Retail-Studie

03. Februar 2011 16:10; Akt: 03.02.2011 16:18 Print

300 Marken bleiben aussen vor

von Gérard Moinat - Mangels Ladenfläche in Schweizer Städten könnten viele Marken gar nicht in die Schweiz expandieren, behauptet eine Studie. Aber: Wollen wir das überhaupt?

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Desigual geht im August nicht an die Bahnhofstrasse sondern ins Glattzentrum. (Bild: Keystone)

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Internationale Modeketten wie All Saints Spitalfields, Brooks Brothers, Forever 21 und Uniqlo suchen in den Schweizer Städten vergebens nach Einzelhandelsflächen. So lautet das Ergebnis einer Detailhandels-Marktstudie.

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«Uns liegen Anfragen von über 300 internationalen Brands vor, die in der Schweiz derzeit nach Ladenflächen suchen», bestätigt Marc-Christian Riebe, CEO der Location Group und Autor der Studie gegenüber 20 Minuten Online. An den Top-Standorten sei jedoch zu wenig Ladenfläche vorhanden, behauptet er.

Gewissheit besteht darüber: Die hohe Kaufkraft der Schweizer lockt. Deshalb ist Louis Vuitton an Schweizer Top-Lagen ebenso präsent wie Cartier oder Hermès. Offenbar wollen nun auch internationale Modeketten aus der zweiten und dritten Reihe die Schweiz erobern.

Geld ist nicht alles

Wenn zahlungskräftige Kunden Schlange stehen, sollten an sich die relativ hohen Mieten nicht abschrecken. Doch Geld sei nicht alles, meint Riebe. Selbstverständlich würden die Interessenten das nötige Kleingeld benötigen, um eine Immobilie zu mieten oder zu kaufen. Allerdings: Vielen Geschäften fehle das richtige Netzwerk. Oder sie würden den Anforderungen der Eigentümer nicht gerecht.

Ein weiterer Grund, weshalb viele scheitern, sei der begrenzte Platz. Anders als in München konzentriere sich in Zürich alles auf die eine Bahnhofstrasse. Er verschweigt dabei, dass auch andere Standorte wie der Flughafen Zürich oder das Glatt-Zentrum durchaus attraktiv sind.

Die spanische Modemarke Desigual beispielsweise, die mit halbnackten Einkäufern für Furore sorgte, kommt dieses Jahr in die Schweiz. Anstatt an der Bahnhofstrasse aber soll sie ihren ersten klassischen Laden in der Schweiz im August im Glatt-Zentrum eröffnen.

Zahlen nicht nachvollziehbar

Armin Zucker, Präsident des Verbands der Geschäftsmieter, zeigt Verständnis für die Problematik: «Grundsätzlich stimmt es schon, dass die Nachfrage nach Ladenflächen das Angebot übersteigt.» Doch er fügt an: Der Nachfrage-Überhang ist meines Wissens nicht so dramatisch wie in der Studie dargestellt.» Gerade die Zahl von 300 Anfragen internationaler Brands für Schweizer Läden kann er weder bestätigen noch nachvollziehen.

Überhaupt sei die Studie mit Vorsicht zu geniessen: «Derartige Studien verfolgen den Zweck, die Preise noch weiter künstlich nach oben zu pushen», ist Zucker überzeugt.

Im Übrigen fällt auf, dass einige der erwähnten Marken auch in unseren Nachbarländern nicht vertreten sind: Das gilt zum Beispiel für kalifornische Marke Forever 21, welche in Europa nur in England und Irland Shops unterhält.

«Mondpreise» führen zu schlechtem Mieter-Mix

Gemäss Riebe gehört die Zürcher Bahnhofstrasse mit einem Quadratmeter-Preis von 10 256 Franken nach New York und Hongkong zu den teuersten Pflastern der Welt. Die fatalen Folgen dieser «Mondpreise», wie Zucker die astronomisch hohen Quadratmeterpreise an der Bahnhofstrasse beispielsweise nennt, sei die Verdrängung alteingesessener Läden. «Und das endet in einem schlechten Mieter-Mix und einer einseitigen Produktepalette.»

Verarme die Produktepalette, indem nur noch Luxus- und internationale Modeketten vertreten sind, sehe eine Bahnhofstrasse irgendwann genau gleich aus wie eine Fifth Avenue in News York oder eine Champs-Elysées in Paris. Sprich: «Wie eine langweilige, gesichtslose, öde und damit austauschbare Einkaufsmeile», enerviert sich Zucker. Er ist überzeugt: «Viele Leute wollen das nicht.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roman Kaufmann am 03.02.2011 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Internetshop

    ...die "Ware" in einem Geschäft anprobieren, die grösse merken und dann den gleichen Artikel im internet für ein x-faches günstiger einkaufen! Man wartet zwar ein bis 2 Wochen, spart jedoch enorm.

  • Starökonom am 03.02.2011 16:29 Report Diesen Beitrag melden

    EZB in der graue Zone

    Nach den Worten von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet erfordert die Inflationsentwicklung eine sehr genaue Beobachtung. Das Zinsniveau sei aber angemessen, fügte er hinzu. Für wen ?

  • Tom Dubach am 03.02.2011 17:55 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Lust auf diese Labels!

    Schon jetzt ärgere ich mich grausam, wenn im C*****ys auf der Etikette CHF 159 und EUR 69.90 (für F, D, E...) steht. Das macht einen EURCHF-Kurs von 2.27!!! So viel höher ist unsere Kaufkraft auch nicht! Da mache ich lieber einen Städtetripp nach London, NY, Berlin, Barcelona, Mailand etc. und kaufe dort diese Kleider (wenn überhaupt). Mit dem "Gespahrten" finanziere ich mir die Reise.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ostschweizer am 04.02.2011 08:11 Report Diesen Beitrag melden

    Gesellschafts Blödsinn'

    Was für eine kranke Gesellschaft! Ueberfluss zum abwinken. Und immer noch nicht genug?

  • Isler am 04.02.2011 00:41 Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit bedeutet Optionen

    Freiheit bedeutet Optionen. Wenn die baurechtlichen Hürden und die vielen öffentlichen Einsprachen nicht wären hätten wir rund 2-3% mehr Wachstum. Mehr Wachstum bedeutet mehr Arbeitsplätze, mehr Lohn und mehr Geld im Portemonnaie.

    • Andrea am 04.02.2011 07:06 Report Diesen Beitrag melden

      Wachstum oder Qualität

      bedeutet weniger Platz. Die Erde wächst nicht mit, wann begreift die Wirtschaft das endlich? Warum immer Wachstum? Warum nicht Qualitätsverbesserung? Wäre viel gescheiter. Für alle Beteiligten.

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  • Anon am 03.02.2011 19:25 Report Diesen Beitrag melden

    Wollen wir das überhaupt?

    Unbedingt.

    • Karina am 03.02.2011 21:40 Report Diesen Beitrag melden

      MEHR AUSWAHL!

      Ganz klar!!! Alle laufen in Zürich genau gleich rum! H&M, Zara und Mango und bei den Teenies ist es Zebra, Tally Wejl, H&M und Chicoree. Das kanns doch nicht sein! Ich will mehr Auswahl!

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  • Thomas Meister am 03.02.2011 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    Autor der Studie

    Herr Riebe ist Deutscher und macht sich in letzte Zeit in den Medien breit. Er kennt halt die Schweizer Verhältnisse nicht besonders gut, zB. besteht Zürich bei weitem nicht nur aus der Bahnhofstrasse. Da gibt es neben den erwähnten Orten auch das Sihlcity, die Viaduktbögen etc.

  • magie am 03.02.2011 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Wie langweilig

    Herr Zucker hat recht. Als ich mehrere Jahre in USA lebte, fand ich das langweilig: Über den ganzen Kontinent in jeder Stadt bis Town dieselben Kleidermarken, dieselbe Confitüre von Hilton bis privates Inn, Hamburger standardisiert von McDonald bis Kellerbar, etc., etc. Da lobten wir "unser" Europa, wo Reisen noch Entdecken war. Aber wollen wir das überhaupt noch?

    • Peter am 03.02.2011 21:41 Report Diesen Beitrag melden

      Nur 1 Strasse

      Sag blos die eine Strasse, die Bahnhofstrasse hast du noch nicht entdeckt?! Ist nämlich alles was wir haben.

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