Arbeitslosigkeit steigt

08. Februar 2016 05:39; Akt: 08.02.2016 08:17 Print

13'000 Jobs sind in diesem Jahr in Gefahr

von F. Lindegger - In den ersten Wochen des neuen Jahres wurden in der Schweiz bereits Tausende Stellen gestrichen. Bundespräsident Johann Schneider-Ammann befürchtet weitere schlechte Nachrichten.

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Für Johann Schneider-Ammann gibt es ein grosses Thema während seiner Zeit als Bundespräsident: «Jobs, Jobs und noch einmal Jobs. Ich will Arbeitsplätze für alle – unabhängig von der Ausbildung und dem Alter», erklärte der Wirtschaftsminister im Interview mit 20 Minuten. Doch schon die ersten Wochen im neuen Jahr zeigen: 2016 werden in der Schweiz Tausende Jobs verloren gehen.

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Im Januar kündigte der US-Konzern General Electric an, hierzulande 1300 Stellen zu streichen. Vergangene Woche teilte die Swisscom mit, bis zu 700 Kündigungen auszusprechen und die Credit Suisse will den Abbau von mehreren Tausend Stellen beschleunigen. Davon betroffen sind auch rund 1600 Arbeitsplätze in der Schweiz. Zudem haben KMU in diesem Jahr bereits hunderte Stellen gestrichen, so etwa Sauter in Basel, die 100 Stellen nach Deutschland verlagern.

Höhere Arbeitslosenquote erwartet

«Weitere schlechte Nachrichten werden wahrscheinlich folgen», erklärt Bundespräsident Schneider-Amman nun in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». Zudem prophezeit er einen Anstieg der Arbeitslosenquote: «Die tiefe Arbeitslosigkeit können wir wohl nicht ganz halten», so der Wirtschaftsminister.

Die Expertengruppe des Bundes geht davon aus, dass die Arbeitslosenquote 2016 im Vergleich zum Vorjahr von durchschnittlich 3,3 Prozent auf 3,6 Prozent steigen wird. Trifft dieses Szenario ein, würde die durchschnittliche Zahl der Arbeitslosen in diesem Jahr um rund 13'000 auf über 155'000 ansteigen. Nicht eingerechnet sind dabei die rund 100'000 arbeitslosen Personen, die nicht bei einem Regionalen Arbeitsvermittlungsamt registriert sind.

Soll der Staat eingreifen?

Während der starke Franken bei den Ankündigungen von General Electric, Credit Suisse und Swisscom wohl nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat, leidet die Industrie weiterhin unter der Aufhebung des Euro-Mindestkurs. «Das volle Ausmass der Folgen der Überbewertung des Schweizer Frankens wird sich erst im Verlauf des Jahres 2016 zeigen», sagte Ivo Zimmermann, Sprecher des Branchenverbands Swissmem, kürzlich zu 20 Minuten.

Attraktive Rahmenbedingungen wie weniger Bürokratie, Sicherung des bilateralen Wegs und eine starke Sozialpartnerschaft helfe den Unternehmen am meisten, um die Herausforderungen des starken Frankens zu bewältigen, ist Schneider-Ammann überzeugt. Staatliche Interventionen seien hingegen kein geeignetes Mittel zur Rettung der Industrie: «Das haben andere Länder versucht, sie stehen nun vor Scherbenhaufen», so der Bundespräsident.

Nach dem Abbau von 1300 Stellen im Kanton Aargau durch General Electric kritisierten die Gewerkschaften den schwachen Kündigungsschutz für Angestellte in der Schweiz und verschiedene Politiker sprachen sich für eine aktivere Industriepolitik aus. Und auch Martin Neff, Chefökonom der Raiffeisenbank, fordert zur Bewältigung des Frankenschocks vom Bund Unterstützung für die Wirtschaft. In Branchen, wo «Hoffnung bestehe», soll der Staat Firmen unter die Arme greifen. Etwa durch eine Wechselkursabsicherung.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Arbeitnehmer am 08.02.2016 06:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es reicht !!

    Es reicht nun aber definitiv. Im 2015 sind erneut 70000 Leute eingewandert und unsere Arbeitslosigkeit steigt und steigt. Politik und Wirtschaft, jetzt wird MEI umgesetzt und zwar sofort. Und was macht eigentlich die SP in dieser Situation - genau, hilft der EU.

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  • Alcatron am 08.02.2016 05:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mindestkurs

    Jahrelang wurde der mindestkurs künstlich oben behalten und quer finanziert. Gehts um die eigenen Leute wundert man sich und fragt soll der Staat helfen? Der Staat wird erst aktiv wenn er merkt dass die Steuern nicht mehr bezahlt werden können weil zuviele ausgesteuert sind.

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  • Karl am 08.02.2016 05:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Politik

    Die Firmen verschieben due ue50 an der Politik. Zu alt= zu teuer! BVG Beitraege machen diese MA unguenstig. Von Ostlaender werden junge MA reqruitiert.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ROLAND am 09.02.2016 18:52 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitslosigkeit

    Es wäre wohl einmal an der Zeit, dass der zur Zeit machtlos und müde wirkende Bundesrat (Schneider-Ammann) und (S.Somaruga) endlich etwas Qualität und Willenskraft aufzeigen würden, um endlich etwas gegen die steigende Arbeitslosigkeit unserer CH-Bürger zu unternehmen und nicht immer mit fadenscheinigen und undurchsichtigen Ausreden daherzukommen. Solche Bundesräte sind wenn man es genau nimmt, ihres Amtes aus heutiger Sicht überhaupt nicht fähig und entsprechend qualifiziert.

  • ROLAND am 09.02.2016 18:17 Report Diesen Beitrag melden

    HILFE

    Weiss jemand, wer den über 50-jährigen, gut qualifizierten und arbeitswilligen Menschen weiterhelfen könnte? Diese hätten es z.T. sehr nötig und wären erfreut, wenn sie ihr Wissen, ihr Know-How und ihre Erfahrungen weiter einsetzen und weitergeben könnten. Auch könnten davon auch jüngere Mitarbeitende in einem Unternehmen bestimmt davon profitieren und das Unternehmen erst recht.

  • Axel am 09.02.2016 09:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Quittung der Zuwanderung

    Was ich schon immer gesagt habe, jetzt haben wir die Quittung der masslosen Zuwanderung! Das ist erst der Anfang!!! Es wird noch viel schlimmer werden...!!!

    • Max Müller am 09.02.2016 11:31 Report Diesen Beitrag melden

      @Axel

      Ganz Ihrer Meinung. Einem Freund der sich auf eine Stelle bei einer Bank beworben hat, wurde beim Vorstellungsgespräch unverblümt ins Gesicht gesagt, dass man zuerst versucht hat jemand aus Polen zu finden, dann in Deutschland gesucht hat und erst dann in der Schweiz gesucht hat. Ist das richtig? Des weiteren ist der Kündigungsschutz in der Schweiz so lasch, das bei uns in der Firma zuerst in der Schweiz Mitarbeiter entlassen warden und dann im Ausland. Da im Ausland (Frankreich, Deutschland) die Firma eine Abfindung zahlen müsste.

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  • ROLAND am 09.02.2016 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Rechenschaft

    Unsere Politiker, angefangen von Bundesrat, National- u. Ständerat bis hin zu den Kantonspolitikern versagen so ziemlich komplett. Es wäre gut, wenn es für sämtliche Politiker eine Benotung, d.h. ein Bonus-/Malussystem geben würde und man deren Leistungen klar beurteilen könnte. Zudem bin ich fest überzeugt, dass wenn jeder Politiker für seine Handlungen geradestehen müsste und auch zur Rechenschaft gezogen werden könnte, viele Aussagen, Versprechungen und Entscheidungen ganz anders ausfallen würden. So können sich diese Politiker, allen voran BR eigentlich so alle Freiheiten herausnehmen.

  • enosse am 09.02.2016 09:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eidg

    ou ja, damit wäre der schweizer marktplatz bestimmt noch attraktiver für investoren ;-) toll wie weit sie denken.