Zwangsarbeit

07. Juni 2013 18:06; Akt: 07.06.2013 18:06 Print

38 Sklaven schuften für mich

von Dino Nodari - Mindestens 21 Millionen Menschen arbeiten weltweit unter Zwang und ohne Bezahlung. Eine Internetseite berechnet den «Sklaven-Fussabdruck». Unser Wirtschaftsredaktor hat den Test gemacht.

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Die 7-jährige Thaminah Sadiq bei der Arbeit in einer Ziegelsteinfabrik in Pakistan.

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Ich bin ein übler Sklaventreiber. Das muss ich mir jetzt eingestehen. Noch vor wenigen Minuten hätte ich so einen Satz nicht geschrieben. Nein, ich bin nicht naiv und weiss, dass unser Lebensstil auch auf Kosten von Menschen in der Dritten Welt geführt wird. Und ich habe mich damit abgefunden, dass mein CO2-Fussabdruck durchaus verbesserungswürdig ist. Dass aber bis zu 38 Sklaven ausgebeutet werden, damit ich mein Leben so führen kann, wie ich es gewohnt bin, erschüttert mich dann doch. Sklaverei? Das gibt es doch nicht mehr.

Aufgeklärt werde ich von Slaveryfootprint. Die Webseite wird von der Non-Profit-Organisation Fair Trade Fund aus Kalifornien betrieben und vom US-Aussenministerium finanziell unterstützt. Gemäss der Seite werden Sklaven als Menschen definiert, die gezwungen sind zu arbeiten, ohne dafür bezahlt zu werden und denen es nicht möglich ist, etwas an dieser Situation zu ändern.

21 Millionen Sklaven weltweit

Die Menschenrechtsorganisation Anti-Slavery-International geht von mindestens 21 Millionen Menschen aus, die heute als Sklaven bezeichnet werden können. Und 38 davon sollen also für mich arbeiten. Natürlich arbeiten diese Sklaven nicht bei jenen Unternehmen, bei denen ich mein Essen, meine Kleidung oder meine Gadgets kaufe. Die ausgebeuteten Menschen schuften indes bei der Gewinnung von Rohstoffen auf Baumwollfeldern oder Koltan-Minen, werde ich aufgeklärt.

Die Auswertung meines Sklavenbestands funktioniert ähnlich wie der bekannte CO2-Fussabdruck. Elf Fragen zu Wohnsituation, Essen, Kleidung und Gadgets müssen beantwortet werden. Zum Teil können die Antworten mit Detailangaben verfeinert werden. Elf wahrheitsgetreue Antworten und etwa 15 Minuten später kommt die erschütternde Antwort: 38 Sklaven beute ich persönlich aus. Das sitzt. Was hatte ich eigentlich erwartet?

Eine Weltkarte zeigt mir, wo die Sklaven für mich arbeiten. In Usbekistan sind es Kinder, die auf Baumwollfeldern schuften, im Kongo werden Menschen in Kobalt- oder Koltan-Minen zur Arbeit gezwungen und in Indien nötige ich mit meinem Lebensstil Menschen zur Arbeit in Stickerei-Fabriken.

Wirkung nicht verfehlt

Nein, ich kann nicht ausschliessen, dass ich keine Baumwolle aus Usbekistan trage, in meinem Smartphone kein Koltan aus dem Kongo drin ist und die Stickereien auf meinen Shirts nicht in Indien hergestellt wurden. Dennoch - ich bin mir sicher: Der Test ist nicht genau, beleuchtet meine Situation nicht angemessen. Diese Gedanken schiessen mir durch den Kopf. Meine Reaktion zeigt auch, dass die Seite ihre Wirkung nicht verfehlt: Das schlechte Gewissen ist garantiert.

Den Machern von Slaveryfootprint geht es jedoch nicht um das schlechte Gewissen oder um Reue. Nach der Auswertung können die Ergebnisse veröffentlicht werden und es gibt die Möglichkeit, Unternehmen eine Nachricht zu schicken, sie sollen ihre Zuliefererketten untersuchen. Die Aktion will zeigen, dass es einen Markt für Güter gibt, die ohne die Arbeit von Sklaven auskommt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • anderson am 08.06.2013 10:36 Report Diesen Beitrag melden

    Rechnung?

    Klar bin ich auch dagegen, dass Menschen ausgebeutet werden. Wie jedoch wird diese Zahl wohl ausgewertet? Wenn man liest 21 mio Menschen sind versklavt. Mein Fussabdruck liegt bei 47 Sklaven. Ich gehe mal davon aus, dass mindesten 1 mio Menschen in der Schweiz den selben Lebensstandard wie ich haben, da käme man ja bereits auf 47 mio Sklaven?

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  • Julian Bolz am 07.06.2013 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurige Geschichte, aber...

    Das Thema der Sklaverei - aus den Augen aus dem Sinn... Leider, wie man hier sieht, existiert diese Problematik noch weiter. Doch diese Problematik wirft auch Ideen auf! So könnten Asylbewerber als Handlanger eingesetzt und integriert werden. So verbringen sie die Zeit mit einem sinnvollen Beitrag zur Gesellschaft und integrieren sich zu gleich!

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  • B.S. am 07.06.2013 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was für eine

    kranke Welt :(

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jon Doe am 09.06.2013 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    Sklaven 3.0

    Sklaverei ist der Nährboden für den Erfolg des Kapitalismus!

  • Daniel Hofmann am 08.06.2013 20:05 Report Diesen Beitrag melden

    Kolonialzeit

    Die Probleme reichen sehr sehr weit zurück in die vergangenheit. Man muss sich mit der Kolonialzeit mal auseinandersetzen und den Folgen für UNS und jenen Ländern noch Heute. Rebellen regieren hier, Diktatoren dort und alle beuten Ihr Volk knadenlos aus. Um was gehts um GELD. Westliche Rohstofffirmen und Händler wie auch aus der Schweiz, treiben Handel mit jenen um an Rohstoffe zu kommen. Dabei spielt der Mensch für Sie keine Rolle, sondern der Profit. Geht man Ihnen an den Kragen, verlangt das Sie Offenlegen woher Sie welche Rohstoffe zu welchen Bedingungen besorgen, drohen Sie.

  • Markus Wegmann am 08.06.2013 18:47 Report Diesen Beitrag melden

    pro bono

    geht man auf die seite, was schlägt einem als erstes entgegen. DONATE. spenden, so wie Sklaven ausgebeutet wird, so wird ihr leid ausgebeutet

  • Markus am 08.06.2013 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    das gibts auch bei uns!

    Auch bei uns gibts Leute welche unter Zwang und ohne Bezahlung arbeiten müssen.

    • Fraueli am 09.06.2013 09:19 Report Diesen Beitrag melden

      Ja so schaut`s aus

      Ja zB. ich als Mutter. Sklave von 3 Testsoteronträgern und ohne Bezahlung.

    • erwin willden schlumpf am 09.06.2013 11:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Kinder?

      Kriegt man soweit ich weiss freiwillig...

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  • Marco am 08.06.2013 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teuer

    Ohne Sklaven wäre unser Leben un den Industrienationen nicht finanzierbar. Kleider, Untergaltungselektronik und vieles Anderes würde so extrem teuer, dass es niemand mehr kauft oder ALLES wird in den Industrieländer hergestellt. Ware und Lebensmittel von UNS für UNS.

    • UrsZulauf am 09.06.2013 09:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Slave

      Dann heisst es halt sparen bis man sich etwas leisten kann! Traurig kein Herz für Sklaven!SteelDirvor Du wärst einer von denen.Dann gute nacht keine Woche würdest Du überleben!

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