Der Bauernsohn über fehlende Innovationen, Verdrängungskampf und die tiefen Löhnen in der Branche.

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Emmi-CEO Urs Riedener hat beim Umsatz erstmals die Marke von 3 Milliarden Franken geknackt. (Bild: ZVG)

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Emmi, der grösste Schweizer Milchverarbeiter, befindet sich auf der Erfolgswelle. Trendige Milchprodukte wie Caffè Latte sind für den Konzern mit Sitz Luzern ein Milliardengeschäft und sorgen für zweistellige Wachstumsraten. Dieses Jahr hat das Unternehmen auch erstmalig die Grenze von 3 Milliarden Umsatz geknackt. Boss von Emmi ist seit 2008 Urs Riedener. Er verdiente im letzten Jahr rund 1,3 Millionen Franken.

Urs Riedener, haben Sie Ihren Caffè Latte heute Morgen schon getrunken?
Urs Riedener: Nein, ich starte den Tag gewöhnlich mit einem warmen Kaffee aus der Maschine. Einen Caffè Latte trinke ich aber sicher jeden zweiten Tag.

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie Ihren Kassenschlager Caffè Latte trinken?.
Ehrlich gesagt: Ich bin stolz. Dieses Produkt ist wirklich einzigartig, nicht nur in puncto Absatz- und Wachstumszahlen, sondern auch in seiner Form. Meiner Meinung nach haben wir da ein perfektes Produkt geschaffen.

Seither sind Ihnen keine bahnbrechenden Innovationen mehr gelungen. Fehlt es Ihnen an Ideen?
Im Gegenteil, wir haben jedes Jahr hunderte von neuen Ideen - es lässt sich aber jeweils nur ein Bruchteil davon wirklich umsetzen. Welche davon gut sind, beurteilt schliesslich der Konsument. Es ist simpel: Unsere Ideen müssen besser sein als diejenigen der Konkurrenz. Nur das beste Produkt wird überleben und die anderen Produkte aus dem Regal verdrängen.

Die Regale im Supermarkt sind proppenvoll. Der Markt ist gesättigt, Wachstum ist da nur auf Kosten der anderen möglich.
Das ist richtig. Vor allem im Heimmarkt ist es für uns schwierig, neue Marktanteile zu holen. Der Milchproduktekonsum in der Schweiz ist bereits erfreulich hoch. Mehr Potenzial gibt es in den aufstrebenden ausländischen Märkten ausserhalb Europas. Aber auch dort ist es ein schmalmargiges Geschäft und die Konkurrenz ist gross.

Emmi hat weltweit 5000 Angestellte. Was macht den Milchverarbeiter zu einem beliebten Arbeitgeber?
Also monetäre Anreize sind es bestimmt nicht. In unserer hart umkämpften Branche werden wir wohl nie mit ausserordentlich hohen Löhnen auftrumpfen können. Ich denke, es ist unsere Unkompliziertheit im Umgang mit Mitarbeitenden aller Stufen. Unsere Hierarchien sind flach und wir pflegen ein sehr offenes Verhältnis.

Dann sind Sie mehr der kollegiale Chef als der Patron...
Nicht unbedingt. Aber ich nehme mir Zeit, um bei meinen Betriebsrundgängen mit möglichst vielen Mitarbeitenden persönlich zu sprechen. Ganz wichtig finde ich auch, dass egal was wir in der Konzernleitung entscheiden, es für jeden Mitarbeitenden nachvollziehbar ist, warum wir jetzt diese Entscheidung gefällt haben. Alles andere führt früher oder später zu Unmut.

Das Jahr 2013 neigt sich dem Ende zu. Wie zufrieden sind Sie?
Ich bin sehr zufrieden. Wir konnten uns auch in diesem Jahr weiter vorwärtsbewegen. Natürlich hatten wir auch mit den wirtschaftlichen Unsicherheiten zu kämpfen. Die hohe Arbeitslosigkeit in einigen europäischen Ländern führt oft dazu, dass der Bevölkerung kaum mehr Geld übrig bleibt, um unsere Produkte zu kaufen.

Ein Ereignis, das 2013 bewegte, war der Freitod von Swisscom-CEO Carsten Schloter. Es gibt gewisse Parallelen zu Ihnen. Auch Sie sind CEO eines grossen Konzerns, Familienvater und Ausdauersportler. Wie kommen Sie mit Druck klar?
Ich kannte Carsten Schloter persönlich. Sein Tod hat mich sehr getroffen und es ist für mich auch jetzt noch unergründlich, wie es dazu kommen konnte. Natürlich bin auch ich teilweise hohem Druck ausgesetzt, jedoch versuche ich nicht alles – insbesondere mich und meine Bedeutung - zu ernst zu nehmen. Schliesslich bin ich nur Mensch. Ich kann und will nicht die Arbeit von 5000 Mitarbeitenden alleine erledigen. Und dieses Bewusstsein ist seit dem Tod von Carsten Schloter sicherlich noch einmal gestiegen.

Sie können also mit gutem Gewissen behaupten, dass Sie genug Zeit mit Ihrer Tochter verbringen?
Sicherlich nagt auch an mir ab und zu die Frage, ob es wirklich genug ist, aber ich versuche so viel Zeit wie möglich mit ihr zu verbringen. So gehen wir über die Weihnachtstage in den Jura reiten und das Wochenende ist bei mir – so gut es nur geht – auch Wochenende und somit firmenfrei.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • carlos zapato am 24.12.2013 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist denn ein hoher Lohn?

    1.3 Mio sind aber auch kein Pappenstiel. Wäre er bei der Migros geblieben, müsste er sich mit der Hälfte begnügen.

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  • cornel am 24.12.2013 16:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gerechter Lohn

    1,3 Mio. finde ich einfach zuviel! In unserer Familie arbeitet ein gelernter Milchtechnologe. Lohn: Fr. 3' 900.- 12 x im Jahr. 6 Tage Arbeit pro Woche. Da fragt man sich schon ist das Gerecht?

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  • Steuerzahler am 24.12.2013 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Erfolgswelle

    auf Kosten des Staates, das ist meine Meinung

Die neusten Leser-Kommentare

  • Vanessa am 25.12.2013 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Die angeblich teure CH-Produktion

    Na ja, auch ich habe den Caffè Latte regelmässig getrunken, schlecht schmeckt er wirklich nicht. Bis am dem Tag in den Ferien in Spanien, als ich den gleichen Produkt entspricht mit anderem Name, aber genau die gleiche Verpackung, Farbe und Geschmack (sogar das Namen-Logo war mit dem von Emmi zum Verwechseln) gekauft habe. Auf der Verpackung konnte ich lesen, dass dieses Produkt von Emmi in der Schweiz produziert wird und in Spanien kaufe ich es für 79 Cent. Ab da habe ich keinen Caffè Latte mehr in der CH gekauft und konsumiert.

    • Daniel H. am 25.12.2013 23:26 Report Diesen Beitrag melden

      Quersubvention

      Um in anderen Ländern die Produkte absetzen zu können, werden die an die Marktpreise entsprechend angepasst. Es ist von den Herstellern eine Mischkalkulation, denn um Gewinne einfahren zu können, laufen die Bänder in den Lebensmittelfirmen Tag und Nacht 7 Tage. Non Stopn nur zum Reinigen, Produktwechsel, Wartung stehen die Bänder mal kurz. Dies ist Überall so und auch bei anderen Produkten, denn es müssen immer neue Märkte erobert werden um noch mehr abzusetzen.

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  • Beat Weibel am 25.12.2013 07:46 Report Diesen Beitrag melden

    Cafe Latte

    Cafe Latte sollte es zuckerfrei geben,nicht jeder liebt suessen Cafe. Ich trinke nur Cafe ohne Zucker.

    • P.S. am 25.12.2013 08:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Zero

      Gibt es ja!!! ;)

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  • gutmar am 25.12.2013 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    seit 20 jahren dabei.

    wow. ich von meiner seite bin seit 20 jahren mit dabei in dieser firma. ich habe mich mit fleiss und erfahrung hochgearbeitet. konnte einen stao leiten beim schliessen, und alle die wollten konnten in der gruppe bleiben. da soll noch einer sagen, emmi sei kein guter arbeitsgeber. ich kann mir kein anderer betrieb vorstellen, der all die schulungen usw. ohne wiederrede bezahlt. nummer 1 auf dem schweizer markt.

  • Caffe Daher am 25.12.2013 01:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bezüglich seinem Lohn...

    ..kann man eigentlich nicht so viel aussetzen wie viele da meinen. 1.3 Mio. CEO-Lohn ist für ein Unternehmen mit 3 Mia. Umsatz und 5000 Mitarbeitern im Vergleich relativ bescheiden. Wenn er nur noch 600k verdienen würde, hätte jeder Mitarbeiter stolze 140fr mehr im Jahr. Wow. Ich denke den meisten Mitarbeitern sind diese 140fr. im Jahr für einen guten CEO jeden Rappen wert.

  • Daniel H. am 24.12.2013 21:29 Report Diesen Beitrag melden

    Für Fair kein Platz

    Ich finde es sehr Erschreckend wie Mitarbeiter regelrecht ausgebeutet werden. Besonders in der Lebensmittelproduktion, sind die Löhne an den Bändern sehr TIEF! Begründet durch den hohen Kostendruck. Die Grossen Unternehmen machen auf Kosten der Geringverdienenden Mitarbeiter hohe Gewinne und die Kader bekommt Traumhafte Zahlungen. Warum wird jener der Körperlich sehr hart arbeitet wesendlich schlechter bezahlt als einer der am PC arbeitet ?

    • Benjamin am 24.12.2013 23:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ansichtssache

      Weil man für das eine ca. 10 Jahre Ausbildung machen muss und für das andere nicht? Ist doch nur fair, dass jemand, der mehr in seine Karriere investiert und auf Freizeit verzichtet auch wesentlich mehr verdient. Jeder trägt seine Opportunitätskosten. Des weiteren haben wir in der Schweiz schon längst Chancengleichheit. Wer Resultategleichheit sucht soll doch einfach nach Nodkorea fliegen.

    • Reti Feller am 24.12.2013 23:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Entüscht von der Firma Emmi

      ich habe 20 jahre gearbeitet in der Firma Emmi und dan bekamm ich die kündigen auf den Tisch weill ich noch zu 50 Prozent IV bezüger bin ich basse nicht mehr zu ihnen da wahr ich 11 Monat Arbeitslos

    • J teff am 25.12.2013 00:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Darum

      Weil es keine teritäre Ausbildung braucht am Fliessband...

    • Der nicht-Real-Schüler am 25.12.2013 01:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ersetz-Bar

      Weil jeder dazu fähig ist Dinge auf einem Band rumzuschubsen aber sicherlich nicht jeder eine buchhalterische Kennzahl ausrechnen kann? Und Ihrem Kommentar entnehme ich dass Sie auf dem Bau oder eben am Band arbeiten, weil sonst wüssten Sie, das auch Arbeit mit dem Kopf extrem anstrengend sein kann.

    • schacher sepp am 25.12.2013 04:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      klönen, stöhnen , verwöhnen

      weil der am Pc das Gehirn einsetzt um zu arbeiten ..

    • Stephan I. am 25.12.2013 06:18 Report Diesen Beitrag melden

      Der judas wars ....

      Diese leute haben eben studiert,darum wollen auch alle hier her,der lehrling etc. bekommt dass wo ihnen zustet laut unia etc, eben ungerechtes Systen dass von allen geteilt wird !!

    • Martin am 25.12.2013 09:57 Report Diesen Beitrag melden

      fair ist ansichtsache

      dumme sache dass die chefs schlussendlich auch nur wieder zahlen anderen auswerten... zudem hatten sie das privileg eine gute ausbildung zu geniessen und das recht sich selber zu verwirklichen... wieso soll dann der lohn höher sein als bei den leuten die sich nicht in diesem masse selber verwirklichen können?

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