Unia-Lohn-Studie

10. Juni 2011 18:46; Akt: 10.06.2011 18:46 Print

43 Jahre krampft ein Arbeiter für ein Chef-Salär

Die Lohnschere ist weit offen: Der am schlechtesten verdienende Angestellte eines Schweizer Unternehmens muss im Durschnitt 43 Jahre lang arbeiten, um auf einen Jahreslohn seines Chefs zu kommen.

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Ganz viel Lohn für die ganz oben und ganz wenig Lohn für die ganz unten. (Bild: Keystone)

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Bei 26 der 41 grössten börsenkotierten Schweizer Unternehmen hat sich 2010 die Lohnschere zwischen Topmanagement und Angestellten weiter geöffnet.
Im Schnitt beträgt die Lohnspreizung 1 zu 43. Absoluter Spitzenreiter ist die UBS mit einer Spreizung von 1 zu 139.

Arbeitnehmende im untersten Lohnsegment müssen also 43 Jahre arbeiten, um den Jahreslohn eines Konzernleitungsmitglieds zu erhalten. Dies geht aus einer am Freitag publizierten Studie der Gewerkschaft Unia hervor.

Satte Gewinne

2010 haben demnach die 41 grössten börsenkotierten Schweizer Unternehmen alle einen Gewinn erzielen können - im Gegensatz zum Jahr 2009, als neun Konzerne Verluste hinnehmen mussten. Insgesamt stiegen die Gewinne um 75 Prozent auf den neuen Rekordwert von 83,9 Milliarden Franken.

Am stärksten stiegen die Gewinne in der Nahrungsmittelindustrie und bei den Banken und Versicherungen. Aber auch die Maschinen- und Elektroindustrie konnte wieder ansehnliche Gewinne erzielen.

«Selbstbedienungsmentalität»

Bei den Beschäftigten komme von dem von ihnen erwirtschafteten Erfolg wenig oder gar nichts an, stellt die Unia-Studie fest. Sie hätten 2010 kaum von höheren Löhnen profitieren können. So sei der durchschnittliche Tieflohn in den untersuchten Unternehmen bei 52 829 Franken und damit nur 600 Franken höher als 2009 gelegen.

«Die Selbstbedienungsmentalität der Manager macht offenbar weiter Schule», folgert die Unia. Trotz langjähriger Thematisierung und einer lautstarken Boni-Debatte in der breiten Öffentlichkeit während der Krisenjahre habe sich an der Lohnungleichheit zwischen Spitzenmanagern und Arbeitnehmenden faktisch nichts verändert.

(whr/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sandra am 10.06.2011 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Bedenklich!

    Gut das solche Studien veröffentlich werden, damit die Allgemeinheit auch weiterhin weiss was in den grossen Firmen so abläuft. Ich finde diese Entwicklung sehr bedenklich!

  • J.J. am 10.06.2011 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Gerechtigkeit

    über sowas reden die Bilderberger sicher nicht an ihrer Konferenz...

    einklappen einklappen
  • Hampi am 10.06.2011 20:24 Report Diesen Beitrag melden

    Legalisierter Diebstahl!

    Und der asoziale Zustand wird durch unser Parlament sanktioniert, indem Volksbegehren, die solche Auswüchse verhindern oder mässigen wollen, abgewürgt, verzögert oder verwässert werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Boit am 13.06.2011 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    juhuu, wie viel Wert ist die Arbeit

    Wie viel Wert ist die Arbeit resp. die Verantwortung von Bankern und Managern? 43 x mehr Wert? Heben sich die ehemaligen Söhne und Töchter des Establishments, welche grösstenteils ihr Studium nicht selbst finanzieren mussten (ich weiss wovon ich spreche) wirklich durch den Faktor 43 (oder höher --> UBS) vom gewöhnlichen Arbeiter ab? Sind die "faulen" Arbeiter die "vollgedröhnte" Jugend von damals? Eine solche Haltung zeugt von Ignoranz: Natürlich, der Hahn kräht auf seinem eigenen Misthaufen - Letzlich bleibt aber eine gleichmässige Verteilung von Reichtum, Grundlage für Sicherheit und Ordnung

  • Franz am 13.06.2011 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    juhuu, das hatten wir doch schonmal

    oh ja. bitte lasst uns alles Geld das wir verdienen dem Staat schicken und er verteilt es dann zu gleichen Teilen allen wieder. Lasst uns eine faule Gesellschaft entwickeln in der sich niemand durch harte Arbeit und Unternehmergeist abheben kann. Warum soll ich ein Studium machen, wenn ich danach eh dank Initiativen von Neider nicht viel mehr verdienen kann, als die, die sich in der Jugend lieber ständig volldröhnen, als sich den Weg in die Zukunft zu bahnen. Das klingt doch nach einer grossartigen Welt, oder nicht?

    • Thomas am 13.06.2011 13:36 Report Diesen Beitrag melden

      Jawoll!

      Dito. :-) Genau meine Meinung!

    • Sigi am 29.06.2011 16:29 Report Diesen Beitrag melden

      Franz du wirst ein toller CEO... bravo

      Ich habe mich auch weitergebildet und verdiene gut und kann mir so einiges leisten. Logisch soll man für Fleiss und Initiative belohnt werden. Aber muss ein CEO wirklich in der Arbeitsminute Tausende Franken verdienen? Was rechtfertigt ein solches Salär ausser das man den Hals nicht voll bekommt und nur noch an sich denkt? Sind das wirklich Herrenmenschen nur weil sie studiert haben?

    einklappen einklappen
  • Kalle Wüthrich am 13.06.2011 04:26 Report Diesen Beitrag melden

    43 Jahre sind einfach zu viel

    Ganz egal welche Einstellung man hat, 43 Jahre Arbeit für einen Jahreslohn sind einfach nicht gerechtfertigt. Da kann von mir aus Gott persönlich am Chefpult sitzen, das ist nicht okay. Ein König ohne Volk ist ein Narr, ein Chef ohne Arbeiter ist ein Arbeitsloser. 43 Jahre ist eine fast unvorstellbar lange Zeit. Insgesamt fast die gesamte Arbeitszeit eines Menschenlebens. Selbst ein schwerstbehinderter leistet in jener Zeit deutlich mehr als jeder andere in einem Jahr.

  • Mike am 13.06.2011 01:12 Report Diesen Beitrag melden

    was machen die überhaupt

    Ich möchte einfach mal wissen, was macht ein mein Boss-Boss überhaupt um diesen Lohn zu rechtfertigen? Weil wenn ich bisher eins festgestellt habe, war es folgendes: wenn die einfachen Arbeiter im Betrieb streiken haben wir 0 Produktion = 0 einahmen. Wenn der chef nicht da ist, läuft die produktion weiter, die Ware wird weiter verkauft und der Gewinn ist weiter vorhanen. Das einzigste was ich mitbekomme, ist wenn er die Zahlen einmal im jahr vorliest, die er von der finanzabteilung bekommen hat.

  • Chris Schumacher am 12.06.2011 22:04 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Fragen als Antworten...

    Was sind Angestellte im untersten Lohnsegment genau? Da hat man im Interesse einer aussagekräftigen Studie die Lernenden wohl ausgeklammert, oder? Und wie sieht der Durchschnitt denn ohne den Ausreisser UBS aus? Schade ist die Studie selbst bei der UNIA über keinen funktionierenden Link erreichbar, wäre eigentlich sehr spannende Lektüre... Der Artikel hier gibt nichts mehr her als die Pressemeldung der UNIA, die auch mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt.