Einschätzung

15. März 2011 10:33; Akt: 15.03.2011 17:46 Print

120 Prozent mehr Lohn für UBS-Präsident Villiger

von Lukas Hässig - Der Präsident der UBS spielt nicht mehr Pestalozzi. 2010 erhielt Kaspar Villiger 1,5 Millionen Franken, das ist mehr als eine Verdoppelung.

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Villigers «Sonderfall» währte nur ein Jahr. (Bild: Keystone)

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Die grösste Überraschung im heutigen Geschäftsbericht der Grossbank UBS B”rsenkurs ist der Lohn des obersten Verantwortlichen. Präsident Kaspar Villiger liess sich für das abgelaufene Geschäftsjahr 1,5 Millionen Franken ausschütten, davon eine halbe Million in Form von Aktien.

1,5 Millionen scheint auf den ersten Blick nicht besonders viel, auch nicht im Vergleich mit anderen Grossbanken-Präsidenten. Doch in Villigers Fall lässt die Zahl aufhorchen. Sie liegt nämlich um 120 Prozent höher als im Vorjahr, als sich Villiger weniger als 700 000 Franken auszahlen liess.

Villigers «Sonderfall» währte nur ein Jahr

Villiger ist damit nicht mehr der «Pestalozzi der Grossbanker». In ihrem Bericht zeichnet die Bank trotzdem das Bild eines altruistischen Präsidenten. Villiger habe beschlossen, «auf einen substanziellen Teil der Aktienzuteilung zu verzichten und stattdessen eine begrenzte Zahl von 26 940 UBS-Aktien mit einem Fair Value von 500 000 Franken zu akzeptieren». «Verzichten» und «akzeptieren» sollen signalisieren, dass Villiger zur Geldannahme gedrängt wurde.

Dahinter steckt ein Problem. Die UBS ist sich bewusst, dass sie Villigers Lohnsprung, auch wenn das Salär absolut betrachtet vernünftig erscheint, erklären muss. Die Veränderung ist das Brisante.

Noch vor zwei Jahren hatte Villiger bei der Vorstellung als neuer UBS-Präsident die neue Bescheidenheit zelebriert. Zur Festlegung seines Lohns habe er sich gefragt, wo man «eine ähnliche Verantwortung» habe wie als UBS-Präsident, sagte der langjährige Ex-Finanzminister damals.

Dieser Gedanke habe ihn auf die richtige Spur geführt. «Eigentlich ist ein Lohn wie jener für ein Direktoriumsmitglied der Nationalbank angemessen», führte Villiger aus. Das sei denn auch «mein Vorschlag an die Bank», meinte er vor laufenden Kameras, ohne dass dies ein «Signal für die Honorierung späterer UBS-Präsidenten» wäre. «Ich sehe das für mich als Sonderfall.»

Viel nette Worte zur öffentlichen Abfederung der Lohn-Erhöhungen

Der Sonderfall währte nur ein Jahr. Im Vergleich zum bestbezahlten operativen Manager ist Villigers neuer Lohn nach wie vor bescheiden. Diesen Aspekt sowie die Entschädigungen für die operativen Topleute versucht die UBS in ihrem Bericht als freiwillige Bescheidenheit darzustellen.

Investmentbankchef Carsten Kengeter wurde mit 9,3 Millionen entschädigt, deutlich weniger als im Vorjahr und erst noch der grösste Teil des Bonus in Form aufgeschobener Boni.

Grübels Stellenantritt vergoldet

CEO Oswald Grübel gibt sich – wie im Vorfeld werbewirksam öffentlich ausgebreitet – mit 3 Millionen zufrieden. Dabei geht oft vergessen, dass ihn die UBS zum Stellenantritt ebenfalls vor zwei Jahren mit 4 Millionen UBS-Optionen vergoldete. Marktwert: derzeit rund 25 Millionen.

Wiederholt ist die Rede von «Bonuszahlung in Form von gesperrten Aktien», von «spezifischen Performancekriterien», die für die volle Bonusauszahlung erfüllt sein müssten, von «Hebeleffekten», die «deutlich reduziert» worden seien. Herausgestrichen wird auch, dass der Bonustopf 11 Prozent kleiner sei als 2009, trotz «deutlich verbesserten» Resultaten.

Konzernleitung langt kräftig zu

Die Botschaft lautet: Die UBS-Manager haben die Zeichen der Zeit erkannt und nehmen Abstand von der früheren Bereicherungsmentalität. Der kleine Schönheitsfehler: Sie stimmt nicht.

Nicht nur bei Villiger schossen die Löhne und Boni für die oberste Crew nämlich massiv nach oben. Auch die Gesamtvergütung für die 13-köpfige Konzernleitung der UBS fiel 2010 deutlich höher aus, sie stieg von 69 Millionen auf neu 91 Millionen, also um fast einen Drittel. Im Schnitt erhielt jeder der UBS-Topmanager 7 Millionen, ein Jahr zuvor waren es erst 5,3 Millionen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • nelja am 15.03.2011 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    Von wegen Abzocker..

    hört doch endlich auf mit eurem Gerede über Abzocker!1,5 Mio. ist nichts im Vergleich dafür,was ein Präsident einer solchen Unternehmung leisten und arbeiten muss!Der arbeitet nicht von 8.00 bis 17.00, sondern ist meist schon vor 7.00 Uhr und bis 20.00 im Büro anzutreffen & muss zudem IMMER erreichbar sein. Auch nachts und am Wochenende oder in den Ferien! Zudem hat er eine Verantwortung für mehrere Hundert/Tausende Angestellte! Wenn er einen Fehler macht, kann dies vielen Anderen den Arbeitsplatz kosten.Redet nicht von Dingen, von denen Ihr keine Ahnung habt!!(Nur weil ihr weniger verdient..)

  • steff walther am 15.03.2011 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    warum so wenig?

    warum nur 1.5 Mio, bei dem Gewinn? Die UBS enttäuscht auf der ganzen Linie. Pro genauso wie Kontra. Bin mal gespannt wenn die Abstimmung dem Volk vorgelegt wird, wieviel die UBS an Gegnerkosten übernimmt. Wahrscheinlich ird sie dann etwas grösszügier sein - wetten?

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  • tm am 15.03.2011 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Schweinerei

    Wo die einen im Überfluss baden, haben andere Nichts. Die Verteilung des weltweiten Vermögens ist einfach hirnverbrannt... Herr Villiger und sämtliche andere Abzocker sollten sich schämen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Richie Rich am 24.03.2011 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Na und?

    Willkommen in der amerikanisierten Lohnwelt! Was regt man sich auf? 1.5 Mio. sind verglichen mit anderen Branchen ganz ok. Dass sich eine KMU diese löhne nicht unbedingt auszahlen kann, ist verständlich. Aber bei einem weltweit tätigen Konzern halt schon. Lassen wir doch mal die Neiddiskussion. Es wäre anders, wenn die UBS immer noch am Tropf des Staates hängen würde, dann wäre es eher problematisch.

  • Marc am 15.03.2011 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    1.5 Mio ist ok

    Was regen sich denn hier alle so auf. 1.5 Mio sind ok für diesen Job. Jeder CEO einer grossen Firma (nicht nur Banken) verdient diesen Lohn. Ich will seinen Job auch nicht für dieses Geld. 16 Stunden Arbeit jeden Tag, kein Privatleben mehr etc. Gönnt es ihm doch. Wir reden hier noch von den 8 oder 10 Mio Abzocke die sein Vorgänger hatte. Und der Bank geht es tatsächlich wieder besser. So schlecht kann er seinen Job nicht gemacht haben.

  • nelja am 15.03.2011 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    Von wegen Abzocker..

    hört doch endlich auf mit eurem Gerede über Abzocker!1,5 Mio. ist nichts im Vergleich dafür,was ein Präsident einer solchen Unternehmung leisten und arbeiten muss!Der arbeitet nicht von 8.00 bis 17.00, sondern ist meist schon vor 7.00 Uhr und bis 20.00 im Büro anzutreffen & muss zudem IMMER erreichbar sein. Auch nachts und am Wochenende oder in den Ferien! Zudem hat er eine Verantwortung für mehrere Hundert/Tausende Angestellte! Wenn er einen Fehler macht, kann dies vielen Anderen den Arbeitsplatz kosten.Redet nicht von Dingen, von denen Ihr keine Ahnung habt!!(Nur weil ihr weniger verdient..)

  • MacMike am 15.03.2011 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    Diese Boni der Grossbanker ist nervig

    Diese ewigen ungerechtfertigt hohen Bankerboni's... Unverständlich 50% der schweizer Einwohner muss mit einem Jahreseinkommen von 45'000.- auskommen und darf davon noch 1,5 bis 2,5 Monatslöhne dem Papa Staat abgeben. Damit soll Mann / Frau leben können....!!! Geldgier Pfuiiiiiiii......

  • steff walther am 15.03.2011 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    warum so wenig?

    warum nur 1.5 Mio, bei dem Gewinn? Die UBS enttäuscht auf der ganzen Linie. Pro genauso wie Kontra. Bin mal gespannt wenn die Abstimmung dem Volk vorgelegt wird, wieviel die UBS an Gegnerkosten übernimmt. Wahrscheinlich ird sie dann etwas grösszügier sein - wetten?

    • Marco S. am 15.03.2011 14:16 Report Diesen Beitrag melden

      Es Reicht

      So ihr lieben Experten vergleicht mal den Lohn Villigers mit den Löhnen anderer VR Mitglieder von Banken in gleicher Grösse und das AHA Erlebnis wird gross sein. Hört auf mit der ewigen Schiesserei gegen die UBS es reicht habt ihr keine anderen Sorgen?

    • MurtenMan am 15.03.2011 14:44 Report Diesen Beitrag melden

      Veto

      Ich werde IMMER gegen diese Selbstbedienungsmentalität aufbegehren - auch wenn es Ihnen nicht in den Kram passt. Und dass sich andere auch selbst bedienen, ist immer noch kein Entschuldigungsgrund!

    • Marco S. am 15.03.2011 15:11 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt nicht ganz

      @Steff Walther, es ist wohl an Ihnen vorbei gegangen, dass die UBS schon lange gesagt hat, dass sie alle Umkosten bezahlen wird. Der Bund hat dann eine Rechnung gestellt. Dies hat also dann gar nichts mit Abstimmung oder so zu tun. Ich denke auch sie waren in den letzten 10 Jahren froh dass die UBS soviel Steuern bezahlt hat dass sie als Privatperson nicht noch mehr steuern bezahlen mussten.

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