Zürcher Kantonalbank

02. März 2011 18:30; Akt: 02.03.2011 18:30 Print

375 000 Franken Bonus für geschassten CEO

von Lukas Hässig - Die Sulzer-Affäre erlebt ein letztes Zucken. Die ZKB wurde gerichtlich zu einer nachträglichen Bonus-Zahlung über 375 000 Franken an ihren Ex-Chef Hans Vögeli verknurrt.

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Hans Vögeli geniesst sein Leben heute in Nevada (USA). (Bild: Keystone)

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Der CEO der ZKB, Hans Vögeli, hatte privat auf Sulzer-Aktien spekuliert, während er seiner Bank offiziell verboten hatte, bei der Attacke ausländischer Investoren auf die Industriefirma mitzuhelfen. Als dies publik wurde, musste Vögeli den Hut nehmen. Derzeit lebt er im US-Bundesstaat Nevada im Westen Amerikas. Wer mit dem Ex-Chef der Zürcher Kantonalbank (ZKB) per Mail Kontakt aufnimmt, erhält den Eindruck, dass Vögeli sein Aussteiger-Leben in der amerikanischen Wüste in vollen Zügen geniesst.

Nun kriegt Vögeli noch einen finanziellen Zustupf. Wie die ZKB heute in ihrem Geschäftsbericht für 2010 offenlegt, musste die Bank ihrem einstigen operativen Steuermann 375 000 Franken Bonus nachzahlen.

Schiedsgericht eingeschaltet

Ein gemeinsam einberufenes Schiedsgericht hatte entschieden, dass der Bonus für Vögeli einen wesentlichen Bestandteil der gesamten Entschädigung ausmache. Darauf hat jeder Angestellte ein Anrecht, selbst wenn ihm berechtigterweise gekündigt wurde.

ZKB-Sprecher Urs Vögeli bestätigt den Gerichtsentscheid. «Damit haben sich die Bank und Herr Vögeli über ihren Streit geeinigt, die ZKB wird das Urteil nicht anfechten», sagt Ackermann gegenüber 20 Minuten Online. Die Bank hätte in einigen anderen Punkten Recht erhalten.

Wollte Vögeli eine Million?

Der Sprecher wollte nicht offenlegen, welchen Gesamtbetrag Vögeli von seiner Ex-Arbeitgeberin gefordert hatte. Ein ZKB-Manager, der sich nicht nennen lässt, spricht von über 1 Million Franken, die Vögeli gewollt habe. Vögeli war nicht sofort für eine Stellungnahme erreichbar.

Insbesondere habe Vögeli auf Lohnfortzahlung bis zum ZKB-Pensionierungsalter von 62 gepocht. Das hätte für die Bank vor allem Pensionskassenbeiträge für weitere 5 Jahre bedeutet, für die Vögeli nichts geleistet hätte.

Vögeli spekulierte hinter dem Rücken der ZKB mit Sulzer-Optionen

Gehen musste Vögeli Anfang Mai 2007. Kurz vorher war bekannt geworden, dass seine ZKB beim feindlichen Übernahmeversuch von zwei österreichischen Investoren und dem Russen Viktor Vekselberg massgeblich mitgeholfen hatte.

Das allein hätte noch nicht zum Bruch geführt. ZKB-Präsident Urs Oberholzer war Ende 2006 mit seinem CEO Vögeli überein gekommen, dass dieser per Ende 2007 frühpensioniert würde. An der Regelung hielten beide auch nach Bekanntwerden der Sulzer-Affäre fest.

Nicht mehr tragbar als CEO

Doch wenig später zeigte sich, dass Vögeli auch mit privatem Geld auf eine günstige Entwicklung der Aktien der Winterthurer Industriegruppe spekuliert hatte. Über ein Konto bei der Privatbank Vontobel hatte Vögeli Sulzer-Optionen im Wert von ein paar Zehntausend Franken erworben.

Als das nach Bern gedrungen war, eröffnete die Finma-Vorgängerin Bankenkommission (EBK) dem ZKB-Chef, er sei nicht mehr länger in seiner Funktion als CEO einer grossen Bank tragbar. Wenige Tage später gab Vögeli seinen sofortigen Rücktritt bekannt.

Klausel in Abgangsvertrag verschaffte ZKB Spielraum

Was damals sowohl von ZKB-Präsident Oberholzer als auch CEO Vögeli unter Verschluss gehalten wurde, war die Tatsache, dass es eine Klausel in Vögelis Abgangsbestimmung von Ende 2006 gab, wonach der CEO nur dann Anrecht auf die versprochenen finanziellen Leistungen habe, wenn bis zum Abgang keine groben Fehler zum Vorschein kämen.

Mit Vögelis versteckten Sulzer-Optionen war dies für Oberholzer nicht mehr der Fall. Laut dem Insider war er darauf nicht mehr bereit, die mit Vögeli vereinbarten Konditionen einzuhalten. Vögeli beharrte jedoch auf voller Zahlung, es kam zum Streit, der nun mittels Schiedsgericht und einer Nachzahlung über 375 000 Franken zu Ende gegangen ist.