Roche & Novartis

01. März 2011 14:34; Akt: 01.03.2011 14:51 Print

135 Millionen für Basler Pharma-Topmanager

von Hans Peter Arnold - Nach Novartis haben heute auch die Aktionäre von Roche die Anträge des Verwaltungsrates durchgewinkt - ohne Abstriche in der Salärpolitik.

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Roche-Präsident Franz Humer (rechts) verdiente im vergangenen Jahr über 10 Millionen Franken; Konzernchef Severin Schwan (links) 11,4 Millionen Franken.

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Die Kritik an den hohen Salären prallte an Verwaltungsratspräsident Franz Humer wirkungslos ab. So muss man sich offenbar an die im abgesegneten Geschäftsbericht enthaltenen Millionen-Saläre gewöhnen. 53,4 Millionen Franken beträgt bei Roche die Vergütung an Konzernleitung und Verwaltungsrat. Allerdings ist dieser Gesamtbetrag bei Novartis mit 82 Millionen Franken um 53 Prozent höher, wie 20 Minuten Online errechnet hat.

Immerhin schreiben beide Konzerne satte Gewinne. Bei Novatis ist der Gewinn rund 100 Mal höher als die Gesamvergütung der Konzernspitze. Bei Roche ist das Verhältnis noch etwas besser: Die Vergütung beträgt 0,6 Prozent des Nettogewinns.

Bemerkenswert: Zurzeit bewertet die Börse beide Konzerne auf rund 120 Milliarden Franken - Novartis rund 600 Millionen Franken höher. Die Top-Saläre von Novartis betragen 0,07 Prozent des Marktwertes des Konzerns; bei Rochen beträgt dieses Verhältnis 0,04 Prozent.

«Neue Lohnexzesse seien nur eine Frage der Zeit»

Also alles nur halb so schlimm? Die Gewerkschaft Travail Suisse ist nach der heutigen Generalversammlung von Roche enttäuscht. Die tieferen Boni würden einfach durch ein höheres Basissalär kompensiert. So ändere sich letztlich nichts und die Lohnschere - Verhältnis von Höchstlohn zu Tiefstlohn im Unternehmen - bleibe mit 1 zu 115 immer noch zu hoch, schreibt Travail Suisse. Eine stärkere Gewichtung der Fixlöhne sei eigentlich wünschenswert. Die Art, wie dieser Übergang allerdings praktiziert werde, erachtet Travail Suisse jedoch als äusserst fragwürdig. «Neue Lohnexzesse sind nur eine Frage der Zeit.»

«Ein Mitarbeiter mit dem tiefsten Lohn müsste 173 Jahre arbeiten»

Dass der Lohn des VR-Präsidenten und ehemaligen CEO Franz Humer auf maximal 11 Millionen Franken inklusive aller variablen Bestandteile beschränkt, genügt der Gewerkschaft nicht. Die Begrenzung der Vergütung des VR-Präsidenten sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung. Doch es wäre fehl am Platz, von einer neuen Bescheidenheit zu sprechen. Travail Suisse wörtlich: «Noch immer müsste eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter mit dem tiefsten Lohn im Unternehmen 173 Jahre arbeiten, um den Jahresverdienst von Humer zu erreichen.»

Im Vorfeld wie auch während der Generalversammlung wurden zudem die vorgeschlagenen neuen Verwaltungsräte kritisiert. So lehnte die Anlagestiftung Ethos die Zuwahl von Shell-Chef Peter Voser in den Verwaltungsrat ab. Ethos-Direktor Dominique Biedermann kritisierte seine Fehlleistungen im Rahmen seines Verwaltungsrats-Mandates bei der UBS.

Kritik an zu grossem Verwaltungsrat

Der Vermögensverwalter Z-Capital wehrte sich zudem gegen die Zuwahl von Lufthansa-Chef Christoph Franz. «Wir sind der Meinung, dass das Gremium heute schon zu gross ist. Und durch die Zuwahl wird es noch grösser», sagt Gregor Greber, Partner des Fondsmanagers Z-Capital, gegenüber 20 Minuten Online. Zu grosse Verwaltungsrats-Gremien würden einer so genannt guten Unternehmensführung widersprechen. Da der weitaus grösste Teil der Entschädigung im Roche-Verwaltungsrat auf Humer entfällt, hätte eine Verkleinerung des Verwaltungsrates in finanzieller Hinsicht nur einen geringfügigen Einfluss gehabt. Kaum Opposition gab es im übrigen an der Generalversemmlung bei der dritten Zuwahl in den Verwaltungsrat; der Nestlé-Chef Paul Bulcke war unbestritten.