Avenir-Suisse-Idee

10. Juli 2014 11:44; Akt: 10.07.2014 11:45 Print

AHV retten mit Sparzwang für über 55-Jährige?

Jung zahlt für Alt. Dieser Generationenvertrag gerät zunehmend in Schieflage. Um die AHV zu retten, schlägt Avenir Suisse vor, über 55-Jährige zum Sparen zu zwingen – für die Alterspflege.

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Laut Zahlen von Avenir Suisse werden im Jahr 2050 jedem über 80-Jährigen nicht mehr 11,6, sondern nur noch 4,2 Aktive gegenüberstehen. (Bild: Keystone/AP/Oliver Lang)

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Der solidarische Grundgedanke der AHV gerät immer stärker aus dem Lot. Bis ins Jahr 2050 wird die Zahl der Erwerbstätigen pro Rentner auf 1,9 sinken, rechnet die unabhängige Denkfabrik Avenir Suisse in einem am Donnerstag in Zürich präsentierten Buch vor. Derzeit zahlen noch 3,5 Erwerbstätige für einen Rentner. Zudem würden 2050 jedem über 80-Jährigen nicht mehr 11,6 sondern nur noch 4,2 Aktive gegenüberstehen.

Kritik übt Avenir Suisse darum an der aktuellen Regelung der Ergänzungsleistungen. Damit werde Sparen für die Alterspflege bestraft und Konsum gefördert. Wer beim Pflegeheimeintritt noch Kapital besitzt, muss selber für seinen Aufenthalt zahlen. Wer kein Geld oder keines mehr hat, wird vom Kollektiv unterstützt. Avenir Suisse schlägt darum zur Beseitigung «dieses Fehlanreizes» ein persönliches, obligatorisches Sparen ab dem 55. Lebensjahr vor.

175‘000 Franken Schulden pro Kind

Geht es nach den Plänen von Avenir Suisse, soll das angesparte Kapital bei Bedarf für alle Pflegeleistungen eingesetzt und nicht verwendete Mittel im Todesfall vererbt werden. Die Versicherungspflicht erst ab dem 55. Lebensjahr entlaste die jüngeren Generationen und bringe Finanzierung und Erbringung von Pflegeleistungen besser im Einklang.

Will man die finanzielle Belastung der künftigen Generationen analysieren, ist laut Avenir Suisse die Betrachtung der aktuellen Schulden nicht pro Kopf, sondern pro Kind angebracht. Diese liegen in der Schweiz laut Zahlen von 2011 bei 175’000 Franken. Schulden seien dann generationengerecht, wenn sie Leistungen wie Infrastrukturen finanzierten, von denen nachkommende Generationen profitieren könnten. Doch ein beträchtlicher Teil der Schweizer Schulden werde nicht für Investitionen verwendet, sondern für gesetzlich vorgesehene Konsumleistungen, zum Beispiel in der Altersvorsorge, kritisiert die Denkfabrik und schlägt eine Schuldenbremse in der AHV vor.

Kein Zeitplan

Die erwerbstätige Generation findet sich laut Avenir Suisse zunehmend im «Sandwich» zwischen der Betreuung der eigenen Kinder und der Pflege der eigenen Eltern. Letztere können durch altersgerechtes Wohnen ihre Selbständigkeit stärken und damit ihre Kinder entlasten. Auch die grösseren geografischen Distanzen zwischen Familienmitgliedern und unregelmässige Arbeitszeiten setzen die Erwerbsbevölkerung unter Druck: Flexible Arbeitszeitmodelle können die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erhöhen.

Einen konkreten Zeitplan für die Umsetzung präsentiert Avenir Suisse nicht. Dieser wäre zum Scheitern verurteilt, schreiben die Autoren. Stattdessen schlagen sie eine «Politik der kleinen Schritte» vor. Das sei in der direkten Demokratie der gangbarste Weg, um sich an die Entwicklungen anzupassen.

(sas)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Urs Schöner am 10.07.2014 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Geldverschwendung

    Wie wäre es mit weniger Milliarden für den Rest der Welt inkl. Europa und ein paar Milliarden mehr für unsere Alten welche diesen ganzen Wohlstand überhaupt erst ermöglicht haben?

  • Nora T. am 10.07.2014 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Super Idee...

    Ich (22) würde gerne jetzt schon "persönlich obligatorisch" sparen. Leider ist das aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten nicht möglich. Mal sehen wie das mit 55 aussieht. Schon heute gibt es unglaublich viele Arbeitslose 50+. Bin gespannt wie die "sparen" sollen. Solche Ideen kommen doch immer nur von Leuten die jährlich 100'000.- oder mehr verdienen. Für den Normalbürger ist diese Forderung kaum umsetzbar.

  • Ueli H. am 10.07.2014 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Hä, rechnet erst mal!

    Ab 55 sparen, OK. Was bitte soll das. Welchen Betrag könnte man da überhaupt noch sparen. Bedenkt man, dass eine Pflege evtl. mit Heimplatz schnell so ab 100'000 pro Jahr kostet, ist diese Idee reiner theoretischer Müll.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bruno Bärtschi am 11.07.2014 15:25 Report Diesen Beitrag melden

    Geld und Arbeit für Junge

    Sorry, aber auch 55-jährige Erwerbstätige leisten noch AHV-Beiträge, solange sie nicht zugunsten der Jungen ihren Job verlieren. Und wer profitiert am meisten vom Wahn, die Menschen immer älter werden zu lassen? Doch wohl die Pharma-Industrie und die Medizin, die einerseits Hunderte von Milliarden einstecken und anderseits den Jungen Arbeitsplätze bieten.

  • Toby Suter am 11.07.2014 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Von 265 Sfr wird geredet aber ist total

    unnötig oder für was haben wir eigendlich die PK und AHV ?? Allenfalls muss man dort Anpassungen machen das mehr Geld hinein fliesst. Vieleicht weniger ins Ausland verschenken. Zudem ist die Altenpflege mit durchschnittlich 8000 Sfr. zu teuer.Dort liegt das Problem. Älter werden wir auch nicht mehr, das hat stagniert gemäss Statistik Bundesamt. Einfach eine dumme Idee die nie Durchkommt.

  • Jo Klein am 10.07.2014 22:01 Report Diesen Beitrag melden

    Der solidarische Grundgedanke

    war eine tolle Sache, funktioniert aber mit dieser heutigen Asylpolitik und dem Familiennachzug ohne funktionierende Migration nicht. Die Arbeitslosigkeit, Zuwanderung mit Familiennachzug von Menschen die nie in der Schweiz werden arbeiten können(mang.Ausbildung u.Sprachkentnisse), man muss es einfach so nennen wie es ist, werden die Kassen, egal welcher Institution, in die Tiefe reissen. Es ist wie ein Kredit, den ich nur mit weiteren Krediten zurückzahlen kann bis es nicht mehr geht. Zuwanderung mit qualifizierten Menschen können dieses Problem nicht lösen, weil auch sie in die Rente kommen

  • Daniel H. am 10.07.2014 21:21 Report Diesen Beitrag melden

    Gesellschaft selbst Schuld !

    Grob gesagt ist die Gesellschaft und die Politik an dieser Schere SCHULDIG! Kinder mag nahezu jeder, nur sind Kinder immer mehr UNERWÜNSCHT, weil zu Laut, weil Sie dreck machen, weil Sie Unfug machen usw. Perfekte Kinder sind LEISE, Sauber, Super Intelligent, können schon mit 12 Monaten Reden, Schreiben, Lesen und Rechnen. Und Beruflich sind Kinder nicht Förderlich sind Jobkiller! Und Frau will nicht wegen Kinder auf einen Beruflichen ERFOLG Verzichten! WIR BRAUCHEN MEHR KINDER! OHNE SIE bricht das System mal zusammen!

  • fabian hunold am 10.07.2014 20:37 Report Diesen Beitrag melden

    Entwicklungshilfe

    An alle die auf der Entwicklungshilfe rumhacken, hier die Zahlen gemaess Bundesbudget 2013. Ausgaben fuer soziale Wohlfahrt: 21.56 Milliarden (33.5% des Bundeshaushalts). Entwicklungshilfe: 2.3 Milliarden, wovon rund 20% fuer Asylbeantragende und Fluechtlinge in der Schweiz aufgewendet werden, also im Inland. Mit 2.3 Milliarden Franken investiert die Schweiz 0.43% des BSP in die Entwicklungshilfe (obwohl die Bundesversammlung 2011 0.5% als Ziel definierte), was weniger ist als unter anderem UK, Frankreich, Belgien, Schweden, Finnland, die alle in der boesen, boesen EU sind.