Sonderkosten

19. Juli 2019 03:24; Akt: 19.07.2019 03:45 Print

737-Max-Debakel kostet Boeing Milliarden

Die Bilanz des US-Luftfahrtkonzerns wird im zweiten Quartal wegen der Sonderkosten der 737-Max-Krise mit 4,9 Milliarden Dollar belastet.

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Der US-Luftfahrtkonzern Boeing muss wegen der 737-Max-Krise milliardenschwere Sonderkosten in der Bilanz verdauen. Im zweiten Quartal werde eine Belastung in Höhe von 4,9 Milliarden Dollar nach Steuern anfallen.

Dies teilte das Unternehmen am Donnerstag nach US-Börsenschluss mit. Die 737-Max-Baureihe wurde nach zwei Abstürzen mit Flugverboten belegt. Boeing will seine kompletten Quartalszahlen am 24. Juli der Öffentlichkeit präsentieren.

Laut Boeing soll das nun zurückgelegte Geld für potenzielle Entschädigungen von Fluggesellschaften verwendet werden, die wegen des Ausfalls der 737 Max von Betriebsstörungen und Auslieferungsverzögerungen betroffen sind. Der Konzern will die Sonderkosten zwar komplett im zweiten Quartal verbuchen, die möglichen Kompensationen an die Airlines sollen aber erst über mehrere Jahre gestreckt erfolgen.

Implodierte Gewinnspanne

Zudem teilte der Flugzeugbauer mit, dass die Produktionskosten des gesamten 737-Programms im zweiten Quartal um etwa 1,7 Milliarden Dollar angestiegen sein dürften. Dies liege hauptsächlich daran, dass die Fertigungsrate länger als geplant reduziert werden müsse. Diese gestiegenen Kosten würden auch künftig die Gewinnspannen belasten.

Boeing ist nach zwei Flugzeugabstürzen baugleicher 737-Max-Maschinen in Indonesien und Äthiopien, bei denen im Oktober und März insgesamt 346 Menschen starben, in eine tiefe Krise geraten. Für den betroffenen Flugzeugtyp – bis dahin das meistverkaufte Modell des Herstellers – wurden weltweit Startverbote verhängt. Ob und wann Boeings 737-Max-Serie wieder abheben darf, ist derzeit unklar.

Zuletzt hatten Aufseher weitere Probleme festgestellt, wodurch sich eine Wiederzulassung noch deutlich länger hinziehen könnte. Boeing steht im Verdacht, die Flugzeuge überstürzt auf den Markt gebracht und die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Der Konzern bestreitet dies zwar, hat aber Pannen eingeräumt. Untersuchungsberichte deuteten auf eine fehlerhafte Steuerungssoftware als Absturzursache hin.

Optimistische Schätzungen

Der US-Flugzeugbauer Boeing hofft, im Herbst wieder eine Betriebserlaubnis für die mit einem weltweiten Flugverbot belegten Maschinen vom Typ 737 MAX zu bekommen. Der Konzern erklärte am Donnerstag, angestrebt werde eine Rückkehr zum Flugbetrieb zum Beginn des vierten Quartals. Dies sei aber nur eine «bestmögliche Schätzung». Der tatsächliche Termin könne von dieser Schätzung abweichen.

Die US-Fluggesellschaften mit 737-Max-Maschinen – Southwest, American und United Airlines – hatten zuletzt angekündigt, die Krisenjets bis Anfang November aus den Flugplänen zu streichen. Deshalb entfallen täglich Hunderte Flüge und den Airlines entstehen zusätzliche Kosten. Ein weiteres Problem sind Bestellungen für die 737 Max, die wegen des Flugverbots nicht ausgeliefert werden können.

Anleger konnten die Hiobsbotschaften vom Donnerstag jedoch nicht schrecken. Im Gegenteil: Boeings-Aktien drehten im nachbörslichen Handel sogar mit rund zwei Prozent ins Plus. Offenbar hatten die Marktteilnehmer noch heftigere Belastungen befürchtet. Ohnehin haben sich Börsianer die 737-Max-Krise bisher recht gelassen angeschaut. Auf Jahressicht hat der Aktienkurs sogar um knapp zwölf Prozent zugelegt.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alex am 19.07.2019 04:30 Report Diesen Beitrag melden

    Gewinnoptimirrung vs. Leben

    Sollten sich die Indizien für eine übereillte Entwicklung der 737-Max weiter verdichten, dann gute Nach Boeing! Ich sage nur Produkthaftung & Sammelklagen gibt es in den USA genau für solche krasse Fälle, wenn Unternehmen ihren Gewinn auf Kosten von Menschenleben optimieren.

  • Alexander65 am 19.07.2019 05:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Mitleid

    Selber schuld, hätte alles vermieden werden können... Doch die Gier von einigen wenigen Menschen wird auch bei uns in der Schweiz die Auslagerung von gewissen Firmen(teilen) und Arbeitsplätzen auf Kosten des Bürgers und - ein wenig später - zu Lasten des Steuerzahlers weiter vorantreiben. Auch bei uns zu Ungunsten der Sicherheit bzw. der Wirtschaftsstabilität. Beispiel? Jetzt, nachdem die Pharma-Riesen die Möglichkeiten des Wirtschafts- & Steuer-Standortes Schweiz ausgeschöpft haben, zieht man von dannen - es bleiben: die zusätzlichen Ü40-Arbeitslosen und die armen (Ersatz-)Steuerzahler...

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  • Stefan am 19.07.2019 03:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meistverkauftes Model?

    Das meist verkaufte Model ist eher der typ 737, aber nicht dear typ 737-Max.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bernard am 31.07.2019 19:57 Report Diesen Beitrag melden

    50 jährige Flugzeugkonzepte

    Der Flugzeugtyp B737 ist aus den 60er Jahren, alle Erneuerungen wurden mit einem supplement Type Certified gemacht. Statt den B 757 weiter zu entwickeln, würde dieser aufgegeben und das rächt sich nun. Der Grund dafür sind die Billigairlines wie Rayenair SouthWest u.s.w. die das aus Kostengründen nicht wollen (doubles Ratings Maintenance u.s.w.) jetzt passen die modernen Triebwerk nicht mehr unter den Flügel. Das tricksen funktioniert halt, wie wir das schon von VW kennen schlecht. Airbus steht da etwas besser da, weil mehr Platz unter dem Flügel ist.

  • Analia Wurst am 24.07.2019 01:37 Report Diesen Beitrag melden

    Diesel-Skandal ist ein Mückensch...

    Wenn man bedenkt, wieviel hunterte von Millionen USD die deutsche Autoindustrie wegen dem Diesel-Skandal an US-Gerichte bezahlen mussten, dann müsste die Boeing mehrere hundert Milliarden an Europäische und Asiatische Gerichte bezahlen, aber die Europäer sind und bleiben auserwählte Bücklinge, genauso die Asiaten.

  • US_first_secound_and_last am 23.07.2019 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    Überkapazitäten_endlich_beseitigt

    Naja, durch indische Software, Kostenoptimierung bis zum Limit und groben Managementfehlern. Hat es Boing und die unfähigen FAA-Prüfer ganz alleine geschaft die Überkapaziäten in der weltweiten Flugindustie auf ein gesundes Mass zu reduzieren. Leider führen Flugreduktionen nicht zum erhoften Preisaufschlag (Angebot und Nachfrag). Deshalb wir sich die gesamte Flugindustie noch lange von dieser Amerika verursachten Krise erholen dürfen. (Bankenkrise lässt grüssen)

  • Birnblom am 23.07.2019 05:18 Report Diesen Beitrag melden

    Kurz vor dem Aus

    Boeing könnte sehr bald von Airbus übernommen werden

  • Nikos Vertis am 20.07.2019 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    werden sie bestraft?

    VW musste die Fahrzeuge abkaufen und Busse bezahlen, auch der Betrüger der Entwickler ist im Gefängnis.Ist jemand von Boeing verurteilt worden? Wurden die Angehörige Entschädigt mit Millionen wie es üblich ist wen die Firma zugibt das sie schuld ist, weiss es jemand?