Arbeitskräfte-Notstand

24. Mai 2011 09:34; Akt: 24.05.2011 11:34 Print

400 000 unbesetzte Stellen bis 2030

Zu wenig Pflegefachleute, zu wenig Lehrerinnen und Lehrer, zu wenig Polizisten: Travail.Suisse warnt aufgrund einer Studie vor einem Arbeitskräfte-Notstand.

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2030 könnten bis zu 400 000 Stellen nicht besetzt werden, und das beeinträchtige die Lebensqualität. Grund für den Notstand sei nicht die Überalterung der Gesellschaft, sondern der fehlende Nachwuchs, hiess es an einer Medienkonferenz des Arbeitnehmer-Dachverbands Travail.Suisse am Dienstag in Bern. Um ohne Einwanderung einen Notstand zu verhindern, brauche die Schweiz einen demografie-tauglichen Arbeitsmarkt.

Potenzial im Inland besteht laut Travail.Suisse bei Älteren und bei den Frauen. Laut einer Studie des Büros für arbeits- und sozialpolitische Studien (BASS) könnten etwa die Hälfte der 2030 freien Stellen vergeben werden, wenn sich weniger Menschen frühpensionieren lassen und Frauen vermehrt ausser Haus arbeiten.

Mehr Ferien

Der Verband fordert mehr Investitionen in Bildung und Gesundheit und auch Verbesserungen in Sachen Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Konkret heisse das zum Beispiel mehr Ferien, mehr altersgerechte Arbeitsbedingungen für bessere Gesundheit, ein Vaterschaftsurlaub, mehr Teilzeitstellen, Betreuungseinrichtungen für Kinder und die Pflicht zur Weiterbildung.

Das Büro BASS untersuchte für die Studie Nachfrage und Angebot an Arbeitskräften sowie die Auswirkungen möglicher Massnahmen. Aufgrund eines realen Wachstums von 1 Prozent und Annahmen zur Bevölkerungsentwicklung geht BASS von mehr als 400 000 unbesetzten Stellen im Jahr 2030 aus, sofern keine Gegenmassnahmen ergriffen werden.

Zehn Thesen als Kongressthema

Diese Sicht der demografischen Entwicklung und die Forderungen für Anpassungen hat Travail.Suisse in einem Thesenpapier festgehalten. Dieses soll am 10. September am Kongress von Travail.Suisse von den Delegierten diskutiert und verabschiedet werden.

Travail.Suisse-Präsident Martin Flügel stellte am Dienstag den Medien die zehn Thesen vor. These 1 hält fest, dass der rasche demografische Kollaps nicht eingetroffen sei. Es bleibe Zeit für eine sinnvolle politische Reaktion.

Gemäss These 2 hat die Schweiz es nicht mit dem Problem «Überalterung» zu tun, sondern mit einer «Unterjüngung». Bei den Kindern gebe es eine Lücke.

Laut These 3 ist nicht die Altersvorsorge das Hauptproblem, sondern der Arbeitsmarkt. Es gehe um Arbeitskräfte, die ganz alltägliche und notwendige Arbeiten erledigten und deren Ausbleiben zu einer gravierenden Beeinträchtigung der Lebensqualität in der Schweiz führe.

Investieren statt sparen, postuliert These 4: Investieren in die Arbeitnehmenden und deren Arbeitsbedingungen, in die soziale Sicherheit, den Service public und die offene Gesellschaft.

Weniger Stress und Arbeitsbelastung

Investieren in die Arbeitnehmenden - so These 5 - heisse deren Gesundheit verbessern durch bessere Arbeitsbedingungen und durch die Reduktion von Stress und Arbeitsbelastung.

These 6 verlangt, die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsarbeit für Frauen und Männer müsse zur Selbstverständlichkeit werden. Laut These 7 ist eine gute Bildungspolitik ein Schlüsselfaktor zur Minderung des Arbeitskräftenotstandes. Bildungspolitik müsse stärker auf tief qualifizierte Arbeitnehmende ausgerichtet werden.

These 8 prognostiziert, die Rekrutierung von Arbeitskräften in Europa werde schwieriger. These 9 bezeichnet die Finanzierung der Altersvorsorge als eine bewältigbare Aufgabe. Die zehnte These schliesslich verlangt steigende Löhne in der hauptsächlich staatlichen Care-Ökonomie.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Notstandbefürchtender Leser am 24.05.2011 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Ja klar...

    In 19 Jahren brauchen viele der heutigen Einwanderer auch Pflege und deren Nachkommen auch schulische Ausbildung.

  • Frau Schweizer am 24.05.2011 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Suche Arbeit, bin CH!

    Gebt mir eine Arbeit! Ich bin eine Frau, 56 Jahre alt, kfm. ausgebildet und finde in Luzern KEINE Stelle! Ich könnte SOFORT anfangen! Meine Bewerbungen kommen postwendend retour ...!?! Braucht es da ausländische Arbeitskräfte???

    einklappen einklappen
  • Kommentarleser am 24.05.2011 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Kommentare da unten

    Was nun, kriegen die Jungen keinen Job, oder kriegen die Alten keinen Job? Einmal so, einmal so!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Mayer am 10.07.2011 17:18 Report Diesen Beitrag melden

    Wo fehlen Arbeitskräfte?

    Irgendwas stimmt hier einfach nicht. Die Verbände jammern z.B. dass es zu wenige Junge gibt, die in die Informatik einsteigen. Habe ich da was verpasst? Junge würden sehr gerne einsteigen, aber niemand bietet Arbeitsplätze in dieser Branche an. Und die Banken lagern die Informatik laufend ins Ausland aus, wo sollen denn die Gelernten anschliessend in diesem Job arbeiten?

  • Bernt am 29.06.2011 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz: nur noch ein Markplatz?

    Schneballsysteme sind verboten, weil sie am Ende nie aufgehen. Aber die Schweizer Einwanderungspolitik setzt immer noch auf ein Schneeballsystem das sogenannt "fehlende Leute" immer durch Einwanderung ersetzen will, oder woher will denn T.S innerhalb von 20 Jahren die fehlenden 200 000 Arbeiter auf einmal hernehmen? These 4 welche die offene Gesellschaft (via service public) propagiert zeigt doch implizit in welche Richtung es gehen könnte: Aussereuropäische Einwanderung! Schliesslich wird es in Europa gemäss T.S schwieriger Leute zu rekrutieren.

  • Heiri am 24.05.2011 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    Dann bildet endlich UNSERE Jungen aus!!

    Wenn man das jetzt schon weiss,oder zu wissen glaubt, dann soll man jetzt halt all den willigen motivierten Jungen oder auch Quereinsteigern die Möglichkeit geben diese Ausbildungen zu machen. Aber es ist halt viel einfacher und billiger das Ausland ausbilden zu lassen und unseren Jungen keine Jobs zu geben und dann jammern man müsse jetzt halt die ausgebildeten Ausländer nehmen. Ich bin nicht gegen Ausländer, es wird sie immer brauchen aber jetzt wäre ja die Chance selber Nachwuchs zu fördern. Leider ist es aber so dass die Schwelle für eine Ausbildung extrem hoch gelegt wird.

  • Pesche G. am 24.05.2011 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Panikmache

    Da glaube ich kein Wort. Travail.Suisse will nur die Angst schüren, damit ja weiterhin billige Arbeitskräfte aus dem Ausland geholt werden können.

  • SuperKaos am 24.05.2011 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Manipulation!

    Ist doch alles eine Medienmanipulation auf die Reaktionen gegen die Personenfreizügigkeit...