Novartis Vergütungssytem

22. Februar 2011 13:17; Akt: 22.02.2011 15:10 Print

Achtungserfolg für Lohnkritiker

Die Novartis-Aktionäre haben dem umstrittenen Vergütungssystem zugestimmt. Mit 38 Prozent Nein-Stimmen verzeichneten die Kritiker aber einen Achtungserfolg. Die Debatte war emotional.

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Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella musst wegen seiner Bezüge viel Kritik einstecken. (Bild: Keystone)

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An der Generalversammlung (GV) des Basler Pharmakonzerns konnten die Aktionäre erstmals konsultativ über das Vergütungssystem abstimmen. 38,3 Prozent der vertretenen Stimmen sprachen sich gegen das Vergütungssystem aus, 61 Prozent dafür. Wegen des konsultativen Charakters der an der letzten GV eingeführten «Say on Pay»-Abstimmung hätte aber auch ein Nein keine direkten Folgen gehabt.

Gegen das seit Jahren umstrittene Vergütungssystem von Novartis hatten sich schon vor der GV etwa die Aktionärsgruppierungen ISS aus den USA sowie Ethos und Actares aus der Schweiz eingesetzt. Moniert wurde unter anderem, dass die variable Vergütung der Geschäftsleitung im Verhältnis zum Grundsalär zu hoch sei.

«Abzocke erster Güte»

Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella verteidigte das Vergütungssystem, das überdurchschnittliche Leistungen überdurchschnittlich honoriere. Das Lohnsystem habe sich als «effizient und klar leistungssteigernd» bewährt. Novartis müsse bei der Rekrutierung von Personal konkurrenzfähig sein und bleiben und in der Pharmaindustrie seien die Vergütungen hoch.

Für seine Bezüge musste sich Vasella an der GV teils scharfe Kritik gefallen lassen. So bezeichnete der Unternehmer Thomas Minder einen 12-Millionen-Beitrag an Vasellas Altersvorsorge als «vorgezogene Abgangsentschädigung, Abzocke erster Güte und Diebstahl am Unternehmen». Solches sei Wasser auf die Mühlen seiner Abzockerinitiative, sagte Minder.

Ethos-Direktor Dominique Biedermann bezeichnete die Abstimmung zwar als gut, das Vergütungssystem jedoch als «nicht akzeptabel». Die Entschädigung von Verwaltungsratspräsident Vasella von 25 Millionen Franken zum Marktwert sei «völlig unangemessen».

Roche mit besserem Resultat

Novartis ist übrigens nicht der erste Schweizer Pharmakonzern, bei dem sich die Aktionäre zum Vergütungssystem äussern können: Bei Roche hiessen die Aktionäre den Entschädigungsbericht 2009 in einer Konsultativabstimmung gut - mit einem Ja-Stimmen-Anteil von über 99 Prozent.

Solche klare Zustimmung erhielt Novartis indes am Dienstag bei den übrigen Traktanden. Neu in Verwaltungsrat gewählt wurde zudem Enrico Vanni. Der Schweizer Chemieingenieur sitzt unter anderem im Verwaltungsrat des Augenheilmittelkonzerns Alcon, den Novartis von Nestlé vollständig übernimmt.


(sda)