Drohende Pleite

09. Januar 2019 14:07; Akt: 09.01.2019 15:21 Print

Hotelplan verkauft keine Germania-Tickets mehr

Erste Reiseveranstalter lassen Germania fallen. Aus Angst vor der Pleite verkauft Hotelplan ab sofort keine Tickets vom Schweizer Germania-Ableger mehr.

Bildstrecke im Grossformat »
Die deutsche Airline Germania steckt in Finanznot. Bis Ende 2018 brauchte die Gesellschaft 20 Millionen Euro, um im Geschäft bleiben zu können. Die Firma prüfe mehrere Optionen, um den Konkurs abzuwenden. Die schlechten Nachrichten folgen auf einen Fast-Rekord 2018: Mit 43'220 Firmengründungen gab es 2018 fast so viele neue Unternehmen in der Schweiz wie im Rekordjahr 2017. Insbesondere im Kanton Zug war das Wachstum gross. Dies, weil sich dort das sogenannte Crypto Valley befindet, das scharenweise Blockchain-Unternehmer anlockt. Doch 2018 gab es auch viele Konkurse. Nach turbulenten Jahren hat die Berner Regionalfluggesellschaft am 29. August den Betrieb eingestellt. Aviatik-Experten sind der Meinung, dass die schwammige Strategie des Unternehmens und die grosse Konkurrenz durch Billig-Airlines Hauptgründe fürs Grounding sind. Im Mai ging der Betreiber der Schweizer OVS-Läden in Nachlassstundung, im August kam der Konkurs. Rund 1200 Mitarbeitende erhielten die Kündigung. Logo Publicitas im Glattpark in Opfikon (ZH) am Dienstag, 1. Mai 2018. (KEYSTONE/Walter Bieri) Kurz vor Skywork meldete mit Belair noch eine zweite Schweizer Airline Konkurs an. Das aus der Konkursmasse von Air Berlin herausgelöste Unternehmen meldete Mitte August die Insolvenz an. Im April ging die Bündner Traditionsfirma Andrea Pitsch in Konkurs. Die Eigentümerfamilie schrieb, der Grund sei der ruinöse Preiskampf in der Branche. Das Unternehmen betonte, dass es nie Teil der Untersuchung der Wettbewerbskommission wegen des Verdachts von Preisabsprachen im Baugewerbe im Kanton Graubünden war. Etwa 200 Ganzjahres- und Saisonstellen gingen verloren. Auch für kleinere Baunternehmen kam es zum Aus: So etwa bei der Hirzel Bauunternehmung aus dem Zürcher Oberland. 67 Mitarbeiter wurden im September informiert, dass die Firma wegen des Margenzerfalls im Wohnungsbau in Liquidation gehe. Die Betreibergesellschaft des umstrittenen Zürcher Edelpuffs Blue Opera meldete Ende August Konkurs an. Das Etablissement soll rund 1 Million Franken Schulden gehabt haben und wurde wiederholt zum Ziel von Vandalen. Im Juli wurde bekannt, dass der Betreiber des zweitgrössten Schweizer Zirkusses Konkurs angemeldet hat. Für den Circus Royal war das aber nicht das Aus: Direktor Oliver Skreinig hatte bereits zuvor einen neue Firma gegründet, die den Zirkus weiterführt. Allerdings läuft derzeit noch ein Strafverfahren, das prüfen soll, ob die Verschiebung in die neue Gesellschaft rechtens war.

Eine Germania Maschine beim Start am Flughafen Zürich.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Erste Schweizer Reiseveranstalter lassen Germania fallen.
«Aufgrund der aktuellen Situation haben wir online und auf sämtlichen Buchungssystemen alle Verkäufe von Germania Flug AG-Tickets als Vorsichtsmassnahme bis auf weiteres gestoppt», sagt Hotelplan-Sprecherin Priska Huguenin-dit-Lenoir am Mittwoch zu 20 Minuten. Auch in den Filialen würden keine Germania Flug AG-Flüge mehr verkauft.

«Falls Kunden dennoch mit der Airline fliegen möchten, müssen sie eine Einverständniserklärung abgeben, dass wir als Veranstalter nicht haften», so Huguenin-dit-Lenoir weiter.
Den Verkauf von einzelnen Linienflüge mit der Airline hat auch Tui Suisse vorübergehend eingestellt. Aber sonst hält Tui Suisse an Germania Flug AG fest: «Das ist ein wichtiger Partner, mit dem wir auch diesen Sommer viele Pauschalreisen durchführen», sagt Sprecherin Bianca Schmidt. «Nach der Pleite von Airberlin sind wir vor allem auf Germania Flug AG umgesetiegen.»

Germania fehlt das Geld

Der Airline Germania fehlt das Geld. Am Dienstagabend teilte die Fluggesellschaft mit, sie prüfe mehrere Optionen, um den kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu sichern. «Es geht dabei um die zentrale Frage, wie wir als mittelständisches Unternehmen auch weiterhin in einem Marktumfeld schlagkräftig bleiben, das von Fluggesellschaften mit konzernähnlichen Strukturen geprägt ist», schreibt das Unternehmen in einer Medienmitteilung.

Probleme bereiten Germania insbesondere Ereignisse wie massive Kerosinpreissteigerungen im letzten Jahr, Währungsturbulenzen sowie Verzögerungen bei Lieferung und Inbetriebnahmen neuer Flugzeuge. Beim Flugbetrieb gibt es der Airline zufolge keine Einschränkungen, alle Germania-Flüge sollen planmässig stattfinden.

Bis zum 27. Dezember 2018 brauchte die Airline bereits 20 Millionen Euro, um weiterfliegen zu können, wie Recherchen des Luftfahrtportals Aerotelegraph zeigen.

Tiefe Preise, hohe Verluste

Germania ist auf Kurz- und Mittelstreckenflüge spezialisiert. Die Fluggesellschaft mit dem grün-weissen Logo transportiert laut eigenen Angaben jährlich mehr als vier Millionen Passagiere. Zusammen mit der Schweizer Germania Flug AG und der Bulgarian Eagle betreibt Germania derzeit eine Flotte von 37 Flugzeugen.

Ab Zürich bedient Germania laut Travelnews im Winterflugplan Ferienziele wie etwas Palma, Teneriffa, Sharm-el Sheikh, Hurghada und Beirut. Die Flüge gibts ab 99 Franken pro Weg. Nach Mallorca geht es sogar ab 49 Franken. Das verdeutlicht laut Travelnews, dass wenig Cash in die Kasse fliesst, um den teurer gewordenen Flugbetrieb kostendeckend aufrechtzuerhalten.

Germania hat schon länger finanzielle Probleme. Wie Aerotelegraph schreibt, resultierte zwischen 2012 und 2016 nur einmal ein Gewinn. Die Verluste sollen sich in dieser Zeit auf über 51 Millionen Dollar belaufen.

(sas)

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Michi am 09.01.2019 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Meinung

    Für 49 Franken muss niemand nach Mallorca fliegen. Und kommt mir nicht mit "Es ist nicht jeder reich". Dann bleibt halt zu Hause.

    einklappen einklappen
  • Michi am 09.01.2019 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Sind wir realistisch

    Der Markt ist übersättigt. Nur billig anbieten geht halt nicht.

    einklappen einklappen
  • StefanSch am 09.01.2019 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Recht so!

    Schade um die Mitarbeiter. Aber eine Fluggesellschaft welche Flüge nach Mallorca anbietet die günstiger sind als der Weg zum Flughafen, hat es nicht verdient zu existieren.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Piz am 11.01.2019 15:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nie mehr Germania!!

    Sehr unfreundlich!! Bei Edelweiss air hingegen sind sie sehr netr und bekommst ein richtiges Schweizer Frühstück. Der Urlaub beginnt bereits an Bord.

  • §§§ am 10.01.2019 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gelegenheit macht Diebe!

    So trostlos negativ hat sich das Leben unsere westlichen Gesellschaftsform bis 2019 entwickelt: alle träumen vom süßen Nichtstun dafür noch möglichst einen großen Lohn zu haben um an allen möglichen schwachsinnigsten Konsumtrends teilhaben zu können. Einer davon ist die Geizhalsfligerei. Mit dem aktuellen Spass- Verschwendungs- und Wegwerferhalten werden unsere Nachkommen beklaut!

  • Swiss am 10.01.2019 14:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Swissair war keine billig Airline

    Und ging pleite !!! Also Ball flach halten, die Schweizer könnten auch nicht rechnen. Und sind nicht besser als alle anderen auch. Das verletzt jetzt ein Par Schweizer im stolz, aber das interessiert niemand.

    • paolo am 11.01.2019 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Swiss. paar

      paar. bitte. .... paar ist das so schwieirig? hoffe habe sie nicht verletzt

    • geri am 15.01.2019 22:57 Report Diesen Beitrag melden

      schwierig und Sie

      @paolo, schwierig und nicht schwieirig, ist das so schwierig, hoffe auch habe Sie und nicht sie verletzt.

    einklappen einklappen
  • RMG am 10.01.2019 12:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder

    Wir flogen im November zum ersten (und sowieso) letztenmal Germania.... Extrem unfreundliches Personal, für essen musste man fast betteln. Beim Rückflug haben wir uns selbst versorgt. Wurden zuerst komisch angesehen, danach kam der Neid. Wir hatten kein Hunger und kein Durst. Solche Firmen sind selber schuld.

    • martin am 11.01.2019 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @RMG

      ich flog im november mit germania. äusserst freundliche crew, es gab kostenlos warmes essen und mehrmals wurden getränke angeboten. mein kollege flog die gleiche strecke mit edelweiss, er bekam genau ein kleines sandwich

    einklappen einklappen
  • F. G. am 10.01.2019 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kerosinpreise ??

    Toll, es wird immer auf die hohen Kerosinpreise hingewiesen. Wer im Internet nachschaut kann selber sehen das dies nicht ganz richtig ist. Problematisch ist eher das Flottenalter der Germania. Reparaturen und Treibstoffverbrauch.