Es grünt in der Luft

24. Juni 2011 22:31; Akt: 27.06.2011 12:00 Print

Ökoflieger starten durch

Biotreibstoff und Elektro-Flieger: Die Luftfahrtbranche gibt sich auf ihrer wichtigsten Messe im französischen Le Bourget so umweltbewusst wie nie zuvor.

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Der A320neo verbraucht dank eines neuen Motors und veränderter Flügelspitzen 15 Prozent weniger Treibstoff als Konkurrenzmodelle. Mit dem Comac C919 wollen die Chinesen das Duopol von Boeing und Airbus knacken. In Paris hat Comac erstmals in Europa ein «lebensgrosses »Modell des Flugzeugs präsentiert. Die Chinesen wollen mittelfristig einen zweistelligen Marktanteil im Bereich der über 100-200-plätzigen Flugzeuge erreichen. Ganz ohne westliche Hilfe kommt der China-Jet nicht in die Luft: Sowohl die Cockpitinstrumente wie auch die Triebwerke stammen aus amerikanisch-französischer Produktion. Die neu motorisierte Airbus A320-Neo-Familie verkauft sich in Paris wie warme Weggli. Alleine Air Asia will in Le Bourget 200 Maschinen dieses Typs bestellen. Über 150 Maschinen stehen auf dem Flughafen Paris-Le Bourget. Ein Superjumbo der Korean Airlines auf einem Vorführungsflug. Der russische Sukhoi-Superjet ist die erste Neuentwicklung aus Russland seit Jahren. Der superschnelle Eurocopter X3 mit Stummelflügeln und Seitenpropeller ist ein Prototyp und soll 50 Prozent flotter unterwegs sein als herkömmliche Rotormaschinen. Die EADS-Tochter Eurocopter zeigt das X3-Modell auch im Flug auf der Luftfahrtausstellung. Das ist die neue Passagierversion von Boeings 747. Die Lufthansa ist einer der Erstkunden des Fliegers, der als Ladenhüter gilt. Boeing hofft inständig auf einen Erfolg in Asien. Dafür wurde extra die Werkslackierung von Blau-Weiss auf die in Fernost beliebte Kombination Weiss-Rot-Orange geändert. Mit über drei Jahren Verspätung will Boeing dieses Jahr endlich die erste 787 an die japanische All Nippon Airways ausliefern. Der Airbus A400M hatte sein internationales Debüt zwar schon auf den Luftfahrtausstellungen 2010 in Berlin und Farnborough, kommt aber jetzt erstmals auch nach Paris. Bis Jahresende hofft Airbus, dass die Zulassungsverfahren abgeschlossen sind. Beim Einparken streifte ein A380 mit den Flügelspitzen einen Hangar. Dieses Flugzeug kann deshalb keine Showflüge zeigen. Strömender Regen trübte den Auftakt zur grössten Luftfahrtmesse des Jahres. Nicolas Sarkozy eröffnete den Salon höchstpersönlich. Mit dem Dreamliner (oben) und der Boeing 747-8I kämpft Boeing gegen die Langstreckenflugzeuge von Airbus. Der Traum vom sauberen Fliegen? Die EADS-Konzeptstudie VoltAir kommt ausschliesslich durch Elektroantrieb voran.

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Stetig steigende Kerosinpreise und der harte Konkurrenzkampf zwingen die Luftfahrtbranche zu sparsameren Flugzeugen: So ist wenig erstaunlich, dass es sich bei einem der Messe-Verkaufsschlager um einen A320neo von Airbus handelt. Er verbraucht dank veränderter Flügelspitze 15 Prozent weniger Treibstoff als das Konkurrenzmodell von Boeing. Die Billigfluglinie AirAsia bestellte vom «Spirt-Sparer» gleich 200 Stück.

Die Luftfahrtbranche gibt sich in le Bourget so umweltbewusst wie nie zuvor. Grün gibt sich auch der US-Konzern Boeing und sendete einen 747-8 Frachter nach Frankreich, dessen Kerosin 15 Prozent Leindotteröl beigemischt wurde. Dass noch mehr drin liegt, zeigte Honeywell: Der US-Anbieter flog einen Gulfstream ein, bei dem ein Triebwerk vollumfänglich mit Biotreibstoff betankt wurde.

Nur zwei 2 Prozent aller CO2-Emissionen

Jährlich verbrennen die Flugzeuge dieser Welt die gewaltige Menge von 230 Milliarden Liter Kerosin, wie «Welt Online» berichtet. Das ist einerseits ein massiver Kostenfaktor, andererseits eine grosse Umweltbelastung. Die Passagierflugzeuge stossen pro Jahr 660 Millionen Tonnen Kohlendioxid aus, wobei die Branche stets betont hat, nur für zwei Prozent aller Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich zu sein.

Der EU-Kommission sind aber auch diese zwei Prozent zu viel. Sie möchte den Kohlendioxid-Ausstoss der Fliegerei laut einem Plan namens «Flightpath 2050» bis in 40 Jahre um 75 Prozent reduzieren, die Lärmbelastung um 65 Prozent. Als Basis gilt der Wert aus dem Jahr 2000.

Um diese Ziele zu erreichen braucht es aber viel mehr als nur einen etwas sparsameren A320. Die grünere Zukunft ist aber eingeläutet. Auf der Messe in Paris zeigen mehrere Hersteller Elektroflugzeuge, wovon eines – Solarimpulse vom Schweizer Abenteurer Bertrand Piccard – einzig durch Solarenergie vorankommt.

Realität oder Traum

Ein umweltfreundliches Konzeptflugzeug stellt auch EADS vor. Es nennt sich VoltAir, ist für Kurzstrecken ausgelegt und hat Platz für 50 bis 70 Passagiere. Der Antrieb ist vollumfänglich elektronisch uns basiert auf bisher noch nicht vorhandenen Hochleistungsbatterien. Laut EADS könnte der Ökoflieger bereits in 20 Jahren Realität werden.

«Das Konzeptflugzeug ist ein Zukunftsforschungsprojekt, es hat keinen kurzfristigen kommerziellen Ansatz», so EADS-Cheftechniker Jean Botti, von EADS. Man wolle die Grenzen des Machbaren verschieben. Der Traum vom sauberen Fliegen?

(sas)