Top-Ökonom Sinn

13. Oktober 2016 21:15; Akt: 13.10.2016 21:15 Print

1000er-Nötli-Nachfrage soll bald stark ansteigen

Die EZB schafft den 500-Euro-Schein ab. Für den Ökonomen Hans-Werner Sinn ist klar: Die Schweizer 1000er-Note wird nun massiv beliebter werden.

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Top-Ökonom Hans-Werner Sinn rechnet damit, dass die grossen Schweizer Banknoten zunehmend ins Visier von Sparern und Investoren kommen, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) den 500-Euro-Schein – wie angekündigt – abschaffen wird.

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«Die Nachfrage nach der 1000-Franken-Note wird steigen», sagt Hans-Werner Sinn im Interview mit der «Handelszeitung». Auch könnte der Franken aufgewertet werden, sollte die Schweizer Notenbank die zusätzliche Nachfrage nach den grossen Frankenscheinen nicht durch ein Mehrangebot befriedigen, ist Sinn überzeugt.

Das Wort des deutschen Wissenschaftlers hat Gewicht: Der langjährige Ifo-Präsident ist einer der einflussreichsten Ökonomen Europas. Regelmässig löst er mit seinen Analysen Kontroversen aus. Die Argumentation der EZB, der 500-Euro-Schein werde zur Bekämpfung der Kriminalität abgeschafft, hält er für vorgeschoben. Es gehe darum, die Tresorkosten zu erhöhen. Dann könnten die Zinsen tiefer unter null sinken. «Und wenn man das Bargeld ganz abgeschafft hat, können die Notenbanken die Zinsen beliebig negativ setzen.»

Diskussion um Abschaffung des Bargelds

Die Diskussion um eine mögliche Abschaffung des Bargelds war vor kurzem wieder aufgeflammt. Vor allem vor dem Hintergrund der Negativzinsen wurde diskutiert, ob diese so nicht effektiver durchsetzbar wären. An der Diskussion beteiligte sich unter anderen der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff. Er forderte: Würde aufgrund der Negativzinsen eine Flucht ins Bargeld eintreten, sollte man dieses kurzerhand abschaffen. Die Aufbewahrung zu Hause wäre dann unmöglich.

Ein positiver Nebeneffekt wäre ausserdem, dass Kriminellen die Machenschaften erschwert würden, denn Verbrecher profitierten von der Anonymität des Bargelds – eine Argumentation, die Hans-Werner Sinn, wie oben erwähnt, nicht teilt.

Auch Hans Geiger glaubt nicht, dass die Abschaffung des Bargelds zur Bekämpfung Krimineller sinnvoll ist, wie er im Gespräch mit 20 Minuten erklärte. Der emeritierte Zürcher Professor für Finanzen sagte: «Der Hauptvorteil des Bargelds ist und bleibt seine Anonymität.»

Mehr Privatsphäre dank Bargeld

Natürlich würden auch Kriminelle von dieser Eigenschaft profitieren. Doch weder der Missbrauch durch Verbrecher noch die Umgehung von Negativzinsen seien eine Rechtfertigung dafür, unbescholtenen Bürgern die Möglichkeit zu nehmen, anonym mit Bargeld zu bezahlen. «Wofür ich mein Geld ausgebe, geht nur mich etwas an», sagt Geiger.

Zum Thema Bargeld: In diesem Video sehen Sie die Sicherheitsmerkmale des neuen 50er-Nötlis.

(kwo/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zara am 13.10.2016 21:47 Report Diesen Beitrag melden

    Relikt der Vergangenheit?

    Menschen sehen heute keinen Sinn mehr im Bargeld. Man kommt im Alltag ja auch gut ohne aus. Dabei ist vielen nicht bewusst, dass die Möglichkeit, Bargeld jederzeit vom vom Bankensystem abzuziehen, verhindert, dass Negativzinsen an uns Kunden weitergegeben werden. Der Tag, an dem Bargeld für immer verschwindet, ist der Tag, an dem wir uns vollkommen den Banken ausliefern.

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  • Klaus am 13.10.2016 21:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Edelmetall ist noch besser

    Kaufe lieber Edelmetall das entwertet sich nie auf 0 und ist vor allem in Krisenzeiten als Zahlungsmittel buchstäblich Gold wert oder auch silber. Zudem weiss es niemand das man es besitzt speziell der Staat nicht.

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  • Reto Nussbaumer am 13.10.2016 21:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bankgarantie

    das Bargeld kann nur abgeschafft werden wenn es eine 100% Bankgarantie gibt und nicht eine welche bei 100'000 endet!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ismajli am 14.10.2016 18:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aber nein

    Der jenige wo freude hat, unterschtütz die kriminelen geschäfte. Finden Sie dies eigendlich gut, das diese Kriminellen mit Franken jetz geschäften? Oder ist dies nicht neues?

  • Zweifel am 14.10.2016 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    Um beispielsweise

    Drogenhändler loszuwerden, müsste man endlich mit der Prohibition aufhören und nicht das Bargeld abschaffen. Ob es die Tausendernote braucht, ist eine andere Frage. Die nimmt im Alltag ohnehin fast niemand an.

  • der seher am 14.10.2016 14:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tauschhandel

    Bargeld abschaffen wäre der Freipass für den Tauschhandel. Wie sollte der Staat Steuern kassieren, wenn du mit Blumenkohl bezahlen möchtest. Das hiesse zurück in den Urwald.

  • Idlewild am 14.10.2016 14:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Totale Kontrolle

    Klar kann man damit die Kriminellen bekämpfen, dumm nur, dass 99 Prozent der Bevölkerung keine Verbrecher sind. Und wer hat die ganze Finanzkrise geschaffen? Die Banken Wer will das Bargeld abschaffen? Die Banken. Totale Kontrolle, das darf es niemals geben

  • h_sigi am 14.10.2016 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bargeld

    Von mir aus braucht es kein Bargeld mehr. Wenn alle Terminals mit dem NFC-Chip ausgerüstet sind kann überall Kontaktlos auch kleine Beträge entweder mit der Karte, Handy oder Uhr bezahlt werden. Ein Lob an die Kioske wo dies heute schon möglich ist. Denn Handy oder Uhr ist immer dabei!