Elektromobilität

02. März 2011 15:39; Akt: 03.03.2011 09:55 Print

Ökoautos sind top - kaufen will sie keiner

von Hans Peter Arnold - Am Genfer Autosalon werden so viele Elektro-Autos präsentiert wie noch nie. Doch die Strom-Vehikel leiden unter einer zu geringen Reichweite und zu teuren Preisen.

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Reine Elektromobile haben derzeit einen schweren Stand. Immerhin macht jedoch die Batterietechnik grosse Fortschritte. (Bild: Keystone)

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Autobauer lieben grün: 40 Neuheiten im Bereich umweltfreundlicher Technologien werden bis zum 13. März am 81. Internationalen Automobilsalon in Genf präsentiert. Die Designstudien – so genannte Concept Cars – machen endlich Fahrzeugen Platz, die es zu kaufen gibt. Die Besucher können eine Reihe von Modellen Test fahren – nämlich: Chevrolet, Mercedes, Mitsubishi, Nissan, Renault, Smart, Tata und Think von M-Way (Migros).

Das lässt die Herzen von Umweltschützern höher schlagen. Doch die bisherigen Verkaufsumsätze waren bei den reinen Elektroautos eine grosse Enttäuschung. Weniger als 0,1 Prozent der Autoverkäufe in der Schweiz entfielen im vergangenen Jahr auf Elektroautos. Ein erheblicher Teil davon sei zudem als Flotte an Unternehmen verkauft worden, heisst es bei M-Way. Privatkunden gibt es kaum. Auch das Bundesamt für Energie ist zurückhaltend (siehe Box).

Zu teuer, zu wenig ausgereift

Zu teuer, zu wenig mobil, zu wenig ausgereift. So das vernichtende Fazit der Branchenbeobachter. Tatsächlich verfügen die meisten Elektromobile nur über eine Reichweite von rund 60 Kilometer pro Stromladung. Das sollte sich jedoch in den nächsten Jahren ändern. Der Volkswagen-Konzern bastelt am Golf blue-e-motion mit 150 Kilometer Reichweite. Geplante Lancierung: Ende 2013.

Renault will innerhalb der nächsten zwei Jahre immerhin vier E-Modelle auf den Markt bringen. «Wir glauben an den Erfolg der Elektromobile», sagt André Hefti von Renault Suisse gegenüber 20 Minuten. «Unsere Lancierungen decken verschiedene Segmente ab. Wir beschränken uns nicht nur auf Kleinwagen.» Die Preise würden sich zudem im Rahmen halten, da die kostbare Batterie als Herzstück nur im Leasing angeboten wird. Das ist clever: Denn so kommt der Kunde in den Genuss einer Batterietechnologie, die immer dem neuesten Stand der Technik entspricht.

«Der Strom hat eine grosse Zukunft», meint Jürgen Leohold, Leiter VW-Konzernforschung. Er sieht jedoch generelles Potenzial bei allen Modellen. Es gehe darum, die Fahrzeuge leichter zu bauen. Damit diese weniger Treibstauf verbrauche, ungeachtet des Antriebes.

Noch nicht alle Bedürfnisse befriedigt

Weshalb gibt es bis jetzt für Elektromobile so gut wie keine Nachfrage? Ein Produkt habe erst Marktchancen, wenn es alle vom Markt gestellten Bedürfnisse befriedigt, sagt Toyota-Schweiz-Chef Philipp Rhomberg. «In Bezug auf die Batteriekapazität, deren Reichweite, die Aufladungszeit am Stromnetz sowie zum Teil die Konsumentenpreise werden die Bedürfnisse noch nicht überall zufriedenstellend abgedeckt.»

Aus der Sicht von Toyota werden im Jahr 2020 Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor immer noch den grössten Marktanteil haben. Rhomberg: «Dies gilt vor allem natürlich in Kombination mit der Vollhybrid- bzw. Plug-in Hybridtechnologie, in der Toyota seit Jahren Marktführer ist.» Den Marktanteil für Elektromobilität schätzt Toyota in zehn Jahren auf zehn Prozent.

VCS: «Das Problem liegt beim Angebot»

Das Problem bei den Elektromobilen sei nicht die Nachfrage, meint Gerhard Tubandt, Mediensprecher Verkehrs-Club der Schweiz (VCS). Diese gäbe es gemäss Umfragen sehr wohl. «Vielmehr besteht das Problem beim Angebot. Reine Elektroautos waren bisher Leichtfahrzeuge, die nicht mit herkömmlichen Personenwagen vergleichbar sind.»

Erschwerend komme ausserdem hinzu, dass für Elektroautos Preise von 25 000 Franken an aufwärts bezahlt werden müssten. Tubandt: «Für dieses Geld bekommt man herkömmliche Autos, die bedeutend grösser sind und eine bedeutend grössere Reichtweite aufweisen.» Dies sind Gründe, weshalb auf der Auto-Umweltliste des VCS unter den Top Ten kein Elektroauto figuriert.

Plug-In-Hybride zunächst im Vorteil

Entsprechend werde die Nachfrage nach Elektromobilen dann stark ansteigen, wenn die Reichweite vergrössert, die Preise gesenkt und das Angebot an Modellen erweitert werde. Der VCS beabsichtigt, künftig in der Auto-Umweltliste für sämtliche Antriebsarten nur noch ein einziges Klassement zu erstellen. Dazu muss allerdings das bestehende Bewertungssystem angepasst werden.

«Es ist unser erklärtes Ziel, eine ökologischere Automobilität zu fördern und für die Konsumentinnen und Konsumenten transparent zu machen, das die besten Angebote sind», meint Tubandt im Gespräch mit 20 Minuten Online. Wegen der verschiedenen Antriebsarten (Benzin, Diesel, Erdgas, Ethanol, Hybride, Elektroautos) sei dies aber nicht ganz einfach. In nächster Zeit wird sich VCS erst einmal auf Plug-In-Hybriden und Range- Extendern und nicht auf reine Elektroautos fokussieren.