Sonderflüge

10. Februar 2016 05:50; Akt: 27.07.2017 11:14 Print

Airlines verdienen gut an Ausschaffungen

von K. Wolfensberger - Ausschaffungsflüge sind für Airlines ein gutes Geschäft. Allein die Schweiz zahlte 2015 für solche Transporte 8,3 Millionen Franken – und charterte 45 Maschinen für Sonderflüge.

Bildstrecke im Grossformat »
Die Schweiz schaffte im vergangenen Jahr 6285 Personen auf dem Luftweg in ihre Herkunftsstaaten aus. In 5797 Fällen begleiteten die Beamten die betroffenen Personen bis zum Flugzeugeingang. Weigert sich ein Auszuschaffender gewaltsam gegen seine Deportation, so kommt als Ausschaffungsmethode ein Sonderflug in Betracht. Dabei chartert das Staatsekretariat für Migration gleich ein ganzes Flugzeug. Laut «Wirtschaftswoche» ist zum Beispiel Air Berlin in diesem Geschäft tätig, in Kooperation mit der deutschen Bundesregierung. Verlässt eine ausgeschaffte Person die Schweiz via regulärem Linienflug, beschränken sich die Kosten auf den normalen Preis eines Billets. Im Hintergrund fallen aber noch die Kosten für die Polizeiarbeit an. Das Flughafengefängnis in Zürich hat eine besondere Abteilung für die Ausschaffungshaft. So sieht das Gefängnis von aussen aus. Bei einer Ausschaffung kam es im Jahr 2010 zu einem Todesfall. Joseph Chiakwa aus Nigeria starb bei einem Sonderflug in sein Heimatland. In Gedenken an seinen Tod organisierten Aktivisten der Organisation Augenauf 2012 am Flughafen Zürich eine Protestaktion. Dabei spielten sie dem Publikum am Flughafen eine Ausschaffung unter Anwendung von Zwangsmassnahmen vor. Teilweise werden Ausschaffungshäftlinge auch an einen Rollstuhl gefesselt. Auch gegen diese Form der Ausschaffung protestierte die Gruppe Augenauf in der Vergangenheit schon. (Archivbild) In Basel an der Grenze zu Deutschland gibt es ebenfalls ein Ausschaffungsgefängnis. Auf dem Bild: Aktivisten protestieren für die Legalisierung von Sans-Papiers.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Flüchtlingskrise dominiert derzeit die politische Diskussion in der Schweiz. Zentrale Frage ist, wer in der Schweiz bleiben darf und wer nicht. Es gilt: Will jemand das Land trotz eines abschlägigen Asylentscheids oder nach verbüsster Gefängnisstrafe nicht verlassen, schaffen die Behörden die betroffene Person – wenn möglich – aus.

Viele der Abschiebungen geschehen per Flugzeug. Die Flugkosten für «Rückführungen auf dem Luftweg», wie die Ausschaffungen in der Beamtensprache genannt werden, betrugen im vergangenen Jahr 8,3 Millionen Franken, wie Céline Kohlprath, Sprecherin des Staatssekretariats für Migration (SEM), zu 20 Minuten sagt.

Insgesamt schaffte die Schweiz 6285 Personen in regulären Linienflugzeugen aus, wie bisher unveröffentlichte Zahlen zeigen. In 5797 Fällen begleiteten Polizisten die Auszuschaffenden bis zum Flugzeugeingang. In 488 Fällen reisten sie mit den Ausgeschafften bis in den Zielstaat mit, so Kohlprath. Teilweise setzten sie dabei Handfesseln ein. Nicht nur für die ausgeschaffte Person, auch für die Polizisten musste das SEM reguläre Flugtickets kaufen.

Ein gutes Geschäft für die Airlines

Neben den Ausschaffungen via Linienflugzeug gab es 2015 auch 45 Sonderflüge. Diese Art des Transports wird dann angewendet, wenn zu erwarten ist, «dass die rückzuführende Person starken körperlichen Widerstand leisten wird.» Es handelt sich dabei also um speziell von der öffentlichen Hand für Ausschaffungen gecharterte Flüge; eine Art Abschiebe-Sammeltransport.

228 Personen wurden mit solchen Sonderflügen 2015 in ihren Heimatstaat zurückgebracht. Die Kosten für derartige Flüge betrugen laut SEM 2,2 Millionen Franken.

Die Millionenausgaben zeigen: Für die Airlines sind die Ausschaffungen ein gutes Geschäft. Auf Broker-Anfragen der Regierungen nach Chartermaschinen offerieren laut Insidern oft die Airlines aus Osteuropa am günstigsten. Ein Branchenkenner bestätigt: «Für die Fluggesellschaften sind Rückführungen ein gutes Zusatzgeschäft.»

50'000 Franken pro Sonderflug

Das trifft besonders für Sonderflüge zu. Zum Preis eines einzelnen solchen Transports nennt das SEM keine konkrete Zahl. Doch der durchschnittliche Preis pro Flug lässt sich leicht berechnen. Für 45 Sonderflüge gab das SEM 2015 2,2 Millionen Franken aus. Ergo kostet ein Flug im Schnitt etwa 50'000 Franken.

Rechnet man das auf die 228 in dem Jahr auf diesem Wege ausgeschafften Personen herunter, ergibt sich ein Preis von durchschnittlich knapp 10'000 Franken pro ausgeschaffter Person. Nicht inbegriffen in dieser Rechnung sind die Kosten für die Polizisten, wobei auf einem Sonderflug immer mindestens zwei Beamte eine Person begleiten.

Airlines geben sich zugeknöpft

Befragt man Airlines zum Geschäft mit den Ausschaffungen, geben sie sich zugeknöpft. Für die Swiss sagt Sprecherin Karin Müller: «Bezüglich Ausschaffungsflüge kann ich lediglich bestätigen, dass Swiss als nationale Airline für Ausschaffungsflüge im Auftrage des Bundes zur Verfügung steht.»

Immerhin bestätigt Müller, dass die Ausschaffungen sowohl mittels regulären als auch mittels Sonderflügen stattfinden. Dabei stehe die Sicherheit und das Wohlbefinden der Gäste und des Flugpersonals an erster Stelle, jeder Einsatz werde in Zusammenarbeit mit dem SEM sorgfältig geplant und professionell durchgeführt.

Helvetic Airways führt keine Ausschaffungen für das SEM durch. Easyjet sagt nur: «Wir halten uns an alle relevanten Prozeduren, Regulationen und Anforderungen der Behörden.»

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • PG am 10.02.2016 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Airlines

    verdienen am Geschäft mit den Migranten.Anwälte.....Ärzte,vom Allg. Mediziner über Zahnärzte und Psychologen...Organisationen wie private Sekuritas und Sicherheitsdienste.....alle verdienen. Ist eben auch eine Wirtschaft mit deren Lobbyisten.

  • waldo am 10.02.2016 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ganze rechnung präsentieren

    und wenn diese menschen nicht ausgeschafft werden, verdient die sozialindustrie noch wesentlich mehr mit ihnen. das kostet uns steuerzahler ein vielfaches dieser transportkosten. ein brauchbarer artikel würde beide kosten nebeneinander stellen und damit eine weitere entscheidungshilfe bieten.

  • tom the racer am 10.02.2016 06:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausschaffen

    Dafür bezahlen wir auch Steuern. Trotzdem "günstiger" als monate- oder jahrelange Inhaftierung in Schweizer Haftanstalten

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • FiFre am 10.02.2016 09:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Transportflugzeug

    Die Schweiz sollte sich ein paar Transportflugzeuge mit variabler Innenraumnutzung (Bestuhlung vs Transport) zulegen. Diese Flugzeuge sollten am besten von der Armee verwaltet werden, welche die Flugzeuge auch für ihre Aufgaben einsetzen darf, wenn sie nicht für Ausschaffungsflüge gebraucht werden.

  • Dommy Grond am 10.02.2016 09:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst beurteilen anstelle von verurteilen

    An alle Daumen runter Personen. Ich denke ihr lasst euch von der SVP Medienpräsenz blenden. Werft doch mal einen Blick hinter die Auswirkungen eines ja der Initiative. Danach würde ich mich über die Gründe für dieses Ja freuen. Daher mein Aufruf: zuerst beurteilen und dann andere verurteilen.

  • U.W. am 10.02.2016 08:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorausdenken .......

    Die Schweizergrenze gut kontrollieren käme billiger! ........ überall werden zusätzlich noch mehr Polizisten angestellt. Unglaublich was uns das alles kostet!

  • james mc'neil am 10.02.2016 08:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Flugzeug kaufen?

    Wieso kauft sich der Bund keinen eigenen Flieger? Wäre doch wesentlich günstiger und könnte auch für andere Transporte verwendet werden!

  • L.S. am 10.02.2016 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lieber so als anders

    Ausschaffen ist immernoch die günstigste Variante.