Immobilienbetrug

20. Februar 2012 12:52; Akt: 20.02.2012 14:04 Print

220 Personen in Betrug verwickelt

Immobilienhändler sollen mit gefälschten Dokumenten überhöhte Hypothekarkredite erschlichen haben. Jetzt stehen die Drahtzieher, aber auch Vermittler und Käufer vor Gericht.

Zum Thema
Fehler gesehen?

In den kommenden zwei Wochen stehen 19 Personen vor dem Kreisgericht St. Gallen. Bei ihnen handelt es sich um Vermittler und Käufer von Häusern und Eigentumswohnungen. Die vier Hauptangeklagten werden sich zu einem späteren Zeitpunkt vor Gericht verantworten müssen. Die Termine ihrer Gerichtsverhandlungen stehen noch nicht fest.

Die St. Galler Staatsanwaltschaft hat in diesem komplexen Fall von Immobilienbetrug gegen mehr als 220 Personen ein Verfahren eröffnet. Ein überwiegender Teil wurde per Strafbefehl zu einer bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe verurteilt. Diese Verfahren konnten in der Zwischenzeit grossmehrheitlich erledigt werden.

Hauptangeklagten droht Gefängnis

Über 20 Anklageschriften hat die Staatsanwaltschaft ans Kreisgericht St. Gallen überwiesen. Den Beschuldigten wird Erschleichung einer falschen Beurkundung, teilweise auch Betrug, Urkundenfälschung und Anstiftung zur Erschleichung einer falschen Beurkundung vorgeworfen.

Ihnen drohen bedingte Geldstrafen oder bedingte Freiheitsstrafen von bis zu 24 Monaten. Welches Strafmass die Staatsanwaltschaft für die vier Hauptangeklagten beantragt, steht noch nicht fest. Es dürfte aber bei über fünf Jahren Freiheitsstrafe liegen.

Kauf ohne Eigenkapital

Die betrügerischen Immobilienhändler gingen professionell vor: Sie brachten Käufer dazu, Wohneigentum ohne Eigenkapital zu erwerben. Dies jedoch verschwiegen sie bewusst den Grundbuchämtern und Notariaten, die somit den Verkauf der Liegenschaften und Wohnungen mit falschen Angaben beglaubigten.

Ziel war es, von Banken und Versicherungsinstituten eine überhöhte Hypothekarfinanzierung zu erhalten. Teilweise verpflichteten die Immobilienhändler die Käufer, einen Totalunternehmer-Vertrag abzuschliessen. Darin verpflichteten sie sich, die Wohnungen bei der Immobilienfirma sanieren zu lassen.

Für ihr unseriöses Geschäft heuerten sie auch Vermittler an, die sie über Zeitungsinserate anwarben. Sie köderten sie mit hohen Prämien für jeden abgeschlossenen Kaufvertrag. Als der Betrug aufflog gerieten nicht nur die Hauptangeklagten, sondern auch die Vermittler und die Käufer in die Mühlen der Justiz.

Banken und Versicherungen geprellt

Mit ihrem Vorgehen führten die Immobilienhändler Banken und Versicherungsinstitute bewusst hinters Licht. Sie zahlten Hypothekarkredite aus, die den wahren Wert der Liegenschaften weit überstiegen und erlitten finanziellen Schaden. Die Summe ihres Verlustes ist in den Anklageschriften nicht beziffert.

Es ist aber davon auszugehen, dass sich die Kreditausfälle der Banken im zwei- bis dreistelligen Millionenbetrag bewegen. Die Staatsanwaltschaft ermittelte in diesem Fall von Immobilienbetrug während sieben Jahren. Die Akten füllen rund 800 Bundesordner.


(sda)

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Radaumann am 20.02.2012 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Geld, Geld, Geld

    Ohne Betrug scheint wohl nichts mehr zu gehen. Wieviele solche Betrugsfälle sind wohl noch nicht entdeckt worden. Der Ruf wird immer schlimmer

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Radaumann am 20.02.2012 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    Geld, Geld, Geld

    Ohne Betrug scheint wohl nichts mehr zu gehen. Wieviele solche Betrugsfälle sind wohl noch nicht entdeckt worden. Der Ruf wird immer schlimmer

    • liz link am 20.02.2012 15:11 Report Diesen Beitrag melden

      frau

      Die Blase platzt nun auch in der Schweiz... das haette man schon lange sehen muessen.... genau so wie in Amerika...das haette man schon lange sehen muessen. Das tut mir wirklich leid,,

    einklappen einklappen