Der Euro hat Geburtstag

31. Dezember 2011 10:45; Akt: 31.12.2011 10:45 Print

10 Jahre Euro - und keiner feiert

Der zehnte Geburtstag des Euro als Bargeld fällt in seine grösste Krise. Als «Teuro» verteufelt, wird sein Untergang herbeigeredet. Das schlechte Image wird der Gemeinschaftswährung aber nicht immer gerecht.

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Am Abrund? Im zehnten Jahr nach der Einführung des Euro-Bargelds steckt die Gemeinschaftswährung in ihrer schwersten Krise. (Bild: Keystone)

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Vor zehn Jahren sind die D-Mark-Scheine und die Pfennige verschwunden. Der 1. Januar 2002 war die Geburtsstunde des Euro als Bargeld. Zum Feiern ist es den Architekten der Gemeinschaftswährung zehn Jahre nach dessen Einführung aber nicht zu Mute. Die Währungsunion steckt in ihrer grössten Krise: Es existieren bisher keine tatsächlich wirksamen Rezepte gegen die Schuldenkrise, die Umfragewerte des Euro sind schlecht und sogar Wirtschaftsprofessoren reden den Untergang der Gemeinschaftswährung herbei.

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Die EU-Kommission plant anlässlich des zehnten Jahrestages der Euro-Bargeldeinführung keine Veranstaltung, wie ein Sprecher kurz vor Weihnachten wissen liess. Gleichzeitig betonte Brüssel aber die Bedeutung des Euro und erklärte, die Bürger der Euro-Zone könnten stolz auf die Gemeinschaftswährung sein. Die anhaltenden Negativschlagzeilen im Zusammenhang mit der europäischen Schuldenkrise nähren jedoch eher das Misstrauen gegenüber dem Euro.

Schwerste Krise

Im zehnten Jahr nach der Einführung des Euro-Bargelds steckt die europäische Gemeinschaftswährung in ihrer schwersten Krise. Inzwischen wird selbst der Zusammenbruch von den politischen Führern in der EU als durchaus reale Gefahr eingeschätzt, deren Folgen man sich aber im Detail lieber nicht ausmalen möchte.

Als Sündenfall, der die aktuelle Krise mit verursacht hat, wird heute die Aufnahme Griechenlands in die Währungsunion am 1. Januar 2001 - ein Jahr vor der Bargeld-Einführung - angesehen. Dass die Griechen die Kriterien für die Euro-Einführung nur mit Hilfe gefälschter Kennzahlen erfüllen konnten, wurde schon damals vermutet, aus politischen Gründen drückten die EU-Partner jedoch alle Augen zu.

Der Erfolg des Euro schien ihnen auch lange Zeit recht zu geben. Nun scheint die Währungsgemeinschaft jedoch von der Vergangenheit eingeholt zu werden.

Mythos des «Teuro»

In Deutschland kamen mehrere kürzlich durchgeführte Umfrage zum Ergebnis, dass die Zustimmung zur gemeinsamen Währung innerhalb der Bevölkerung schwindet. Eine Studie des Instituts Emnid etwa kam zum Schluss, dass inzwischen 60 Prozent der Deutschen den Euro für keine gute Idee halten.

85 Prozent der Befragten sind demnach überzeugt, dass der Euro als «Teuro» im Zuge der Geld-Umstellung die Preise stark in die Höhe trieb.

Der Ruf des «Teuro» lastet der europäischen Gemeinschaftswährung seit ihrer Einführung an. Allerdings hält die weitverbreitete Wahrnehmung der statistischen Überprüfung nicht stand: In Deutschland etwa ist die Teuerung seit der Euro-Einführung nicht gestiegen, sondern im Gegenteil gesunken.

Weniger Teuerung seit Euro-Einführung

Von der Euro-Bargeld-Einführung im Januar 2002 bis zum November 2011 lag die jährliche Preissteigerung im Durchschnitt bei 1,6 Prozent, wie das deutsche Statistische Bundesamt kürzlich bekanntgab. In den zehn Jahren davor hatte die Teuerung der Deutschen Mark deutlich höher gelegen: bei durchschnittlich 2,2 Prozent.

Für Österreich ergibt sich ein ähnliches Ergebnis: Gemäss den Zahlen der Österreichischen Nationalbank lag die durchschnittliche Jahresinflation im Zeitraum von 1999 bis 2011 bei 1,8 Prozent. in den zehn Jahren davor waren es noch 2,2 Prozent gewesen.

Währung für 330 Millionen Menschen

Der Euro wurde am 1. Januar 1999 als gemeinsame Währung von zunächst elf EU-Mitgliedsländern eingeführt, am 1. Januar 2002 wurde er als Bargeld offizielles Zahlungsmittel in zwölf Ländern der Währungsunion, zu denen bis heute fünf weitere hinzugekommen sind. In der Euro-Zone leben heute rund 330 Millionen Menschen. Dazu kommen mehrere kleine Staaten, in denen der Euro zwar offizielles Zahlungsmittel ist, die aber nicht der Euro-Zone angehören.

Zur Euro-Zone gehören offiziell Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Holland, Österreich, Portugal, Spanien und seit 1. Januar 2007 auch Slowenien, seit 2008 Malta und Zypern, seit 2009 die Slowakei und seit Anfang 2011 auch Estland.

(sda/sas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andy am 01.01.2012 04:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Euro naja

    Ich wäre froh wenn der Euro zerbrechen würdw

  • Kopfschüttel am 31.12.2011 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    Jubiläum?

    Auf seinen Untergang trinke ich dann eins.

  • Urs Aarner am 31.12.2011 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    Ich trink einen drauf!

    Ich stosse drauf an, dass er endlich bricht :D

Die neusten Leser-Kommentare

  • bubu am 02.01.2012 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Blabla

    Ich kanns kaum erwarten bis die EU sprich MERKOSY ihr dauer Blabla wieder fortsetzen.

  • Stefan Meier am 01.01.2012 22:06 Report Diesen Beitrag melden

    Das mit der keine Teurung ist ein Trick

    Und zwar werden bei diesen statistischen Erhebung immer die Inflation gegengerechnet und somit entsteht faktisch keine Teurung. Würde man die Inflation nicht gegen rechnen, wäre die Teurung enorm!

  • Büezer am 01.01.2012 18:35 Report Diesen Beitrag melden

    interessant...

    Keine Teuerung? Beispiel Spanien: 1 Kaffee 100Pts, heute 1 Kaffee 2.00 bis 2.50. Das ist einiges mehr als doppelt so viel in 10 Jahren.

  • baumann am 01.01.2012 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Fakten

    Bei der Euro Einfuehrung wurden alle preise fast 1:1 von Mark in Euro umgewandelt, das ist eine Teuerung von ca. 200%. Ein Butter beim Aldi kostete am Samstag noch 1.50 Mark und am Montag morgen 1.40 Euro. So war das bei allen Produkten und Dienstleistungen.

  • joe s. am 01.01.2012 18:24 Report Diesen Beitrag melden

    Statistik-Märchen

    Wie die Statistiken den Euro immer in den Himmel loben!? Ich denke Gemeinsame Währung heisst eben auch Gemeinsame Fiskalpolitik. Aber genau da wirds schwierig.