Affäre Hildebrand

07. Januar 2012 23:30; Akt: 09.01.2012 13:00 Print

E-Mail-Beweis und Selbstmord-Versuch

Der Fall Hildebrand geht weiter. Die Frau des Nationalbankpräsidenten soll die umstrittene Transaktion nachweisbar selber getätigt haben. Indes wollte sich der Sarasin-Dieb das Leben nehmen.

storybild

Der Sarasin-Mitarbeiter, der die Informationen über Hildebrands Konto weitergegeben hat, wollte sich das Leben nehmen. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

In den umstrittenen E-Mail-Verkehr zwischen der Frau des Nationalbankpräsidenten und dem Kundenberater der Hildebrands bei der Bank Sarasin, Felix S., hatte die «SonntagsZeitung» Einblick. Dieser belegt, dass Frau Hildebrand den Auftrag selber gegeben hat. Der übersetzte Wortlaut: «Lieber Felix, wie besprochen möchten wir unsere FX-Position von 31 auf 50 Prozent erhöhen.» FX steht für Fremdwährung. Im Original heisst es «we would like to».

Kashya Hildebrand hat demnach zumindest im E-Mail an den Kundenberater den Eindruck erweckt, die Transaktion erfolge nach Absprache mit ihrem Mann Philipp. Ob sie das bewusst und auch im Telefonat tat, ist offen. Felix S. jedenfalls erwirbt, wie von Kashya Hildebrand gewünscht, die Dollars. Um 14.50 Uhr antwortet er, der Auftrag sei ausgeführt worden. Dem E-Mail angefügt ist ein Formular, welches das Ehepaar Hildebrand gegenzeichnen soll.

Philipp Hildebrand antwortet tags darauf (ebenfalls auf englisch): «Lieber Felix, liebe Kashya, aus Gründen der Compliance (interne Kontrolle) seid ihr künftig nicht mehr berechtigt, Devisentransaktionen auszuführen, es sei denn, der Auftrag kommt von mir oder ich bestätige ihn.»

Hildebrand will E-Mails offenlegen

Dieser E-Mail-Verkehr soll gemäss Informationen des «Sonntags» von Philipp Hildebrand persönlich offengelegt werden. Schon morgen Montag wolle der SNB-Chef zum nächsten Befreiungsschlag ausholen und Parlamentariern das E-Mail offenlegen, welches zweifelsfrei belegen soll, dass nicht er, sondern seine Ehefrau die heikle Dollar-Transaktion vom 15. August in Auftrag gab.

Quelle für diese Information ist ein Mitglied der nationalrätlichen Wirtschaftskommission. In einer Sitzung dieser Kommission soll die Offenlegung des Mails stattfinden. Daran nehmen nebst Hildebrand auch Bankratspräsident Hansueli Raggenbass und Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf teil.

Bereits mit eigenen Augen gesehen habe das Mail Kurt Grüter, der Direktor der eidgenössischen Finanzkontrolle. «Aus den Kontounterlagen ist nicht ersichtlich, wer den Auftrag erteilte», sagt dieser. Aus dem E-Mail-Verkehr allerdings sehr wohl: «Diese E-Mails belegen, dass der Auftrag für diese Transaktion von Frau Hildebrand kam und nicht von ihm», so Grüter im «Sonntag».

Selbstmord-Versuch des Datendiebs

Bereits am Samstag wurde vermeldet, dass der 39-jährige Sarasin-Dieb untergetaucht ist und sich in einer psychiatrischen Klinik aufhält.

Laut der «SonntagsZeitung» wollte er sich das Leben nehmen. Das hätten mehrere unabhängige Quellen gegenüber dem Blatt bestätigt. Der Mann, der bei der Privatbank Sarasin Informationen über das Konto Hildebrands entwendet und weitergegeben hat, sei in einer geschlossenen Abteilung des Thurgauer Kantonsspitals Münsterlingen interniert worden.

Offenbar sei auch das Gerücht aufgekommen, der Mann habe sich mit einer Pistole umbringen wollen oder damit herumgeschossen. Dies dementierte die Kantonspolizei Thurgau allerdings umgehend. Es sei «in keiner Art und Weise eine Schusswaffe im Spiel gewesen».

(feb/jam)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto Imhof am 09.01.2012 01:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wie hoch ist die Beweiskraft von Emails?

    Welche Beweiskraft können den Emails haben? Nichts ist einfacher zu manipulieren. Für die Bank Sarasin war Hildebrand's Frau auch eine gute Informationsquelle. Wer will denn schon gegen die Notenbank spekulieren?

    einklappen einklappen
  • Ulrich am 08.01.2012 13:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SNB an allem Schuld

    Aus allem was man jetzt weiss, hat der Wirbel mit dem reinwaschen-communiqué der SNB vom 23.12.2011 begonnen. Ohne diese Nachricht hätte niemand zu fragen angefangen. Hätte es später ein Leck gegeben, wäre sofort klar gewesen, dass nur die SVP dahinter stecken könnte. Da Blocher aber schweigt, schliesse ich einmal mehr daraus, dass man gerne der SVP wieder einen Strick drehen möchte.

    einklappen einklappen
  • Daniel T am 08.01.2012 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Heikel

    Wer den Auftrag gegeben hat ist irrelevant, heikel ist aber, dass die Frau Insider Informationen hatte über die Divisenkorrektur und konnte dadurch einen Riesengewinn machen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Reto Imhof am 09.01.2012 01:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wie hoch ist die Beweiskraft von Emails?

    Welche Beweiskraft können den Emails haben? Nichts ist einfacher zu manipulieren. Für die Bank Sarasin war Hildebrand's Frau auch eine gute Informationsquelle. Wer will denn schon gegen die Notenbank spekulieren?

    • Bea Wüst am 09.01.2012 08:33 Report Diesen Beitrag melden

      Absolut Ihrer Meinung

      E-Mails als Beweis ist schlicht und einfach lachhaft. Aber wer so mächtige Freunde hat, wie Hildebrand muss sich vor nichts fürchten. Schon gar nicht in der Schweiz.

    einklappen einklappen
  • C. E. am 08.01.2012 23:45 Report Diesen Beitrag melden

    Strafgesetzbuch Artikel 161

    Interessant finde ich, dass nun alles i.O. sein soll, weil seine Frau (angeblich) den Kaufauftrag gegeben ha. Aber: Laut SR Artikel 161 macht sich auch z.B. der Ehepartner schuldig, der Insider Informationen mitbekommen hat, wenn er daraus finanzielle Vorteile zieht. Sollte also aller Ernstes der gute Herr Hildebrand nicht mitbekommen haben, dass seine Frau eine halbe Million $ gekauft hat, würde einfach die Schuld von Herrn Hildebrand an seine Frau weitergeschoben werden. Daher fraglich, wesshalb nicht gegen die Familie Hildebrand ermittelt wird.

    • Thomas am 09.01.2012 08:44 Report Diesen Beitrag melden

      Insiderwissen?

      Dann habe ich auch Insiderwissen genutzt, als ich kurz vor dem festlegen des mindest Kursbetrages Euro für den privaten Gebrauch gekauft hatte. Weiss gar nicht wer in dieser Bank arbeitet noch wo diese Bank ist. Es war eine intuitive Entscheidung gewesen. Das alle sist doch aus der Luft gegriffen. Wenn man jemanden anschwärzen will, wird heut zutage mit immer minderen Mitteln gehandelt. So ist das heutige Leben. Jedes Mittel soll also rechtens sein um jemandem zu schaden? Datendiebstahl ist schlimmer und es wurde ganz klar gegen den Bankenkodez verstossen.

    einklappen einklappen
  • Markus Kriens am 08.01.2012 22:13 Report Diesen Beitrag melden

    Die saubere Weste ist beschmutzt

    Wenn angesehene und integre Personen in leitender Position nicht die Kontrolle ihres Ehegatten bei solchen T ranaktionen haben, so haben sie die Konsequenzen zu tragen! Der gute Ruf ist definitiv angeschlagen und der Abgang ist unumgänglich auch wenn durch vom Familienglied lukrative Devisen Transaktionen nebenbei in 5-stelligen Summen gemacht wurden.

  • Angestellter am 08.01.2012 21:50 Report Diesen Beitrag melden

    Schuster bleib bei deinen Leisten

    Ich bin zwar nur ein kleinder leitender Angestellter. Ich habe einen Lohn der mir ausreicht um leben zu können. Es würde mir aber nie einfallen, während oder ausserhalb meiner Arbeitzeit in der gleichen Branche Geschäfte privat zu machen, selbst wenn das der Arbeitsvertrag zuliesse.

  • U.Wildh. am 08.01.2012 20:52 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist wahr?

    Hier wird alles versucht um das der Frau in die Schuhe zu schieben aber vieleicht kommt die wahrheit doch noch ans Licht!

    • hugo am 09.01.2012 12:10 Report Diesen Beitrag melden

      was nicht sein darf..........

      und weshalb soll es nicht so gewesen sein, wie's beschrieben wird? Einfach deshalb, weil hier eine "unschuldige" frau angeblich verunglimpft wird und was nicht sein darf, kann nicht sein?

    einklappen einklappen