Berufswahl

31. Juli 2014 05:38; Akt: 31.07.2014 05:38 Print

Österreichisches Jobportal will die Schweiz erobern

von Sandro Spaeth - In sieben Fragen zum Traumjob: Das verspricht das österreichische Jobportal Whatchado. Nun lanciert das IT-Startup den Angriff auf die Schweiz. Zu den Kunden gehören namhafte Firmen.

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Irgendetwas mit Medien oder Marketing soll es sein. Doch was genau? Kommunikationsberater? Korrektor? Konzepter? Für Zehntausende stellt sich die Frage nach der passenden Ausbildung, dem Weg zum Traumjob. Das war bei Whatchado-Mitbegründer Ali Mahlodji nicht anders. «Ich hatte keine Ahnung, was ich werden sollte», erzählt der Jungunternehmer mit iranischen Wurzeln im Gespräch mit 20 Minuten. Was ihm als Jugendlicher gefehlt habe, sei eine Übersicht – und Betroffene, die von ihrem Karriereweg erzählten.

Mahlodji machte eine Lehre als Maurer, sattelte später auf IT-Management um und gründete als 26-Jähriger seine eigene Firma: Whatchado. Der Begriff ist amerikanischer Slang und bedeutet übersetzt «Was machst du?». Das Ziel der Geschäftsidee: Anderen helfen, den richtigen Job zu finden. Das funktioniert bei Whatchado über Lebensläufe in Videoform. 2600 Personen beantworten dieselben sieben Fragen zum Job – vom Nestlé-Deutschland-Chef über den Verkaufsleiter bis zum österreichischen Bundespräsidenten.

Funktioniert wie Dating-Portal

Sucht nun ein Jugendlicher nach dem Traumberuf, beantwortet er in einem Online-Tool 14 Fragen zu seinen Vorstellungen und Neigungen. Weil jene Fragen auch die in den Videobeiträgen Porträtierten beantwortet haben, spuckt das System die Personen mit den meisten Übereinstimmungen aus: 92 Prozent beim Apotheker, 88 Prozent beim Fotografen. «Es funktioniert wie bei einer Dating-Plattform», sagt der 32-Jährige Mahlodji.

Dieser Tage startet Whatchado auch in der Schweiz. Rund 100 Videos hat das Whatchado-Team hierzulande bereits gedreht, darunter mit Personen wie SRF-Moderatorin Sara Hildebrand oder Beachsoccer-Profi Stefan Meier. Mahlodji geht es aber nicht um die Promis. « Wir wollen in unseren Videos Karrieren von Leuten zeigen, die man auf der Strasse trifft.»

Für jedes Bezahl- ein Gratisvideo

Stellt sich die Frage, wie Whatchado mit seinem Handbuch der Lebensgeschichten Geld verdient. Die Firma mit Sitz in Wien beschäftigt mittlerweile fast 35 Personen. Einnahmen bringen Firmen, die für die Videos bezahlen. Es gilt aber der Grundsatz: Für jedes bezahlte Video stellt Whatchado ein Gratisvideo ins Netz. Die Liste der Personen, die gerne ihre Karrierestory erzählen würden, umfasst 3000 Namen.

Als erstes reines Schweizer Unternehmen auf Whatchado präsent sein werden die Zürcher Verkehrsbetriebe VBZ. «Für uns ist es ein zusätzlicher Rekrutierungskanal», sagt Personalchef Jörg Buckmann. Man könne sich als interessanter Arbeitgeber präsentieren. Die Videos werden im August produziert. Bei Whatchado vertreten sind auch Microsoft Schweiz oder der Schweizer Ableger der Wirtschaftsprüfer von EY.

Für einen Auftritt bezahlt eine Firma einmalig rund 25‘000 Franken, womit die Kosten für die Videos gedeckt werden. Dazu kommt eine jährliche Gebühr von 7000 Franken. «Das ist etwa so viel, wie ein einziges Stelleninserat in einer grossen Tageszeitung kostet», sagt VBZ-Personalchef Buckmann. Wird sich Whatchado den Traffic künftig auch über Werbung vergolden lassen? Mahlodji winkt ab: «Ich hoffe, wir überleben auch ohne Werbung.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hampi am 31.07.2014 07:25 Report Diesen Beitrag melden

    Ich mache grundsätzlich...

    einen Bogen um Firmen, die sich im Internet als "supertolle" Arbeitgeber präsentieren. Erfahrungsgemäss ist genau in solchen Firmen das Arbeiten mehr eine Qual als eine Freude. Weswegen sonst, müssen sie immerwieder ihre Stellen neu besetzen....

  • Ida L. am 31.07.2014 07:11 Report Diesen Beitrag melden

    schon wieder...

    Lustige Idee, aber wegen den paar Fragen findet man leider noch keinen Job. Die Rekrutierung wird immer wie Komplexer, so ist ein Video nur ein kleiner Teil vom Ganzen, also einfach wieder ein Plattform mehr.

  • meow am 31.07.2014 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sehr gut - 15 j. zu jung

    Sehr gute Idee. Ich finde es eine Schande, mit 15 Jahren zu entscheiden, was man für s Leben machen will. Ich wusste es nicht, machte das 10. Schuljahr und wusste es danach mit 16 Jahren noch nicht wirklich. "Musste" dann das KV machen und nun liebe ich diesen Beruf. Dauerte jedoch 2 Jahre mehr und das auch nur per Zufall.. Liebe Schulen, unterstützt doch bitte die 15 jährigen mehr mit dem geeigneten Beruf finden. Sehr viele machen eine Lehre die ihnen nicht gefällt, weil sie in einem Alter entscheiden müssen, dass zu früh ist und "zwingen" sich jeden Tag zum Betrieb.. Nun bin ich 20j., ausgelernt und glücklich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • M.D. am 31.07.2014 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    Affenarbeit

    Als wäre das so einfach, eine neue Stelle zu finden heutzutage! Habe nun ein halbes Jahr gesucht, eine einfache Stelle im Büro, wo man nach 1 Monat eh schon wieder unterfordert ist und davon träumt, im Lotto zu gewinnen. Musste Intelligenz- und Psychotests ausfüllen, 3 Gespräche, musste jeweils in der dritten Runde noch gegen 5 Mitbewerber konkurrieren (!!!). Und dies, damit ich 8.5 Stunden pro Tag mein Gehirn abschalten muss, da die Arbeiten total automatisiert und einfach sind, dass sie sogar ein Affe machen kann! Unglaublich!

  • Ramona am 31.07.2014 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Unkonventionelle Neuorientierung

    Geniale Idee! Wer sich umorientieren will oder neue Inspiration sucht, findet hier Vorschläge, denen man auf den klassischen Wegen nicht begegnet. Zudem zeigt es schön die Vielfalt der Jobs, die Leute mit den gleichen Interessen gewählt haben!

  • Stefan am 31.07.2014 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Wenns so einfach wäre...

    Ich denke wohl kaum dass ein Video etwas bringt... Ich bin von Beruf Informatiker und suche eine neue Stelle. Bei jeder Firma wo ich mich bisher beworben habe, musste ich eine Prüfung machen und am Schluss hiess es: meine Qualifikationen (FH, HF oder Uni) entsprechen nicht Ihren Anforderungen -.-

    • Fordere von anderen, was du nicht kannst am 31.07.2014 14:55 Report Diesen Beitrag melden

      Die Qualifikationen

      Vieler entsprechen nicht den Anforderungen der AG. Hinter dieser hohlen Floskel kann man sich bestens verstecken um problemlos Talente aus dem Ausland zu rektruieren. Passt zum Artikel: Die CH hat einen Minderwertigkeitskomplex. Das haben auch die Wirtschaftsbosse. Indem sie sich multinational geben und jeden Beruf verakademisieren, kompensieren sie diesen Komplex.

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  • Baspi am 31.07.2014 07:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Slang?

    es ist auch ein Wortspiel: "Watch" heisst "sieh" und "Watch out" heisst "sieh Dich um" ;-)

    • Rafi am 31.07.2014 08:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Naja

      Naja, "Watch out" kommt in Watchado aber nicht vor und heißt eher "sieh Dich vor", also "Pass auf". Das "Watch" bezieht sich aber wohl schon wortspielartig auf die Videos, die man anschauen kann. Das mit dem Slang ist aber korrekt ("What do you do").

    • Tim am 31.07.2014 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Slang

      Whatchado ist im Artikel korrekt übersetzt. Es heisst wortwörtlich "what you do". "Whatchadoin'?" bedeutet auf Englisch nicht anderes als "was machst du?". Es hat überhaupt nichts mit "to watch" zu tun.

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  • Hampi am 31.07.2014 07:25 Report Diesen Beitrag melden

    Ich mache grundsätzlich...

    einen Bogen um Firmen, die sich im Internet als "supertolle" Arbeitgeber präsentieren. Erfahrungsgemäss ist genau in solchen Firmen das Arbeiten mehr eine Qual als eine Freude. Weswegen sonst, müssen sie immerwieder ihre Stellen neu besetzen....