Zweites Quartal

04. August 2010 23:35; Akt: 05.08.2010 11:59 Print

Ölpest vermiest Transocean das Geschäft

Der Umsatz des in Zug angesiedelten Ölbohrunternehmens Transocean sank im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr von 2,88 Mrd. auf 2,51 Mrd. Dollar. Der Gewinn betrug noch 715 Mio. Dollar.

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Transocean muss Gewinn- und Umsatzrückgänge verdauen. (Bild: Keystone)

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Vor einem Jahr hatte der weltgrösste Hochsee-Ölbohrkonzern unter dem Strich 806 Mio. Dollar verdient. Der Untergang der Plattform «Deepwater Horizon» vor der amerikanischen Küste drückte das Ergebnis um 82 Mio. Dollar, unter anderem wegen Rechtskosten und höherer Versicherungsprämien.

Andererseits erhielt Transocean von den Versicherungen 267 Mio. Dollar für die gesunkene Plattform ausbezahlt, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Nach früheren Angaben gehörte die Anlage der Transocean, die sie an BP leaste. Die Explosion auf der «Deepwater Horizon» hatte im April die Ölpest im Golf von Mexiko verursacht.

Gemäss der Finanznachrichtenagentur AWP hat das Unternehmen mit den Zahlen die Erwartungen der Analysten beim Umsatz in etwa getroffen und beim Reingewinn übertroffen. Die Aktie notierte an der Schweizer Börse Mitte Vormittag um 3,7 Prozent im Plus.

Komplikationen wegen Dividende

Der operative Gewinn (EBIT) reduzierte sich von 1,12 Mrd. Dollar auf 957 Mio. Dollar. Den Umsatzrückgang führte Transocean unter anderem auf gesunkene Bohrerträge und tiefere Tagesraten für seine Ölbohrinseln zurück. Das Unternehmen vermietet rund 140 Anlagen an grosse Ölkonzerne - samt Ausrüstung und Personal.

Wegen der rechtlichen Probleme in den USA infolge der Ölpest kann Transocean die Dividende nicht wie geplant ausschütten. Die Aktionäre hatten im Mai einer Ausschüttung in Form einer Nennwertreduktion in Höhe von 3.44 Fr. je Aktie zugestimmt.

Das Handelsregisteramt des Kantons Zug habe aber mitgeteilt, es werde den Antrag angesichts von Klagen in den USA vertieft prüfen, schreibt Transocean. Die Auszahlung könnte sich verzögern oder auf unbestimmte Zeit eingeschränkt sein.

Ölpest verdunkelt Aussichten

Transocean steht im Fokus der amerikanischen Behörden, wie aus der Mitteilung hervorgeht. Das US-Justizdepartement habe Transocean aufgefordert, zur finanziellen Verantwortung des Unternehmens Stellung nehmen. Transocean habe eingewilligt, die Behörde zu informieren, falls es eigene Aktien zurückkauft oder namhafte Beträge von ihren amerikanischen Gesellschaften transferiert.

Die US-Ölpest dürfte im Geschäftsjahr 2010 zu höheren Ausgaben und einem Umsatzrückgang führen, schätzt Transocean. Zahlreiche Klagen seien eingereicht worden und es sei mit weiteren Klagen zu rechnen.

Das Moratorium der US-Regierung für Tiefseebohrungen in der Region gilt vorerst bis 30. November 2010. Dies könne verkürzt oder verlängert werden. Das Unternehmen hat 14 Anlagen im Golf von Mexiko, die für Aufträge im Wert von 7,6 Mrd. Dollar stehen.

Börsendebut in der Schweiz Mitte April

Am 20. April gab Transocean das Börsendebut in der Schweiz, am 21. Juni wurden die Titel in den SMI aufgenommen. Ebenfalls am 20. April brach ein Feuer auf der Bohrinsel «Deepwater Horizon» im Golf von Mexiko aus. Später explodierte die Plattform und versank im Meer.

Das Ereignis hatte auch einen negativen Einfluss auf die Aktienwerte der Firma. Diese sanken bis im August markant.

Zum Unglück auf der Bohrinsel wurden keine neuen Angaben gemacht. Die Explosion verursachte die schwerste Ölpest der US-Geschichte.

(sda)