Immobilien

30. März 2011 09:22; Akt: 30.03.2011 09:45 Print

«Zürich oder Genf sind keine Städte für Mieter»

von Gérard Moinat - In den grössten Städten haben es Durchschnittsverdiener immer schwerer, eine zahlbare Wohnung zu finden. Die einzige Lösung: raus aus den Zentren.

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Die Grafik zeigt die Leerstandsquote in Schweizer Städten. Je weiter unten die Stadt, desto prekärer die Lage. Quelle: IAZI Swiss Property Benchmark 2010.

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In Winterthur, Genf und Zürich ist es reine Glücksache, eine Wohnung zu finden. Die Leerstandsquote in der Stadt Zürich beispielsweise betrug gemäss dem «IAZI Swiss Property Benchmark 2010» weniger als ein halbes Prozent (siehe Grafik).

Ein noch dramatischeres Bild zeigt sich in Genf, Winterthur und Vevey: Die Leerstände dort bewegen sich um die 0,25-Prozent-Marke. Im Wallis, in der Waadt und in Genf sind die Quoten sogar kantonsweit unter 1,7 Prozent.

Zur Berechnung der Quoten analysierte das Immobilien-Beratungsunternehmen IAZI 8713 Liegenschaften. Als Leerstand gelten für das IAZI nicht realisierte Mieteinnahmen auf Seiten der Wohnungsvermieter.

«Extrem hohe Mieten»

Eigentlich könne man sagen, dass der Markt funktioniert, wenn keine Wohnungen leer stehen, betont Donato Scognamiglio, der Geschäftsführer von IAZI. Die traurige Realität hinter den Zahlen aber ist: «Eine durchschnittliche Schweizer Familie kann sich beispielsweise in Zürich keine Wohnung mehr leisten, ausser in einer Baugenossenschaft.»

Insbesondere der Preis einer Wohnung im Zürcher Seefeld sei «extrem hoch»: Von den derzeit über 100 ausgeschriebenen Objekten kosteten die Hälfte mehr als 3500 Franken im Monat. Für eine Viereinhalbzimmerwohnung zahlt man schnell 5000 Franken – pro Monat, versteht sich.

Scognamiglio kommentiert angesichts solcher Fakten nüchtern: «Zürich oder Genf sind keine Städte für Mieter – sie sind zu begehrt.»

Nur ausserhalb geht’s noch

Die einzige Lösung für Leute, die sich die Stadtwohnung nicht mehr leisten können: ausserhalb wohnen. Man könne ja beispielsweise nach Dietikon oder Baden ziehen, so der IAZI-Chef. Das sei zwar nicht zwingend so attraktiv wie Zürich, «aber zumindest gibt es dort leere, günstige Wohnungen». Auch in Biel oder Olten gebe es haufenweise leere Wohnungen.

Der IAZI-Mann vergleicht die Situation in den grössten Schweizer Städten mit einem Dampfkochtopf, bei dem viele Leute mit steigendem Druck nach aussen getrieben werden. Und unter dem Druck verändere sich eben auch die Bevölkerungsstruktur. Alle Städte in der Schweiz mit einem Leerstand unter einem Prozent hätten dasselbe Problem.

Schweizweit: «Mehr Luft»

Anders sieht die Situation schweizweit aus: Landesweit betrachtet ist das Ergebnis des «IAZI Swiss Property Benchmarks 2010» beruhigend. Es stehen mehr Wohnungen leer, es herrscht keine Wohnungsnot. Im Wohnbereich stiegen die Leerstände letztes Jahr gesamtschweizerisch von 3,1 2009 auf 3,5 Prozent. Scognamiglio spricht angesichts der Zahlen von «mehr Luft» im Wohnungsmarkt.

Gerade in den Kantonen Solothurn, Aargau und Bern sind die Leerstände mit 7,8, 5,2 beziehungsweise 5,3 Prozent sehr hoch. Auch der Kanton Zürich liegt mit 3,2 Prozent leerstehenden Wohnungen knapp über dem Schweizer Durchschnitt. Von Wohnungsnot könne darum auch dort keine Rede sein, so Scognamiglio.

Einwanderung treibt Preise

Eine Entspannung der Situation in den Städten jedoch zeichnet sich gemäss IAZI nicht ab. Vor allem aufgrund der anhaltenden Zuwanderung von jährlich 65 000 Personen. Selbst wenn durchschnittlich zwei von ihnen zusammenleben möchten, sind das weit über 30 000 Wohnungen.

Pro Jahr würden zwar 44 000 neue Wohneinheiten gebaut — davon sind aber etwa die Hälfte Eigentumsobjekte. «Das heisst: Die neu erstellten Mietwohnungen werden bereits durch die Neuankömmlinge absorbiert.»

Zürich und Genf bleiben nach Einschätzung des IAZI die Anziehungspunkte für die Heerscharen von gut qualifizierten Leute aus dem Ausland. Und so steige der Druck auf Normalverdiener auch in Zukunft an.

Wie hoch lag die absurdeste Wohnungsmiete, die je von Ihnen gefordert wurde?

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Brigitte am 30.03.2011 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Folgerung!

    Die einzige Lösung soll also "raus aus den Zentren" sein. Und das Feld also zugewanderten Ausländern überlassen. Für wie blöd halt man uns eigentlich? Kein Wunder wählen immer mehr grün und svp, alle andern sind nämlich von dieser zunehmend engen Schweiz begeistert. Wir haben beschränkte Ressourcen, da kann man nicht einfach alles verbauen. Was bin ich froh, hab ich keine Kinder. Von der einst grünen, schönen, sauberen, friedlichen Schweiz ist nicht mehr viel übrig geblieben.

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  • Tom. G. am 30.03.2011 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig aber ist so

    Ich habe Zürich vor mehr als einem Jahr den Rücken zugekehrt. Diese Stadt ist für einen normal Durchschnittsverdiener einfach zu teuer. Nur was für Reiche!

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  • Erika M. am 31.03.2011 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Freizügigkeit mit 8 weiteren Ländern

    Wartet mal ab, was ab 1. Mai noch alles kommt. Dann dürfen nämlich auch Tschechen, Estland, Lettland, Litauen, Ungarn, Polen, Slowenen und die Slowaken frei über die Grenzen. Der Personenfreizügigkeit sei Dank!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Kern, Zürich am 03.04.2011 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Pseudorenovation

    Wir wohnen seit 24 Jahren in derselben Liegenschaft. Nun wurde Pseudorenoviert und die Mieten verdoppelt. Wir werden ausziehen müssen. Die neuen Nachmieter sind vor allem Deutsche aber auch Finnen, Franzosen, Kanadier und Syrer. Meist als Bankster tätig oder im oberen Management.Oft wird Ihnen samt Familie die Wohnung statt Hotel für 2-3 Jahre von der Firma bezahlt. So geht das !.

  • Erika M. am 31.03.2011 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Freizügigkeit mit 8 weiteren Ländern

    Wartet mal ab, was ab 1. Mai noch alles kommt. Dann dürfen nämlich auch Tschechen, Estland, Lettland, Litauen, Ungarn, Polen, Slowenen und die Slowaken frei über die Grenzen. Der Personenfreizügigkeit sei Dank!!!

    • Wel Come am 01.04.2011 07:50 Report Diesen Beitrag melden

      Die einen freuts

      Die Zürcher Sihlstrasse wird noch belebter

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  • kannsnichtmehrhören am 31.03.2011 05:17 Report Diesen Beitrag melden

    Früher war alles sooo toll....

    Thema hier ist austauschbar, Tenor immer der gleiche:Schuld sind eigentlich immer die Ausländer, besonders die Deutschen...Dann seid doch konsequent und werft alle Ausländer raus (und alle ausländ. Firmen), Grenzen zu und schon lebt ihr alleine. Die Wohnungen sind leer, die schönen Ausflugsziele habt ihr für euch alleine und alles ist sooo schön wie früher.

  • Bewohner 1 am 31.03.2011 00:18 Report Diesen Beitrag melden

    Und, wer ist schuld?

    Und wer ist daran schuld? Die Linken und Lieben, die jeden der kommen will mit offenen Armen empfangen, und dann jammern das diese Wohnraum beanspruchen (und dafür Zahlen), und dass immer mehr verbaut wird, dass immer mehr Verkehrsaufkommen ist. Eines führt zum anderen.

  • Ismir Wurst am 30.03.2011 22:40 Report Diesen Beitrag melden

    Ja wer bezahlt wohl die hohen Mieten???

    Es ist eine Frechheit, dass angemessenes Mietwohnen in ZH nur noch den Finanzraubrittern und den kinderlosen Doppelverdienern vorbehalten ist. Fakt ist: Banker erschaffen keine neuen Werte! Die hohen Löhne die diese Untersten-Schreibsklaven-aller-Berufsgattungen in die exorbitanten Mieten investieren können, finanzieren sich aus EUREN Spareinlagen, PK-Beiträgen, Firmenvermögen, aja und Steuergeldern (UBS).